Aktuell11. Dezember 2021

Was ist ein NFT?

Ein Katzen-GIF wird für 600’000 Dollar verkauft. Wie bitte? Egal, ob GIFs, Kunstwerke oder Musikstücke – gerade sind Sammler:innen bereit, Unsummen dafür zu bezahlen. Und dies in Form von NFTs. Doch was ist ein NFT und welche Rolle spielt diese Währung in der Bildungslandschaft? Patrick Comboeuf, Studiengangsleiter CAS Fintech & Blockchain Economy an der HWZ & Principal bei EY etventure, erklärt es uns im neuesten «Ask the Expert».

Die HWZ lebt zu einem grossen Teil vom Wissen ihrer Expertinnen und Experten aus der Praxis. In unserer Rubrik «Ask the Expert» stellen wir unseren HWZ-Expertinnen und -Experten Fragen aus Themenbereichen, die an der HWZ im Unterricht behandelt werden. Dabei handelt es sich um Fragen, die immer wieder auftauchen und aktuelle Fachbegriffe, die Erklärungsbedarf haben. In einem ausführlichen Blogbeitrag gehen Studiengangsleitende oder Dozierende den Fragen auf den Grund

Was ist ein NFT?
NFT steht für ‘Non Fungible Token’. Das heisst, es handelt sich um ein nicht ersetzbares (engl.: non-fungible) digital geschütztes Objekt. Technisch beruht das Konzept auf einer hinterlegten Zeichenkette, die – im Gegensatz zu einem Fungible Token – nicht austauschbar oder kopierbar ist. Dies ist beispielsweise relevant, um digitale Dateien oder Inhalte wie Sammelkarten, Musik, Memes oder computergenerierte Kunstwerke als Einzelstücke zu kennzeichnen.

Die Analogie im nicht-digitalen Leben wäre beim NFT beispielsweise die Mona Lisa von Leonardo Da Vinci: Sie kann nicht ersetzt werden, weil das originale Werk physisch nur einmal existiert und zwar als Ausstellungsstück im Pariser Louvre.

Token werden allgemein im Zusammenhang mit der Blockchain und Kryptowährungen erwähnt und sind digitale Zertifikate, gespeichert auf einer gesicherten und verteilten Datenbank.

NFTs und Metaverse. Gibt es da einen Zusammenhang?
Eine tolle Frage. Bei vielen vermeintlich neu gehypten Technologiethemen geht oft vergessen, wo und wie diese in Kombination mit anderen zusätzliche Innovationspotentiale erschliessen könnten. Metaverse und NFTs sind ‘friendly Neighbors’ in Bezug auf den Monetarisierungsaspekt. Monetarisierung bzw. die Entwicklung neuer sowie die Kombination verschiedener (digitaler) Geschäftsmodelle – notabene, ein Bereich, der uns an der HWZ als Wirtschaftshochschule ganz weit oben im Lehrplan steht – ist die grösste Motivation für die Bereitschaft der Marktteilnehmer, grosse Investitionen in die darunterliegenden Technologieplattformen zu leisten.

Metaverse – die Verknüpfung verschiedener heute oft silo-artig getrennten digitalen Plattformen wie E-Commerce, Social Media, Gaming und Digitalwährungen mit der analogen Realwelt – findet in der Blockchain-Technologie (spezifisch durch die dezentrale Abwicklung von Kryptowährungstransaktionen und NFTs) meiner Meinung nach einen Partner, um diese mitunter für Laien etwas abstrakte Vision greifbarer zu machen. Wenn ich digitale Werte (z. B. Währungen, ein unverwechselbares Outfit für meinen Zoom-Avatar, ein PS-starkes Gefährt auf digitalen Gaming-Plattformen) sicher und eineindeutig einem Eigentümer als Original zuordnen kann, lässt sich damit für den Urheber respektive Verkäufer:innen und Käufer:innen auch eine Wertschöpfung erzielen.

Was ist der Sinn und Zweck von NFTs?
Mit dem ursprünglichen Internet hat sich «Inhalte sind frei» als Eckpfeiler etabliert und für viele Branchen «leider» auch bis heute gehalten. Während sich an gewissen Orten – wie z. B. Social Media – allmählich die Erkenntnis «Wenn das Produkt/die Dienstleistung kostenlos ist, bist wohl du (bzw. deine Datenspuren) das Produkt» durchsetzt, ist dies insbesondere bei der Urheberschaft von digitalen Inhalten noch nicht weit verbreitet. Der Grund liegt darin, dass digitale Inhalte, die nicht kryptographisch gesichert oder als einzigartig und unveränderlich in einer dezentralen Blockchain geschrieben sind, sich relativ einfach als Attachments und Screenshots kopieren und weitergeben lassen. Das heisst potentiell, dass so ein Prosumer-Modell (der Konsument wird zum Produzenten) sehr effizient abgewickelt werden kann. Wenn ich nur schon meine eigene Daten-Souveränität zurückerlange, ist dies ein beachtlicher Schritt weg vom «Gratis-Mantra» des Internet 1.0.

