Ist RegTech die Lösung aus dem Regulierungs-Dschungel?

10.11.2017

An der HWZ-Arena vom 9.11.2017 an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich diskutierten Monika Roth, Daniel Jositsch, Thomas Bucher und Dominik Witz unter der Leitung von Stefan Mair die Herausforderungen von Regulierung und Compliance im Zeitalter der Digitalisierung.

«Compliance und Regulierung sind äusserst dynamisch und führen dadurch auch zu hohen Anpassungskosten für die regulierten Institutionen» fasste Thomas Rautenstrauch, Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ, in seinem Inputreferat zu Beginn der HWZ-Arena die Herausforderungen zusammen.

Ständerat Daniel Jositsch nahm diesen Punkt gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion auf:

Ich hinterfrage selbstkritisch die ganze Entwicklung. Wir regulieren uns derart, dass eine Branche Leute anstellen muss, um Regulierung zu verstehen.

Und auch Thomas Bucher, CFO und Mitglied der Geschäftsleitung Alpiq Gruppe, sieht die hohe Anzahl an Gesetzen kritisch: «Regulierung ist nicht falsch, aber die Regulierungsdichte im Energiehandel ist hoch, weil früher Banken im Markt mitgespielt haben.» Hier hakte Daniel Jositsch ein: «Die Finanzbranche ist das Paradebeispiel. Etwas Regulierteres gibt es nicht. Seit 2008 macht das Parlament sich nur darüber Gedanken, wie wir Sicherheit in die Finanzbranche kriegen, aber nicht, wie wir die Branche fördern können. Regulierung verliert dort sein Ziel aus den Augen.» Advokatin Monika Roth gab zu Bedenken:

Je mehr Regulierung, desto höher die Compliance-Risiken.

Thomas Bucher forderte daraufhin Daniel Jositsch auf, er solle einen Vorstoss gegen die Regulierungsdichte machen. Daniel Jositsch dazu: «Sagen Sie mir, welches Gesetz ich abschaffen soll, dann mach ich einen Vorstoss. Ich sage das oft, aber dann kommt nichts zurück.»

Ist RegTech die Lösung aus dem Regulierungsirrgarten?

Thomas Rautenstrauch zeigte in seinem Inputreferat die RegTech-Landschaft der Schweiz auf und stellte als Musterbeispiel Qumram vor. Das Start-up bietet eine Big-Data-Plattform, bei der sämtliche Interaktionen digital rechtssicher aufgezeichnet werden. Spannend dabei ist, dass Qumram exakt am Tag der HWZ-Arena an einen amerikanischen Anbieter verkauft wurde. Moderator Stefan Mair von der Handelszeitung fragte sogleich bei Dominik Witz, Head of Compliance & RegTech Swisscom Banking, der mit Qumram zusammenarbeitet, nach. Dieser erklärte zur Übernahme: «Es wird auch im Ausland wahrgenommen, dass wir in der Schweiz spannende RegTech-Start-ups haben.»

Auf die Frage, ob RegTech nur da ist um zu sparen oder auch um Regeln einzuhalten, meint Dominik Witz:

Das Leben wird risikobehafteter und komplexer. Der Wunsch ist, etwas Komplexität zu nehmen.

Monika Roth gab ihm Recht, glaubt aber, dass Digitalisierung alleine nicht die Lösung ist: «Es braucht beides, die Digitalisierung und den Menschen. Digitalisierung erleichtert einiges, allerdings glaube ich, dass man Verantwortung nicht an Systeme delegieren kann.»

Eine Karriere in RegTech

Da sich im Publikum auch viele Studierende der HWZ befanden, fragte Stefan Mair zum Schluss bei Dominik Witz nach, ob er diesen eine Karriere in RegTech anraten würde und welche Voraussetzungen sie mitbringen müssten. Die erste Frage bejahte Dominik Witz und erklärte:

RegTech besteht aus zwei verschiedenen Kulturen, die auf sich zugehen sollen. Es braucht deshalb beides, ein Grundverständnis in Recht und eines in IT.