Portrait Sybille Sachs

Aktuell23. November 2016

Auswirkungen der Digitalisierung

Für den Kaufmännischen Verband Schweiz und den Think Tank Thurgau hat die HWZ in einer explorativen Studie die Auswirkungen zu Digitalisierung untersucht. Sie zeigt, dass die Digitalisierung sich auf die gesamte Arbeitswelt auswirkt. Arbeitsverhältnisse werden dynamischer und neue Kompetenzen sind gefragt.

Die Digitalisierung ist in der Arbeitswelt vermehrt spürbar. Ihre Auswirkungen auf die Arbeitswelt und die Entwicklung der Berufsbilder werden zuweilen als Tsunami bezeichnet. In der explorativen Studie wurden Experten dazu befragt, wie sich die Digitalisierung auf die kaufmännischen Berufsbilder auswirkt. Die Studienautoren Prof. Dr. Sybille Sachs, Dr. Claude Meier und lic. phil. Vanessa McSorley halten fest, dass sich kaufmännische Berufe in Zukunft vor allem durch koordinierende Schnittstellenfunktionen und Kundenorientierung auszeichnen werden.

Aufgrund der neuen Wirtschaftsmodelle und Organisationsstrukturen müssen sich kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Angestellte von Sacharbeitenden zunehmend zu Vermittlern und Managern entwickeln, die mit komplexen Aufgaben umgehen und Ideen und Informationen bei verschiedenen Adressaten verständlich machen können

sagt Prof. Dr. Sybille Sachs, Leiterin des Institutes für Strategisches Management: A Stakeholder View.

Durch diese Ausrichtung wird das vernetzte Denken mehr gefordert sein. Ausserdem ist eine gewisse Verschmelzung mit dem Bereich der Informatik von Nöten, wobei sich diese Verschmelzung vor allem auf die Bedienungskompetenzen bezüglich digitaler Tools konzentriert. Es besteht aber keine Notwendigkeit, Fähigkeiten als Programmierer zu erwerben.

Vom Angestellten zum Portfolioworker

Die Studie zeigt zudem, dass die Arbeitsverhältnisses und die Personenkonstellationen dynamischer werden: Arbeitnehmende werden zu sogenannten «Portfolioworker» und werden künftig öfter projektbasiert beschäftigt anstatt festangestellt sein. Die Teams, in denen eine Person arbeitet, werden sich deshalb oft verändern und immer wieder neu zusammensetzen. Durch diese Entwicklung können bzw. müssen Arbeitnehmende vermehrt auch selber Initiativen, Ideen und Projekte lancieren. «Die Arbeit wird interessant, kreativ, wenig repetitiv, aber auch sehr anspruchsvoll.» führt Sachs aus.

Das notwendige Kompetenzportfolio

Damit kaufmännische Arbeitnehmende zu den Digitalisierungsgewinnern gehören, benötigen sie zukünftig ein umfassendes Kompetenzportfolio, das sie lebenslang weiterentwickeln müssen. Gefragt ist vor allem die sogenannte Übersetzungskompetenz: Im sozial-kulturellen Bereich wird darunter eine Sozialisierungskompetenz verstanden, durch die man Ideen und Informationen unterschiedlichen Adressaten vermitteln kann. Im ökonomischen Bereich ist es die Fähigkeit, strategische Ausrichtungen im Operativen zu konkretisieren. Zudem ist es wesentlich, Vorhandenes zu hinterfragen, um Neues schaffen zu können.

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Eine zwischen Generalistenwissen und Spezialisierung ausgewogene kaufmännische Ausbildung wird nach wie vor gefragt sein. Spezialisierungen sind vor allem in Funktionen und nicht mehr in Branchen gefordert, da die Bedeutung von Branchen aufgrund der Digitalisierung schwindet.

Die Rolle der Bildungsinstitutionen

Die Studie stellt auch fest, dass Bildungsinstitutionen in Zukunft eine soziale Verantwortung haben. Sie sollen die Aus- und Weiterbildung der relevanten Kompetenzen unterstützen und zwar auf der Basis von individualisierten Lernpfaden für lebenslangen Lernen.

 

 

Downloads:

Der Schlussbericht der Studie

Präsentation der Ergebnisse

 

Weiterführend:

Institut für Strategisches Management: A Stakeholder View

kfmv Blog: Offshoring und Digitalisierung sind stark miteinander verflochten

Tagesanzeiger: Bis zu 100’000 KV-Jobs gefährdet

Blick.ch: Digitalisierung gefährdet bis zu 100’000 Jobs- Ende des KV-Landes Schweiz

20min: Digitalisierung bedroht 100’000 KV-Jobs

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