Welche neuen Use-Cases eröffnen sich dadurch?
Vor 50 Jahren hätte sich die Gesellschaft nicht vorstellen können, für saubere Luft bezahlen zu müssen. Die Zertifikate, welche Unternehmen heute erwerben, um ihren CO2-Ausstoss zu kompensieren, bedeuten aber genau das. Bei Metaverse und NFTs soll uns dieses Beispiel ein Ansporn sein, bei den Anwendungsfällen etwas grösser zu denken. Überall wo es heute analoge Werte mit entsprechendem Markt gibt, wird es in absehbarer Zukunft auch in einem digitalen Pendant Angebot auf Nachfrage treffen. Über mittlerweile reife Technologien wird dies einfach, sicher und rechtlich verbindlich abgewickelt werden können.

Bei realen Werten bedeutet Besitz oft auch Eigentum. Der Vorteil von NFT’s ist, dass auch Investitionen in Mikroanteilen möglich sind.

Dies erschliesst so auch Anlegern mit kleineren Tickets den Zugang zu interessanten alternativen Anlageklassen aus dem Kunstmarkt, indem sie z. B. an der (positiven) Wertentwicklung einer digitalen Kunstinstallation partizipieren ohne sie komplett zu besitzen. Transaktionen sind digital viel einfacher, niederschwellig abzubilden, was wiederum Nachfrage-fördernd wirkt. Das dies nicht nur Zukunftsmusik ist, zeigt der Blick in die Nachrichtenspalten der Mainstream-Medien. So hat die Post in Zusammenarbeit mit Exponenten des Schweizer Crypto-Valley im November 2021 mit grossem Erfolg eine Serie von Cryptostamps, also tokenisierte digitale Briefmarken lanciert. Sie waren innerhalb weniger Stunden ausverkauft.

Es gibt auch andere spannende NFT-Beispiele. Unter anderem wurde dieses GIF erst kürzlich für 600’000 Dollar als NFT versteigert ⬇️ (Das heisst, Urheber:in dieses GIFs ist jetzt die Person, die diese Summe bezahlt hat und demnach müsste man dies ab sofort bei jeder Verwendung des GIFs richtig kennzeichnen…)

via GIPHY

Was macht NFTs wertvoll?
Aus Sicht der Urheber bieten NFTs endlich eine niederschwellige Möglichkeit, den Wert ihrer digitalen Werke zu monetarisieren. Beim Käufer wiederum erschliesst sich über die verbriefte Ein-Eindeutigkeit des digitalen Eigentums die Möglichkeit, sich digitale Originale oder Anteile davon zu erwerben und Mitspieler oder Arbeitskollegen mit dem einzigartigen virtuellen Laserschwert oder Avatar-Outfit von Gucci zu beeindrucken. Man kann diese «NFT Accessoires» später aber auch einfach weiterverkaufen.

Wie werden NFTs bezahlt?
NFTs werden mit Geld bezahlt, oft mit Kryptowährungen. Mit der Verbreitung von Kryptobörsen und digitalen Wallets ist die Transaktion aber auch in realen Währungen (sogenannte FIAT-Currencies) genauso einfach abbildbar, wie die Buchung eines Hotelzimmers oder der Kauf eines Kinotickets über eine App oder das Internet.

Welche Rolle könnten NFTs in der Bildungslandschaft spielen?
Hier sehe ich kurzfristig weniger den Monetarisierungsaspekt im Vordergrund. Aber gerade bei der Prozesseffizienz im Rahmen der Ausstellung von Diplomen, Zertifikaten oder Zeugnissen sind viele Vorteile für Anbieter, Studierende und Arbeitgeber offensichtlich. Namentlich bei der Wertigkeit entsprechender Leistungsnachweise auch und gerade im grenzüberschreitenden Arbeitsverkehr.

Zudem kann ich mir durchaus vorstellen, dass Autor:innen von herausragenden Masterarbeiten diese Thesen als Original-NFTs einem möglichen Markt zuführen wollen.

Du hast es anfangs kurz angesprochen: NFTs sind an der HWZ bereits ein grosses Thema.
Genau. Aktuell in zweifacher Hinsicht: Einerseits durch eine vertiefte ökonomische Auseinandersetzung mit NFTs als Anklageklasse und Geschäftsmodellerweiterung im Studiengang «Fintech & Blockchain Economy» (der nächste startet im Mai 2022 und es hat noch wenige freie Plätze :-)). Andererseits haben wir kürzlich bei zwei Studiengängen im Center for Financial Studies gemeinsam mit der Swisscom Blockchain-Zertifikate vergeben. Etwas was man durchaus schon als Einstieg in die faszinierende aber noch wenig kartographierte Welt dieser digitalen Assets betrachten kann.

 

Mehr über den CAS Fintech & Blockchain Economy erfahren:

Oderbolz Laura HWZ Kommunikation

Laura Oderbolz

Project Manager Corporate Communications

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