Eine Karriere in Asien

Einmal ein Autogramm direkt von Roger Federer bekommen, den damaligen Bundespräsidenten Pascal Couchepin kennen lernen, einen Schwatz mit Doris Leuthard, Samuel Schmid und Christoph Blocher halten. Und das alles in der Hauptstadt des bevölkerungsstärksten Landes der Welt. Das hätte ich mir wohl zu Beginn meines Kommunikationsstudiums an der HWZ vor 13 Jahren kaum zu träumen gewagt. Und dennoch, ohne die HWZ und die Unterstützung von Dr. Urs Dürsteler und Cyril Meier und meinem damaligen Arbeitgeber hätte ich mich kaum ins Abenteuer China gestürzt.

Ab nach China

Im Jahr 2005, nach knapp zwei Jahren Balanceakt zwischen Arbeit, Studium und Privatleben, war ich reif für eine Auszeit. Und als ich zufällig von der Möglichkeit an der HWZ hörte, ein Auslandsemester zu verbringen, war ich sofort Feuer und Flamme. Eigentlich schwebten mir Destinationen wie die USA oder Australien vor. Als ich jedoch bei der Infoveranstaltung zufällig neben dem ersten Studenten sass, der in China ein Semester verbracht hatte, empfand ich das als Wink des Schicksals. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich mich nicht im Geringsten für Asien interessiert, aber mir wurde bewusst, dass genau darin das Spannende und die wohl einmaligere Erfahrung bestehen würden. Die Schule unterstützte mich mit der Organisation von Vor- und Nachholen von Arbeiten und Prüfungen. Den ganzen Rest, inklusive Anmeldung bei der Schule (ich suchte sie mir selbst aus, da ich diese gegenüber der Partnerschule der HWZ bevorzugte) organisierte ich selbst und so verbrachte ich schliesslich ein unvergessliches Semester an der Topuniversität Tsinghua in Beijing.

vor der Verbotenen Stadt in Beijing

vor der Verbotenen Stadt in Beijing

Mit Promis auf Du

Ohne dieses Semester hätte ich kaum ein Jahr später das Angebot bekommen, die Stelle als Executive Director der Schweizer Handelskammer in Beijing anzutreten. Das Vorstellungsgespräch erfolgte via Skype auf Englisch, Französisch und Chinesisch. Ohne die HWZ wäre der Stellenantritt ebenfalls schwierig geworden, da man damals für das Arbeitsvisum ein Hochschulstudium vorweisen musste. Den Bachelor-Studiengang hatte ich zu dem Zeitpunkt fast abgeschlossen und die Schule half mir mit einer Bestätigung. Und so zog es mich wieder Richtung Osten. Zurück in Beijing war das Leben extrem hektisch. Dieses Mal war ich ja keine Studentin sondern übernahm die Leitung von mehreren chinesischen und europäischen Mitarbeitern zur Förderung der Wirtschaftsbeziehung zwischen der Schweiz und China, vor allem zur Unterstützung der Schweizer Firmen in China. Dort lernte ich viele hochinteressante und eindrückliche Personen aus der Wirtschaft, Politik und Sport kennen. Olympiasieger hautnah zu treffen war auf jeden Fall eines der Highlights. Die wichtigste Begegnung war jedoch, als ich in Beijing meinen heutigen Mann kennenlernte. Er ist Kolumbianer und arbeitete ebenfalls in Beijing.

mit Roger Federer und Stan Wawrinka an den Olympischen Spielen 2008 in Beijing

Mit Roger Federer und Stan Wawrinka an den Olympischen Spielen 2008 in Beijing

mit dem damaligen Bundesrat Pascal Couchepin

mit dem damaligen Bundesrat Pascal Couchepin

China – Schweiz – Hong Kong

Nach ein paar Jahren China zog es uns beide in die Schweiz. Allerdings stellte sich die Stellensuche als schwieriger als gedacht heraus. Und als ich schliesslich die Möglichkeit hatte, für Lindt & Spruengli als Area Manager in Hong Kong die Verantwortung für Südostasien zu übernehmen, zogen wir wieder in den Wilden Osten zurück.

Das Leben ist eine Verkettung von Ereignissen und Zufällen. Wer weiss wo ich heute wäre, ohne mein damaliges Studium an der HWZ. Es war den Aufwand auf jeden Fall wert und wir können alle stolz sein: Arbeit, Studium, Privatleben für vier Jahre unter hohem Druck zu managen und unter einen Hut zu bringen, das schafft nicht jeder!

 

Schöne Grüsse aus Hong Kong.

Michaela Scarpatetti Serrano Lobelo
HWZ Studiengang Kommunikation 2003-2007
heute Area Manager Asien Lindt & Sprüngli

 

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Portrait Michaela Scarpatetti Serrano Lobelo