HWZ Science17. Mai 2022

Berufsbilder erfolgreich transformieren

Berufsbilder verändern sich – dies vor allem durch den technologischen Wandel. In einer Studie haben Tiziana Gaito und Ramona Demasi, Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Instituts für Strategisches Management: Stakeholder View HWZ, untersucht, welchen Einfluss dieser Wandel auf die gefragten Kompetenzen der Mitarbeitenden hat. Wir wollten mehr über die Studie erfahren und haben nachgefragt.

Der technologische Wandel verändert Berufsbilder. Wie können wir uns diesen Wandel vorstellen?
Der technologische Wandel bringt Herausforderungen mit sich, die unter dem Begriff VUCA (Volatilität, Ungewissheit, Komplexität, Mehrdeutigkeit) fallen. Als Folge davon werden die Organisationsstrukturen flexibler, die Hierarchien flacher und die intrinsische Motivation von Mitarbeitenden zunehmend wichtiger, um die unternehmerische Zukunftsfähigkeit sicherzustellen. Dies wirkt sich auch auf die Berufsbilder aus.

Ihr habt untersucht, welchen Einfluss dieser Wandel auf die gefragten Kompetenzen der Mitarbeitenden hat. Könnt ihr hier etwas mehr über das Studiendesign erzählen?
Die Studie ist im Rahmen des praxisorientierten Forschungsprojektes «Betriebswirtschaftliche Berufsbilder 2030» entstanden, welches vom KV Schweiz in Auftrag gegeben wurde.

Zuerst haben wir wissenschaftliche und praxisorientierte Studien ausgewertet, um ein Bild darüber zu erhalten, wie sich die Berufsbilder aufgrund des technologischen Wandels verändern. Danach haben wir 14 semistrukturierte Interviews mit Führungspersonen aus agilen Unternehmen unterschiedlicher Branchen durchgeführt und qualitativ analysiert. Die Erkenntnisse aus diesen Experteninterviews erlauben es, die bestehende Forschung aus einer praktischen Sicht zu erweitern.

Wir reden im Folgenden über Kompetenzen von Mitarbeitenden. Von welcher Kaderstufe reden wir hier?
Die Studie konzentriert sich auf betriebswirtschaftliche Nachwuchskräfte auf der unteren und mittleren Kaderstufe und in der Projektarbeit. Hierarchien werden zunehmend fluider, weshalb wir in der Studie annehmen, dass sich die Kompetenzen von zukünftigen Führungspersonen und Mitarbeitenden annähern.

Ihr unterscheidet zwischen Fachwissen, Methodenkompetenzen, Sozialkompetenz und persönlichen Kompetenzen. Könnt ihr auf diese vier Punkte eingehen und aufzeigen, wie sich die vier Kompetenzfelder verändern?
Das Fachwissen beschreibt die notwendigen Kompetenzen, um den jeweiligen Beruf unter Anwendung der neuen Technologien auszuüben. Heute wird vermehrt ein breites Grundwissen mit einer spezifischen Vertiefung gefragt, d. h. das sogenannte T-Shape-Wissen.

Kompetenzen, welche für die Anwendung des berufsspezifischen Fachwissens notwendig sind, werden Methodenkompetenzen genannt. Der zunehmende Innovationsdruck und die Ungewissheit der Zukunft erfordern mehr Kreativität und innovatives Denken als früher. Dies impliziert, dass Mitarbeitende in der Lage sein müssen, neue Ideen zu entwickeln, ihre Entscheidungen und Handlungen zu reflektieren und komplexe Informationen zu verstehen.

Sozialkompetenzen beinhalten Kompetenzen für die Kommunikation und Interaktion mit anderen. Durch zunehmend fluide Hierarchien müssen Mitarbeitende sich aktiv einbringen, um verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen zu können. Dies wiederum bedeutet, dass die Kompromiss- und Kooperationsfähigkeit an Bedeutung gewinnen.

Hinsichtlich der persönlichen Kompetenzen wird das Selbstmanagement immer wichtiger. Selbständiges Arbeiten und Organisieren ist zentral, um den hektischen und volatilen Berufsalltag erfolgreich zu meistern.

Die Erkenntnisse eurer Interviews mit agilen Führungspersonen haben gezeigt, dass der technologische Wandel eine Veränderung gewisser Kompetenzen mit sich bringt. Daraus resultierend habt ihr drei neue Kategorien von zukunftsrelevanten Kompetenzen gebildet. Könnt ihr uns diese erläutern?
Bei den Anpassungskompetenzen geht es darum, mit der Schnelllebigkeit klar zu kommen. Hierbei spielt eine hohe Lernbereitschaft und die notwendigen IT-Anwendungs- & Navigationskenntnisse eine zentrale Rolle, um sich stets neues Wissen anzueignen. Gleichzeitig ist ein generelles Wissen gefragt, um die grossen Zusammenhänge zu verstehen. Gerade in betriebswirtschaftlichen Berufsbildern ist es beispielsweise wichtig, zwischen unterschiedlichen Fachbereichen vermitteln zu können.

Leadership-Kompetenzen sind zentral, um mit fluiden Hierarchien umgehen zu können. Insbesondere auf den unteren Hierarchiestufen wird es weniger Führungspersonen geben. D. h. Mitarbeitende ohne permanente Führungspositionen sich müssen vermehrt selbst führen können. Dies bedingt, dass sie mitdenken, sich selbst reflektieren und temporär die inhaltliche Verantwortung für den eigenen Kompetenzbereich übernehmen können. Eine hohe Sozialkompetenz ist wichtig, um sich in den fluiden Hierarchien zu bewegen, in unterschiedlichen Teams zu arbeiten und klar zu kommunizieren.

Um mit neuartigen Situationen umzugehen, sind agile Methodenkompetenzen erforderlich. Im Kontext von Unsicherheit und Ambiguität gibt es oft kein «richtig» oder «falsch». Deshalb ist es wichtig, komplexe Informationen verstehen, analysieren, reflektieren und Argumente abwägen zu können. So können Entscheidungen getroffen werden, für die man danach die Verantwortung übernehmen kann. Gleichzeitig ist die Kreativität sehr wichtig, um für neuartige Problemstellungen neue Lösungen entwickeln zu können.

Insgesamt gehen diese neuartigen Kompetenzen mit einem Upskilling einher. Dies fordert insbesondere weniger qualifizierte Mitarbeitende heraus. Unternehmen sollen deswegen geeignete Entwicklungsprogramme zur Verfügung stellen und die betroffenen Mitarbeitenden durch Mentoring begleiten.

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Lea Bischoff Kommunikation HWZ

Lea Bischoff

Project Manager Corporate Communications

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