Aktuell29. Juni 2020

Happy Monday: vom Open-Air zum Autokino

Daniel Frischknecht sass im Unterricht des CAS Digital Leadership, als der Bundesrat das Verbot von Veranstaltungen über 1000 Personen verkündete. Als COO von Cinerent, dem Organisator des Allianz Open-Air-Kinos traf ihn diese Ankündigung bis ins Mark. Wie turbulent die letzten Wochen beim Kinoveranstalter verliefen, was er vom Unterricht in dieser Zeit mitnehmen konnte und wie sie mit dem Allianz Drive-In Cinema ein Happy End fanden, erzählt uns Daniel Frischknecht im Interview.

Mit unserer Happy Monday-Serie starten wir jede Woche mit  spannenden Geschichten und schönen Erfolgen von unseren Studierenden, Mitarbeitenden und Dozierenden.

Daniel, du arbeitest bei Cinerent und ihr organisiert die Allianz Open-Air-Kinos. Wann wurde euch bewusst, dass dieses Jahr wohl keine Kinovorstellungen stattfinden werden?

Das war ein schleichender Prozess. Ich mag mich gut erinnern, am Freitag, 28. Februar, sass ich im CAS Kurs an der HWZ, als der Bundesrat das Verbot für Veranstaltungen über 1’000 Personen verkündete. Die Konzentration liess für den Rest des Tages ziemlich nach. Da unsere Events Mitte Juli stattfinden, nahmen wir die Situation damals noch nicht so richtig ernst und gingen davon aus, dass sich alles wieder relativieren wird. Doch dann ging es Schlag auf Schlag, die Covid-19 Einschränkungen nahmen, parallel mit den Ansteckungen, Woche für Woche zu und es zeichnete sich ab, dass wir allenfalls doch betroffen sein könnten. Wir hangelten uns von Bundesrats-Medienkonferenz zu Bundesrats-Medienkonferenz, mit der Hoffnung auf eine Lockerung oder zumindest klarere Rahmenbedingungen. Die Entscheide für die Veranstaltungsbranche wurden allerdings von Monat zu Monat verschoben. Wir mussten somit mit der Planung der Open-Air-Kinos fortfahren und parallel ein Alternativszenario ausarbeiten. Der finale Entscheid konnten und mussten wir Ende Mai fällen. Extrem spät für eine Veranstaltung unserer Grösse.

Wie schwer ist euch diese Absage gefallen? Sowohl aus wirtschaftlicher, als auch aus emotionaler Sicht?
Sehr schwer. Wir organisieren diese Veranstaltungen seit über 30 Jahren mit grosser Leidenschaft! Ich persönlich bin seit über 17 Jahren involviert und die Open-Air-Kinos gehören zu meinem Sommer. Aktuell bin ich noch so stark im Trubel um die Autokinos, dass ich gar nicht richtig realisiere, was es dann emotional für mich bedeuten wird, wenn ich die Abende nicht in Zürich am Zürichhorn oder in Basel auf dem Münsterplatz verbringe. Wirtschaftlich trifft uns die Absage und deren Folgen ebenfalls stark.

Kannst du uns einen Einblick geben, was in den letzten Monaten hinter den Kulissen gelaufen ist?
Die Anfangsphase war geprägt von extrem grosser Unsicherheit. Das ganze Team wechselte auf Kurzarbeit und es war unklar, ob und wie es überhaupt weiter gehen würde. Die Situation für uns als KMU war existenzbedrohend, da wir im In- und Ausland ausschliesslich vom Veranstaltungsgeschäft abhängig sind. Trotzdem mussten wir so gut wie möglich vorbereitet sein, um im Fall der Fälle «on-time» loslegen zu können. Das war eine sehr schwierige Zeit.

Die Zeit seit der Absage der Open-Air-Kinos und dem Start des Alternativprojekts «Allianz Drive-In Cinema» kann man eigentlich sehr gut als «absolutes Chaos» beschreiben☺.

Wir stellen in kürzester Zeit, in einem Kollektiv mit zwei weiteren Veranstaltern und unserem Titelsponsor Allianz, eine Autokino-Eventreihe an über 20 Standorten in der Schweiz auf die Beine. Wir kämpfen an allen Fronten: mit den Behörden um die Bewilligung der Standorte, mit dem Bundesamt für Kommunikation um die entsprechenden UKW Frequenzen (der Filmton kommt beim Autokino aus dem Autoradio) und natürlich geht es auch darum, die Finanzierung sicher zu stellen. Parallel halten uns, die sich in sehr regelmässigen Abständen ändernden, Covid-19 Massnahmen und Vorschriften auf Trab. Es gibt Tage da wechselt die Ausgangslage beinahe im Stundentakt, das ist richtig brutal. Ich habe das in meiner beruflichen Karriere so noch nie erlebt.

Aktuellstes Beispiel: Wir waren in Basel im Besitz der Bewilligung, die Kommunikation war draussen und der Ticketverkauf lief bereits. Ein paar Tage vor dem ersten Spieltag erhielten wir von den zuständigen Behörden die Information, dass wir keine UKW Frequenz erhalten werden. Somit hiess es wieder: Veranstaltung absagen, alle betroffenen Parteien informieren, Kommunikation anpassen und einen neuen Standort suchen.

Wie seid ihr auf die Idee des Autokinos gekommen?
Wir haben versucht eine Covid-19 kompatible Version von Open-Air Kino zu finden. Im Extremfall (vor den Lockerungen) wären alle Gäste in Autos angereist, hätten dieses nicht verlassen dürfen und wären wieder nach Hause gefahren. Social Distancing in Perfektion. Unterdessen können wir dank den Lockerungen auch ein Gastronomie-Angebot vor Ort anbieten, man darf das Fahrzeug verlassen und die Atmosphäre wird sicher auch lockerer sein.

Welches sind die grössten Herausforderungen bei einer solchen kurzfristigen Änderung?
Den Überblick und die Motivation zu behalten. Es läuft für das ganze Team extrem viel in sehr kurzer Zeit. Die Ausgangslage wechselt ständig und es gibt extrem viele Hürden. Hinzu kommt der grosse Druck und die Geschwindigkeit.

Du absolvierst den CAS Digital Leadership an der HWZ. Was konntest du in dieser Situation aus dem Unterricht mitnehmen?
Mich haben in dieser Zeit besonders die Leadership-spezifischen Blöcke des CAS wie «Leadership in a transforming world», «Cultural Transformation» oder «Diversity & Leadership» sehr inspiriert. Es ist schon etwas anderes im Krisenmodus mit einem Team und seinem Vorgesetzten zu arbeiten als im Normalbetrieb. Da half vieles, was wir gelernt haben.

Das Naming des Blocks «Navigating Chaos in a VUCA world» fand ich etwas übertrieben, bis ich nun am eigenen Leibe und in voller Wucht erfahren habe wie sich eine «VUCA world» anfühlt.

 

 

Lea Bischoff Kommunikation HWZ

Lea Bischoff

Project Manager Corporate Communications

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