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Aktuell29. November 2021

Mehr Austausch begünstigt Innovationen

Die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft soll intensiviert werden, finden Prof. Matthias Rüegg, Rektor HWZ, und Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Im Interview, das in der Beilage «Alpha» unter anderem im Tagesanzeiger wie auch in der Sonntagszeitung erschienen ist, erklären sie warum und wie.

Dieses Interview ist als Erstpublikation in der Beilage «Alpha» unter anderem im Tagesanzeiger und in der Sonntagszeitung vom Sonntag, 28. November 2021, erschienen. Das Interview hat Andreas Minder geführt. 

Was erhoffen Sie sich von einer engeren Zusammenarbeit von Wirtschaft und Hochschulen?
Matthias Rüegg: Aus der Sicht der HWZ steht der volkswirtschaftliche Nutzen einer Zusammenarbeit zwischen dem Arbeits- und dem Bildungsplatz Schweiz im Fokus. Praxisnahe Weiterbildung gibt Mitarbeitenden Impulse, die sie direkt in ihre Arbeitsprozesse einbringen können. Forschungsergebnisse und Trends kommen damit schneller in wirtschaftliche Abläufe. Gleichzeitig fliessen Anforderungen der Arbeitswelt rascher in die Aus- und Weiterbildungen ein. Wir haben viele Dozierende, die auch in Unternehmungen tätig sind. Sie bringen Ideen aus der Praxis, die sie auch als angewandte Forschungsprojekte weiterführen. Wird solcher Austausch zwischen Wirtschaft und Hochschule gefördert, führt dies zu einem nachhaltigeren Innovationsklima.

Hans-Ulrich Bigler: Viel Innovation kommt aus Arbeitsprozessen, wenn beispielsweise ein Arbeitnehmer erkennt, wie man etwas effizienter machen könnte. Um das näher anzuschauen, gibt es die Möglichkeit, zusammen mit einer Hochschule, eine Unterstützung bei Innosuisse, der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung, zu beantragen. Aber ich höre von vielen Unternehmern, dass das Prozedere dafür zu aufwändig ist. All die Formulare auszufüllen, um dann ein paar Tausend Franken zu bekommen, lohnt sich nicht. Also lässt man es bleiben. Das ist schade. Denn wenn ein Projekt einmal aufgegleist ist, läuft es in der Regel gut. Die administrativen Hürden sollten herabgesetzt werden.

Die HWZ rühmt sich, dass ihre Weiterbildungen und die Forschung bereits heute auf die Bedürfnisse der Praxis ausgerichtet sind. In welchen Bereichen besteht dennoch ein Manko?
MR: In der Wirtschaft werden die Innovationszyklen immer kürzer. Der bestehende Austausch zwischen Wirtschaft und Hochschule genügt den künftigen Anforderungen nicht mehr, er muss noch dynamischer werden. Zum Beispiel damit Arbeitskräfte permanent aktuelle, marktrelevante Weiterbildungen erhalten. Im Bereich der Forschung könnte ein vermehrter Datentransfer zu wirkungsvolleren Ergebnissen für die Praxis führen. Viele Unternehmen nutzen die Datenschätze, die sie besitzen, zu wenig und lassen die Datenfriedhöfe verkommen.

HUB: Das Hauptproblem von Unternehmen ist es, hochschulseitig den richtigen Ansprechpartner zu finden. Herauszufinden, wer kompetent und interessiert ist, erfordert einen relativ hohen Abklärungsaufwand. Erschwert wird das Ganze dadurch, dass Wissenschaftler und Unternehmer anders an Fragen herangehen. Ein Unternehmer denkt lösungsorientiert, der Wissenschaftler denkt mehr in Thesen. Deshalb gibt es von Unternehmerseite auch Hemmungen, auf die Wissenschaft zuzugehen. Man müsste die Kontaktaufnahme vereinfachen, um die beiden Welten näher zusammenzubringen.

Was geschieht konkret, um die Zusammenarbeit zu intensivieren?
MR: Wie Herr Bigler sagt, ist das Matching eines der grössten Hindernisse. Wir finden deshalb, dass es eine bessere Vernetzung braucht, nicht nur auf der Führungsebene, sondern auch auf der Ebene der Mitarbeitenden. In einem fein gesponnenen Netz ist es einfacher, den richtigen Ansprechpartner zu finden. Die Vernetzung ist einer der Stärken der HWZ, wir pflegen sie gezielt. Wir sind sehr dezentral organisiert, wollen nun aber auch versuchen, die Vernetzung für alle sichtbarer zu machen. Denn selbst innerhalb unserer eigenen Hochschule wissen nicht alle, wie viele gute Kontakte wir eigentlich haben. Potenzial sehen wir ausserdem in der zunehmenden Digitalisierung und besseren Customer-Relationship-Management-Systemen (CRM). Was diese Systeme zwischen Firmen und Kunden ermöglichen, könnten sie auch im Verhältnis zwischen Hochschule und Wirtschaft leisten. Wir sind daran, das in der HWZ zu entwickeln. Aber man müsste das auch gesamtschweizerisch verbessern.

HUB: Man könnte sich am öffentlichen Beschaffungswesen orientieren. Auf der Plattform Simap.ch werden alle Projekte der öffentlichen Hand aufgeschaltet. So etwas könnte ich mir auch für die Forschungsthemen vorstellen. Die Wirtschaft und die Hochschulen könnten ihre Fragestellungen, Projekte und Ideen einspeisen. Die Plattform müsste von den Hochschulen eingerichtet werden. In der Pflicht stehen besonders die Fachhochschulen, weil sie die Wirtschaft brauchen, um die gesetzlich vorgeschriebene, anwendungsorientierte Forschung machen zu können.

Im Leitbild der HWZ, dass sie die Unabhängigkeit von Lehre und Forschung garantiert. Wie geht das, wenn sie sich gleichzeitig so stark nach den Wünschen der Wirtschaft richtet?
Matthias Rüegg:

Es ist sehr wichtig, dass Unternehmen keinen inhaltlichen Einfluss auf Forschungsergebnisse und die daraus resultierende Lehre nehmen können. Studien müssen ergebnisoffen und unabhängig erstellt werden. Dafür steht die HWZ voll und ganz ein. Als Wirtschaftshochschule müssen wir unsere Forschungsanstrengungen jedoch auf die Bedürfnislage der Wirtschaft ausrichten. Unser bevorzugtes Forschungsfeld ist die Wirtschaft. Hier gibt es sehr grosse Synergien zwischen der HWZ und der Wirtschaft, die genutzt werden wollen.

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