Veranstaltung12. April 2019

Cédric Waldburger am HWZ Start-up

Er ist kaum länger als eine Woche am Stück am gleichen Ort, besitzt nur 64 Gegenstände, hat mit 14 sein erstes Start-up gegründet und ist unterdessen an über 15 Unternehmen beteiligt: Cédric Waldburger. Am HWZ Start-up vom 11. April erzählte er, was ihn antreibt und was er in den letzten 15 Jahren in der Start-up-Welt gelernt hat.

Was war Ihr erstes Start-up? Wie sind Sie in die Start-up-Welt gekommen?

Mit 14 habe ich mit einem Freund zusammen angefangen, Websites zu entwickeln. Das war 2002 – in einer Zeit, als jeder eine Website brauchte – ohne zu wissen, wofür und warum. Wir wussten zu dem Zeitpunkt auch nicht, dass wir die Grundlage für unsere erste gemeinsame Firma legen. Daraus entstand die Mediasign AG, von der ich bis 2018 Miteigentümer war. Was mich von Anfang an begeistert hatte, waren die Herausforderungen, die immer wieder kreatives Problemlösen benötigt haben.

Seither waren Sie an unzähligen Start-ups beteiligt, sei es als Gründer oder als Investor. Was fasziniert Sie am meisten an der Start-up Welt?

Ich finde den Prozess, aus “Nichts” ein “Etwas” zu schaffen extrem spannend und herausfordernd. Das Team zusammenstellen, das erste Produkt lancieren, die ersten Kunden finden – dieser Prozess fasziniert und begeistert mich.

Für mich ist die Startup-Welt ein Synonym dafür, stets alles zu hinterfragen und Prozesse zu überdenken. Selbst Firmen, die einen ersten Wachstumsschub hinter sich haben, müssen stets überdenken, wie sie sich neu organisieren können. Diese Dynamik treibt mich an.

Wenn Sie zurück denken, welches Start-up war Ihr Lieblingsprojekt und was würden Sie anders machen?

Am meisten gelernt habe ich von den Projekten, die schief gegangen sind. Vor fast 10 Jahren war ich bei einem Start-up dabei, das einen ‘Online-Schneider’ angeboten hat. Das Produkt und der Markt waren gut – aber mein Bauchgefühl sagte mir von Anfang an, dass das Team nicht passte. Da habe ich eine sehr wertvolle Lektion gelernt: Das Team ist alles in einem jungen Unternehmen. Und seither höre ich immer auf mein Bauchgefühl.

Eins Ihrer aktuellen Projekte heisst Dfinity und hatte eine Bewertung von knapp zwei Milliarden in der letzten Finanzierungsrunde. Was ist Dfinity und was macht es so erfolgreich?

DFINITY baut dezentralisierte Infrastruktur – sozusagen ein ‘Amazon Web Services der Zukunft’. Dezentralisierte Infrastruktur hat viele Vorteile – um zwei zu nennen:

  • Dienste und Apps, die darauf laufen sind sehr transparent. Man weiss sowohl, was mit den eigenen Daten passiert, als auch z. B. ob in eine Applikation eingebrochen wurde oder nicht. Dies ermöglicht zum Beispiel eine neue Welle von eVoting-Applikationen, die auf einer traditionellen Infrastruktur nicht existieren könnten.
  • Daten gehören wieder den Usern: Anstelle von einem grossen, zentralisierten Daten-Silo wie z. B. heute bei vielen weit verbreiteten Applikationen, werden die Daten wieder von Usern gehalten und kontrolliert. Unter anderem macht diese Architektur es für Angreifer viel schwieriger, an grosse Datenmengen zu kommen.

Sie sind auch bekannt als Minimalist, besitzen nur 64 Gegenstände. Wie kamen Sie dazu?

Als ich gemerkt hatte, wie fasziniert ich von der Start-up-Welt bin und wie glücklich es mich macht, immer mehr über Start-ups und ihren Prozess zu lernen, wurde es einfach, andere Sachen aufzugeben. Ich habe gemerkt, dass ich örtlich möglichst flexibel sein möchte, um an verschiedenen Projekten Wert zu stiften und von ihnen zu lernen. Minimalismus war dann einfach eins der Werkzeuge, die mir das ermöglicht haben: Nur 64 Sachen zu besitzen befreit einen extrem und erlaubt es mir, mich voll auf den Inhalt zu konzentrieren.

Sie sind 31, halten sich zur Zeit nirgendwo länger als eine Woche auf und sind an über 15 Unternehmen beteiligt. Wo sehen Sie sich in 10 Jahren und wo in 30 Jahren?

Alle 90 Tage mache ich ganz bewusst einen Schritt zurück und betrachte zwölf Lebensbereiche. Ich schreibe darüber, wo ich aktuell stehe, wie ich mich fühle und ob ich etwas ändern will oder muss. Ich habe gemerkt, dass es für mich schwierig ist, zu planen und vorauszusehen, wo ich in einem oder gar 10 oder 30 Jahren sein werde – darum ist der 90-Tage-Rhythmus für mich viel besser geeignet.

Insgesamt sehe ich gewisse Dinge in meinem Leben ähnlich wie ein Startup. Zum Beispiel habe ich mich gefragt: Was ist meine Vision und meine Mission? Und ich habe gelernt, dass ich mit meinem Leben die Leben von möglichst vielen Personen positiv beeinflussen möchte, indem ich Werkzeuge und Gedanken teile, die das Leben einfacher und spassiger machen.

 

Weitere Informationen zu Cédric Waldburger

Webseite www.cedricwaldburger.com

Artikel Swiss Startup Factory

 

In Zusammenarbeit mit der Swiss Startup Factory führt die HWZ führt die Impulsveranstaltungen «HWZ Start-up» durch. Die Swiss Startup Factory ist ein Venture Studio für Startups und Corporates und gehört zur Swiss Startup Group.

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