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Im Fokus17. Januar 2022

Controller:in der Zukunft: Wie Big Data und IoT neue Daten und neue Jobs schaffen

Big Data, IoT und Prozessdaten: Es gibt neue Möglichkeiten im Controlling zu präziseren und zu vielfältigeren Daten zu kommen. Um diese neuen Chancen zu nutzen, muss das klassische Rollenbild der datenwälzenden Controller:innen aufgebrochen werden. Wie die neue Aufgabe der Controller:innen der Zukunft aussieht, welche Rolle sie im Motorsport spielen und welche Ressourcen ein KMU damit einspart, erklärt Marcus Haegi, Studiengangsleiter CAS Controlling für Führungskräfte HWZ, in seinem Gastkommentar.

Das Daten für das Controlling wichtig sind, ist keine Neuheit, auch nicht, dass Controller sich dabei auf Auswertungen und Systeme stützen. Bis dato haben allerdings Controlling Mitarbeitende 80% ihrer Arbeitszeit für die Datenaufbereitung aufgewendet, für Analyse und Interpretation bleiben noch 20%. Dieses Verhältnis gilt es nun definitiv umzudrehen. Dies wird einerseits durch die präziseren und vielfältigeren Daten durch Big Data, Internet der Dinge und Prozessdaten aus Industrie 4.0 möglich, andererseits durch ein Splitting der Controllerfunktion. Für Aufbereitung, Auswertung und Steuerung der Daten ist der Data Scientist zuständig, während Controller die Analyse, Interpretation und Massnahmenvorschläge verantworten. Das können sie um so besser, wenn die Prozessverantwortlichen miteinbezogen werden und Wissen und Informationen in allen Richtungen regelmässig ausgetauscht werden.

Bruch des klassischen Rollenbildes

Damit dies erfolgreich geschehen kann, muss das klassische Rollenbild aufgebrochen werden. Prozessverantwortliche sollen den Controlling-Prozess der Zielfindung, Planung und Steuerung eines Unternehmens verstehen und in diesen eingebunden sein, die Controller müssen die Geschäftsmodelle und die Geschäftsprozesse verstehen sowie den Markt und das Kundenverhalten kennen.

Dies erfordert von allen Mitarbeitenden in Linien- oder Projektverantwortung sowie Data Scientists und Controller:innen eine entsprechende Weiterbildung im jeweiligen anderen Gebiet sowie eine Forderung und Förderung der Unternehmensleitung zur besseren und gezielteren Zusammenarbeit in einer agilen Führungslandschaft.

Als plakatives Beispiel dient der Motorsport: Der Fahrer ist nicht mehr auf sich allein gestellt, das Fahrzeug liefert eine Riesenmenge an Daten an die Box, die Systeme werten diese laufend aus, rechnen mögliche Szenarien und die Renningenieure können diese in Real Time überwachen und eingreifen, um nötige Änderungen am Setup des Fahrzeuges vornehmen bzw. dem Fahrer Tipps zum Fahrverhalten zu geben.

Ein Gewinn für KMUs

In mittleren und kleineren Unternehmen wird die Funktion des Controllings mehrheitlich durch die Finanzverantwortlichen wahrgenommen und nach wie vor über die klassischen ERP – Systeme sowie Microsoft Anwendungen ausgewertet. Aber gerade in KMU kann eine gezielte Digitalisierung viel Verbesserungspotential in den Ablaufprozessen bringen sowie durch gezielten Einsatz von Automation der repetitiven Aufgaben Zeit und Ressourcen sinnvoll gespart werden. Ein einfaches Beispiel ist die elektronische Erfassung von Rapporten von Servicetechniker und Monteuren, die direkt nach Erfassung ab mobilen Geräten im ERP auf die jeweiligen Aufträge verbucht werden und über verschiedene systemgesteuerte Checks plausibilisiert werden können. Die Daten sind sofort für die Fakturierung, Stundenabrechnungen und Kostenrechnung verfügbar. Durch die Industrie 4.0 entfallen manuelle Arbeitszeiterfassungen auf Aufträge, da diese über die Datenerfassung der Maschine abgerufen werden können. Dies erfordert von den Finanzchefs, dass sie sich tiefer mit der Thematik der Digitalisierung und deren Möglichkeiten auseinandersetzen und entsprechende Projekte im Unternehmen anstossen. Dazu braucht es permanente Kommunikation zwischen Produktion, Marketing, ICT und Controlling.

 

Was können KMU für die erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung im Unternehmen tun:

  • Analyse der Ist-Situation, erkennen der Potentiale der Digitalisierung
  • Befähigung und Schulung der Linien- und Prozessverantwortlichen sowie Controller:innen und IT-Spezialist:innen
  • Aufbau agiler Teams, welche sich aus allen Fachbereichen zusammensetzen
  • Aufbau der geeigneten Systemlandschaft, um die erkannten Digitalisierungspotenziale umzusetzen
  • Anpassen und aktive Unterstützung der agilen Führungskultur

Für das Controlling ergeben sich daraus folgende Chancen:

  • Zielgerichtete und zeitnahe Daten führen zu besseren und schnelleren Analysen
  • Controller:innen können 80% ihrer Zeit für Interpretation und Massnahmenvorschläge verwenden
  • Durch gemeinsame Datenanalyse von Prozess- oder Projektverantwortliche und Controller:innen können breit abgestützte Erkenntnisse und Massnahmen definiert und schneller umgesetzt werden
  • Sinnlose Diskussionen aufgrund unterschiedlichen Datenaufbereitungen entfallen.

Digitalisierung ist eine Revolution der Geschäftsprozesse, welche zu höherer Effizienz und Effektivität führt. Sie ersetzt aber nicht Menschen, sondern ermöglicht besseres und gezielteres Arbeiten. Mitarbeitende müssen aber frühzeitig für diese neuen Aufgaben befähigt und ausgebildet werden. Dazu gehört auch das Bilden von interdisziplinären und agilen Teams, welche sowohl Wertschöpfungs- als auch Supportprozesse abdecken können und ihr Know-how laufend austauschen und verbessern.

 

Portrait Marcus Haegi

Marcus Haegi

Studiengangsleiter HWZ

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