Portrait Sybille Sachs

Forschung23. April 2020

Zirkuläre Ökonomie: Reduce, Reuse and Recycle

Das Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten Monaten mit der internationalen Bewegung Friday for Future grosse Aufmerksamkeit gewonnen. Wir sind aufgerufen, über Generationen und Länder hinweg gemeinsame Lösungen zu finden, um die Nutzung der natürlichen Ressourcen drastisch zu senken, die globalen, linearen Wertschöpfungsketten in überschaubare Kreisläufe aufzubrechen und damit auch den schwindelerregenden Klimawandel zu verlangsamen. Das Motto ist Reduce, Reuse and Recycle (RRR).

Ein Beitrag von Sybille Sachs, Leiterin des Instituts für Strategisches Management HWZ

Diese Vision RRR ist bekannt unter dem Begriff zirkuläre Ökonomie. Die Idee der zirkulären Ökonomie wurde 1990 vom britischen Wirtschaftswissenschaftler David Pearce eingebracht. Seit 2015 hat diese Auffassung von Ökonomie auch ständig an Bedeutung gewonnen. In der Politik hat sich die EU seit 2015 der Idee der zirkulären Ökonomie verschrieben und zahlreiche Massnahmenpakete verabschiedet. Auch die Schweiz hat sich bereits engagiert. Anfangs März habe ich an einer Konferenz der University of Tampere teilgenommen, an der die neuesten Ergebnisse aus einem nationalen finnischen Forschungsprojekt zum Thema Zirkuläre Ökonomie vorgestellt wurden.

Ein Drittel des Essens wird weltweit weggeworfen

Ein prominentes Beispiel, welches von den Forschenden vorgestellt wurde, waren Lösungen zum Thema Foodwaste in der zirkulären Ökonomie. Bis anhin hat die technische Seite die Forschungsuntersuchungen dominiert, nun gewinnen aber die Veränderung des Mindsets des Business an Bedeutung. Unternehmungen sehen mit der Vision von RRR eine Möglichkeit, ihre eigenen Ineffizienzen auszumerzen in einem unnachhaltigen System. Die zirkuläre Ökonomie soll die neue Business Logik werden. Die unternehmerischen Transformationsprozesse der Digitalisierung bieten dabei insofern eine Unterstützung, indem diese Businessmodelle bereits effizienter sind und auf Zusammenarbeit setzen.

Da die Kreislaufbeziehungen in der zirkulären Ökonomie überschaubarer werden, wird es einfacher, die Vorteile, die sich durch eine Zusammenarbeit mit den Partnern ergeben, zu nutzen. Zusätzlich sollen nun aber möglichst wenig natürliche Ressourcen zum Einsatz kommen. Damit werden nicht nur immer weitere Möglichkeiten für den Kunden geschaffen, sondern es ist auch in unser aller Verantwortung, Ressourcen so wenig wie möglich und so schonend wie möglich einzusetzen. Durch diese geschlossenen Kreisläufe soll auch eine Verlangsamung erreicht werden, die diametral zum hyperschnellen Wandel der Digitalisierung steht.

Für grosse Herausforderungen, wie der weltweite Foodwaste, kann nun aber gerade durch die zirkuläre Ökonomie Lösungen gefunden werden, die zur nachhaltigen Lebensqualität der Menschen wie auch zum nachhaltigen Schutz der Natur führt. Der Mindset der zirkulären Business Logik schliesst den Ressourcenkreislauf, verlangsamt damit die Verwendung von natürlichen Ressourcen, indem das Essen neuverteilt oder wiederverkauft wird.

Mindset for Future

Gesucht sind in Zukunft Unternehmungen und Startups, die Foodwaste als Chance nutzen und ihn zum Ausgangspunkt für neue Businessmodelle machen, die dem zirkulären Mindset von RRR entsprechen. Folgende Veränderungen des Mindset sind dabei möglich:

1. Rettung: Es werden Menschengruppen oder Naturbereiche gerettet. Dieser Mindset ist sehr emotional besetzt. Indem vor allem natürliche Ressourcen geschont werden, können die Kreisläufe verlangsamt und die Konsumenten umweltbewusster werden. Das Tischlein deck dich ist ein Beispiel dafür, indem nicht verkaufte Esswaren umverteilt werden .
2. Sparsamkeit: Das Augenmerk ist nun auf die Verschleuderung von natürlichen Ressourcen gerichtet. In diesem Mindset geht es um die Verengung der Kreisläufe und die Konsumenten werden zum Ressourcenoptimierer. Ein Beispiel ist co-kitchen, dass den Kunden ressourcenarmes Kochen nahebringt.

3. Innovation: Es werden strukturelle Massnahmen getroffen, welche die ganze Wertschöpfung umstellt in einer langfristigen Ausrichtung. Die Multistakeholderinitiative der Schweizer Fleischbranche Savoir-Faire ist ein Beispiel dafür.

Hoffnung für die Zukunft

Speziell hoffnungsvoll stimmt, dass gerade junge Mitarbeitende immer mehr auf eine Nachhaltigkeitsorientierung setzen, wenn sie sich für eine Unternehmung als Arbeitsplatz entscheiden. Die Arbeitgeberattraktivität ist somit auch ein wichtiges Argument für Unternehmungen, sich zukünftig vermehrt mit der zirkulären Ökonomie zu befassen. Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit von Beyond Leadership hilft Unternehmungen auch für das Business for Future.

 

Portrait Sybille Sachs

Prof. Dr. Sybille Sachs

Leiterin Institut für Strategisches Management

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