HWZ meets LIIP

Veranstaltung27. Juni 2018

HWZ meets Holacracy

Vor zweieinhalb Jahren hat die Internetagentur LIIP die Organisationsform Holacracy eingeführt. Seither gibt es im Unternehmen keine hierarchischen Beziehungen zwischen Menschen mehr. Tonio Zemp hat als Partner der Agentur seine Führungsposition und seine Macht abgegeben, Vera Lorenzi hingegen hat als HR Fachfrau nun innerhalb von ihren Rollen volle Autorität. Am «HWZ meets..» vom 21. Juni erzählten sie über neue Entscheidungskompetenzen, die Reaktion der Kunden und was passiert, wenn jeder Mitarbeiter soviel Geld ausgeben kann, wie er möchte.

Die Organisationsform

Tonio: Früher hatten wir eine Teamstruktur. Nach und nach haben wir den Teams mehr Verantwortung übergeben. Auf der Suche nach einer neuen Struktur, welche diese Herangehensweise aufnimmt, sind wir auf Holacracy gestossen. Holacracy bietet ein Framework, wie man sich ohne hierarchische Beziehungen organisieren kann.

Die Rollen

Vera: Die Struktur besteht aus Rollen und Kreisen, die sich immer wandeln. Alle Mitarbeitenden bilden und verändern die Struktur eines Unternehmens. Eine Rolle hat die absolute Befugnis in ihrem Gebiet, die anderen haben kein Veto-Recht. Ich habe 15 Rollen, wovon nicht alle im HR angegliedert sind. Wie viel Zeit ich in eine Rolle investiere, liegt bei mir.

Die Entscheidungskompetenz

Vera: Wenn es gut läuft, dann ist die Entscheidungskompetenz super, denn Entscheidungen können ohne Umwege getroffen werden. Auch wenn es nicht gut läuft, muss man für seine Entscheidung gerade stehen. Das ist zu Beginn sicherlich ungewohnt und schwierig.

Die Finanzen

Tonio: Zu Beginn kam der Vorschlag, dass jeder so viel Geld in seiner Rolle ausgeben darf, wie er mag. Erst bin ich erschrocken und dachte, dann könnte doch der Lehrling einen Tesla kaufen, um das PET zu entsorgen. Doch tatsächlich wird weniger Geld ausgegeben als vorher. Und es hat auch noch niemand einen Tesla gekauft.

Der Lohn

Tonio: Ein sehr emotionales Thema. Holacracy liefert nicht die Regeln wie der Lohn eingestuft wird, sondern definiert lediglich die Prozesse, wie solche Regeln entstehen können. Bei uns hat sich schnell ein Circle für Lohnrevolution gebildet. Wir hatten jedoch schon vorher ein Punktesystem und schnell bemerkt, dass dies gar nicht so schlecht ist. Es ist also eher ein Circle der Lohnevolution geworden. Seit Anfang dieses Jahres haben wir zum Beispiel bereits komplette Lohntransparenz. Aber die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen und wird es wohl auch nie sein.

Das Recruting

Tonio: Gerade beim Wechsel war sehr viel Arbeit da, und die Leute haben viele neue Personen eingestellt. Als früherer Chef wusste ich, dass das nicht die Lösung ist, denn bis die Leute eingearbeitet sind, sieht es vielleicht ganz anders aus. Und so war es auch. Ein halbes Jahr später waren wir zu viele. Aber aus diesem Fehler wurde gelernt.

 

Die Kunden

Tonio: Natürlich gibt es Momente, in denen es brennt und der Kunde dann mit «dem Chef» reden möchte. Das ist super, jetzt können wir einfach die fähigste Person schicken. Und das funktioniert tatsächlich, denn der Kunde will einfach jemanden sprechen, der eine Lösung findet.

Die Freiheit

Vera: Ich kann alles selbst einteilen: meine Prioritäten, wann möchte ich was wie erledigen. Alles ist sehr dynamisch und die Arbeitszeiten sind flexibel. Zum Schluss muss ich auf meine Stunden kommen und die Arbeit erledigt haben.

 

Vera Lorenzi

Vera Lorenzi startete bei einer Personalberatung für Fach- und Führungskräfte ins Berufsleben und bildete sich zur eidg. dipl. HR Fachfrau weiter. Nach dem Abschluss wechselte sie die Seite und arbeitete bei einer klassisch hierarchisch organisierten Bank. Sie merkte bald, dass dies nicht das richtige Umfeld für sie ist und suchte etwas Neues. Mehr durch Zufall entdeckte sie ein Jobinserat von Liip und arbeitet seit Oktober 2015 im Bereich HR und betreut die Mitarbeitenden der Standorte Zürich, Bern und St.Gallen.

 

Tonio Zemp

Der heute 36-jährige Tonio Zemp finanzierte sein Studium der Betriebswirtschaften und Informatik an der Universität Bern mit seiner eigenen Webagentur. Zugunsten einer Karriere bei Accenture liquidierte er diese nach dem Studium und widmete sich dem Leben als IT-Berater. Sein Engagement in der Open-Source-Szene führte ihn jedoch rasch zu dem damals, 2009, noch jungen Web-Unternehmen Liip. Als Partner und Mitglied der Geschäftsleitung agierte er in den Bereichen Business Development, Projektleitung und Innovation. Um eine nachhaltige Struktur für die Zukunft zu schaffen, hat sich die Geschäftsleitung dazu entschlossen, den Weg in die Selbstorganisation zu wagen und Hierarchien vollständig abzubauen. Seit Januar 2016 arbeiten über 150 Angestellte ohne Geschäftsleitung oder Vorgesetzte.

 

 

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Lea Bischoff Kommunikation HWZ

Lea Bischoff

Project Manager Corporate Communications

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