Work-Life-Study-Balance und der Wille etwas zu verändern

Wir haben Sarah Steiger und Stefan Schraner zum Interview getroffen. Die beiden haben gemeinsam den Bachelor an der HWZ absolviert und im Herbst 2015 den Master of Science in Strategischem Management in Angriff genommen. In lockerer Atmosphäre erzählen uns die beiden MSc-Scholarship-Stipendiaten, was sie antreibt und wie sie den Balanceakt von Studium, Arbeit und Privatem meistern.

HWZ: Sie sind ja schon lange an der HWZ. Wie sind Sie zur HWZ gekommen?

Sarah Steiger: Ich habe mich anfänglich mit allen Fachhochschulen im Raum Zürich und Nordwestschweiz auseinandergesetzt. Die HWZ hob sich für mich einerseits puncto Standort ab, denn die Nähe ist für mich Lebensqualität. Andererseits war die HWZ damals die einzige Fachhochschule, die einen komplett englischsprachigen Bachelor-Studiengang angeboten hat. Ich wollte unbedingt auf Englisch studieren.

Stefan Schraner: Neben dem englischsprachigen Studium war für mich die explizite Ausrichtung der HWZ auf Berufstätige ausschlaggebend. So sind zum Beispiel Prüfungsleistungen laufend und nicht geballt.

Was ist der Vorteil, wenn man das Bachelor- und das Master-Studium an derselben Institution absolviert?

Schraner: Ich habe auch bei der Wahl des Master-Studiums die Angebote verglichen, fand aber nur wenige mit Fokus auf Strategisches Management. Etwa an der HSG, allerdings hätte ich da einiges nachholen müssen. Ausserdem waren für mich weder ein Vollzeit-, Ausland- noch Fernstudium eine Option. Bei der HWZ wusste ich, es ist ein praxisnahes Studium mit wissenschaftlich-theoretischem Fundament und kleinen Studiengruppen. Aber vor allem: Die HWZ weiss, wie ein Studium aufzubauen ist, das wirklich mit der Arbeit vereinbar ist.

Steiger: Die Strukturen, die Lokalitäten, die Menschen und den Umgang sind einem vertraut. Du weisst, wen du wann für welches Anliegen ansprechen musst. Das macht es komfortabler.

Apropos: Komfort. Sie sprechen implizit den Zeitfaktor an: Wie bringen Sie Studium, Arbeit und Privatleben unter einen Hut?

(beide lachen)

Schraner: Study-Work-Balance?

Steiger: Du meinst wohl eher Work-Work-Balance!

Schraner: Das muss man letztlich individuell herausfinden. Das Master-Studium ist viel intensiver. Nach dem ersten Semester habe ich persönlich Bilanz gezogen und mehr Zeit für Erholung eingeplant. Sieben Tage die Woche arbeiten ist nicht nachhaltig, nicht gesund und beeinflusst auch das Privatleben. Langfristig kann es nur funktionieren, wenn eine Work-Life-Study-Balance gefunden wird.

Was sind die bisherigen Highlights?

Steiger: Im ersten Semester war das für mich das «Strategie-Tagebuch». Das war herausfordernd und dennoch wertvoll, da es mir einen völlig neuen Einblick in das Unternehmen gegeben hat, in dem ich tätig bin. Ich konnte darin Sachen aufzeigen, die zuvor noch nie analysiert wurden. Zudem konnte ich Verbesserungsvorschläge ins Management einbringen, die für die zukünftige Wertschöpfung des Unternehmens wichtig sein können.

Im zweiten Semester war es definitiv die Auslandwoche an der Darden School of Business in den USA. Wir wohnten auf dem Universitätsgelände und hatten richtiges Campus-Feeling. Vor allem aber erlebten wir wertvolle Unterrichtstage – angereichert mit Ausflügen und Führungen.

