Bildcredit: Nora Brumm / foundbyheart

Aktuell01. März 2019

Social Media wird uns nicht ruinieren – keine Panik!

Sind «Smombies» ein Sinnbild unserer Gesellschaft? Verrotten unsere Kommunikationsfähigkeiten, weil wir von unseren Smartphones so eingenommen sind, dass wir die Welt darum herum nicht mehr wahrnehmen? Dabei nutzen wir doch das Smartphone und allen voran Social Media, um mit unserer Umwelt in Kontakt zu bleiben. Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit im Umgang mit den nicht mehr so neuen Medien.

Artikel von Roger Hämmerli, Head of Social Media bei Ringier und Dozent CAS Social Media Management

«Immer diese Jugendlichen mit ihren Telefonen. Das wird ja immer schlimmer», höre ich eine ältere Frau neben mir in der Strassenbahn meckern. Ein kurzer Blick genügt: Da sind eigentlich fast alle Blicke auf das Smartphone gerichtet. Es wird getippt, gechattet, telefoniert, gestreamt, gesnappt und gepostet. Ist Social Media etwa das Ende der sozialen Kommunikation zwischen uns Menschen? Bullshit. Das ist Evolution par excellence, meine Freunde.

Die steigende Digitalisierung und die globale Vernetzung schreitet voran und damit auch die Nutzung der Smartphones, Tablets und Konsorte. Wenn wir ehrlich sind, ist ein Alltag ohne kluges Telefon für die meisten Menschen nur schwer vorstellbar – für einige wäre es sogar finanziell schädlich kein Smartphone dabei zu haben.

Smartphone-Nutzer weltweit – Statista.de

Smartphone-Nutzer weltweit – Statista.de

Ihr wart früher kein Dreck besser, liebe alte Generation.

Jetzt hattest du schon Angst, dass das jetzt ein richtig trockener wissenschaftlicher Artikel mit vielen Statistiken und Zitaten wird, stimmt’s? Keine Panik. Genau so, wie uns Social Media nicht versauen wird, werde ich nicht auf einmal politisch korrekte und wissenschaftliche Texte verfassen. Trotzdem will ich ja nicht nur unterhalten, sondern auch ein wenig bescheidenes Wissen vermitteln.

Wie komme ich auf also auf die Behauptung, dass uns Social Media nicht ruinieren wird und wir damit auch in Zukunft klar kommen?

Die Art und Weise wie sich Medienportale, Wissenschaftler und Fernsehsendungen über die Nutzung von Smartphones in der Jugend auslassen, ist oft zu einseitig. Da wird von fehlender Interaktion, Verlust von Menschlichkeit und noch mehr gepredigt. Was die Gesellschaft nicht bemerkt: Wir machen diesen Schritt immer und immer wieder. Lass mich dir das aufgrund der näheren Menschheitsgeschichte aufzeigen.

Als zum Beginn des 20. Jahrhunderts das Radio kommerziell aufkam, wurde es von vielen Menschen als überflüssig abgetan und schon totgesagt bevor es überhaupt startete. Das passierte übrigens auch Ken Olson, der 1977 aus voller Überzeugung sagte: «Es gibt keinen Grund, wieso jemand einen Computer zu Hause haben will.» Die Geschichte hat uns eines Besseren belehrt. Dann kam die grosse Fernseh-Revolution und die Menschen waren sich sicher, dass die bösen Flimmer-Boxen unsere soziale Interaktion zerstören werden.

«Es gibt keinen Grund, wieso jemand einen Computer zu Hause haben will.» – Ken Olson (1977)

Fakt ist: Die Entwicklung und die digitale Revolution mindern unsere sozialen Interaktionen nicht. Sie verschieben die Plattformen auf denen sie stattfinden. Anstelle das man mit seinen Freunden ein Brettspiel hervorholt, trifft man sich online und zockt über tausende Kilometer Entfernung zusammen ein wenig FIFA. Obwohl man am Stammtisch sitzen könnte und mit seinen Kollegen diskutieren könnte, postet man jetzt direkt unter die Beiträge von Medienhäusern auf Facebook und diskutiert mit Autoren und Experten live mit. Der schüchterne Typ, der sich früher nie getraut hätte in einer Bar eine Frau anzusprechen, trifft mithilfe von Tinder die Frau seines Lebens.

Die menschliche Natur hat vor allem Angst, das neu ist. Die Generation vor uns hatte wohl die schwierigste Anpassung durchzumachen. So viele neue Errungenschaften in der Technologie und ein Fortschritt, wie ihn die Menschheit noch nie erlebt hat. Da muss man auch ein wenig Geduld aufbringen, aber es ändert nichts am Ausgang der Geschichte. Die Aufmerksamkeit des Menschen und die Neugier trachtet nach Errungenschaften und Fortschritt. Nur das Medium dafür ändert sich.

Zur Person: Roger Hämmerli

Roger Hämmerli ist Head of Social Media bei Ringier AG und lebt seit mehr als neun Jahren auf und von Social Media. Der 28-Jährige entwickelte während dem Wirtschaftsstudium eine #1-App fürs Smartphone und gründete danach sein eigenes Social- und Online-Consulting-Unternehmen.

Bei Ringier ist er seit 4 Jahren und hat mit seinem Team hat er mehr als 1 Million Social Media Follower auf Instagram, Facebook, Snapchat und Twitter im deutschsprachigen Raum Europas aufgebaut. Zudem ist er Dozent im CAS Social Media Management an der HWZ.

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