Schraner: Das Ganze auch noch in Kombination mit den beiden MBA-Klassen der HWZ machte es auch interessant (Anmerkung: EMBA General Management und EMBA Marketing haben ebenfalls an dieser Studienwoche teilgenommen). Sie sind durchschnittlich alle etwa zehn Jahre älter als wir. Das ist eigentlich nicht viel, aber dennoch bemerkt man ein anderes Mindset. Da sind noch ein bisschen Shareholder-Ausprägungen zu beobachten. Bei uns hingegen ist der Fokus komplett auf Stakeholder gerichtet. Allerdings zeigt sich auch, dass sie sehr erfahren sind, dass sie schnelle Businessentscheide treffen können. Dieser Austausch, den wir hatten, moderiert durch einen genialen Professor und in Kombination mit einem spannenden Case: Das absolute Highlight.

Hand aufs Herz: Sie sind beide Stipendiaten, Sie kommen in den Genuss des MSc-Scholarship der HWZ. Wäre die Entscheidung ohne diese Mitfinanzierung anders ausgefallen?

Steiger: Es hat für uns beide definitiv keine Rolle gespielt. Wir hatten uns schon für den Studiengang entschieden und angemeldet, bevor wir überhaupt vom Scholarship gehört haben. Ich sehe das Scholarship als eine Anerkennung meiner Leistungen im Bachelor, was ich schätze. Hinzu kommt, dass man sich auch vom Arbeitgeber unabhängiger machen kann, was ebenfalls positiv ist.

Stichwort Karrierepläne – Können Sie uns da schon etwas verraten?

Schraner: Ich habe gerade meine Kündigung eingereicht, weil ich etwas in Richtung Nachhaltigkeit machen möchte. Ich sehe den Klimawandel als dringendes, globales Problem. Darauf will ich meine Karriere aktiver ausrichten. Aktuell arbeite ich bei einer Bank und bin damit meines Erachtens zu weit entfernt von der Klimawandel-Thematik. Der Zeitpunkt – vor dem Masterabschluss – ist ideal, um Erfahrung in diesem neuen Bereich zu sammeln und mich neu zu positionieren. Grundsätzlich möchte ich zukünftig das erlernte Wissen weiterverwenden und anwenden, weg vom Shareholder hin zum Stakeholder und letztlich nachhaltiger Geschäfte abwickeln.

Steiger: Ich möchte ebenfalls das Gelernte in die Arbeit einfliessen lassen und mich nach dem Master beruflich neu orientieren. In welchem Umfang ist für mich noch nicht klar. Ich denke, die HWZ und dieser Master geben mir ein Skill-Set mit auf den Weg, das ich branchen- und spartenübergreifend anwenden kann.

Wie sieht es mit der Masterarbeit aus?

Steiger: Die Fragestellung meiner Bachelor Thesis: «Was für eine Verantwortung haben Unternehmen gegenüber der Gesellschaft?» interessiert mich nach wie vor. Beispielsweise könnte es eine Forschung zu Economic Benefits & Shared Value mit Stakeholdern geben. Das ist natürlich noch in den Anfängen, aber ich habe das in Gesprächen im Unternehmen schon angekurbelt…

Schraner: Ich möchte darin unbedingt das Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel mit dem Stakeholder-Ansatz verbinden. Dazu sollte dann noch ein sogenannter «Business Angle» einfliessen. Es ist das Zusammenspiel von Unternehmertum, Stakeholder View und Klimawandel, das mich interessiert.

Das abschliessende Wort gehört Ihnen:

Schraner: Was dieses Studium so wertvoll macht, ist auch der Austausch mit Mitstudenten: deren Herangehensweise an Probleme zu sehen sowie von ihrer Erfahrung und den unterschiedlichen Hintergründen zu profitieren.

Steiger: Und nicht zu vergessen all unsere Dozierenden. Durch sie sind wir zugleich am Puls der Wirtschaft und der Wissenschaft.

Herzlichen Dank für dieses Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin einen erfolgreichen Balanceakt zwischen Studium, Arbeit sowie Privatleben und drücken für den Master-Abschluss die Daumen.

Interview: Juni 2016 / Aline Theiler