14. Januar 2026 · 40 Jahre HWZ

38 Jahre an der HWZ: Dozent Thomas Kaiser blickt zurück

Fast so lange wie es die HWZ gibt, ist Thomas Kaiser Teil ihrer Geschichte. Der studierte Germanist und Historiker unterrichtet seit 1988 Deutsch sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und wurde 2011 mit dem Best Teaching Award ausgezeichnet. Wir haben ihn gefragt, was ihn all die Jahre an der HWZ begeistert hat und welche Erlebnisse ihm besonders geblieben sind.

Das alte Juventus-Gebäude: Unterrichtsort in den Anfängen der HWZ.

Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.


Thomas, du bist seit 1988 Dozent an der HWZ. Was hält dich so lange an der HWZ?
Es gibt viele Gründe. Ich bin Historiker aus Leidenschaft und es freut mich immer wieder, Menschen für Geschichte zu begeistern. Besonders freuen mich die Rückmeldungen der Studierenden. Etwa wenn sie mir sagen, dass sie dank meines Unterrichts Zusammenhänge besser verstehen oder historische Entwicklungen einordnen können. Ebenso wichtig sind für mich das gute Miteinander an der HWZ und der offene Austausch mit Studierenden, Mitarbeitenden und Fachkolleg:innen. Diese Atmosphäre hat mich all die Jahre begleitet und ist ein wesentlicher Grund, warum ich der HWZ bis heute verbunden bin.

Wie war es, in den Anfangsjahren für die HWZ tätig zu sein?
Als ich 1988 an der damaligen Höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschule (HWV) zu unterrichten begann, befand sich das Institut im alten Juventus-Gebäude an der Lagerstrasse 41. Anders als heute besuchten dort neben den Studierenden der HWV auch Jugendliche, die die KV-Ausbildung absolvierten, Lehrveranstaltungen. Die Unterrichtsräume waren eher klein, die Infrastruktur schlicht und zeittypisch: grüne Wandtafel, Hellraumprojektor, Flipchart. Die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen war sehr gut. Man traf sich im Lehrerzimmer und pflegte einen intensiven Austausch.

Was bedeutet es dir, als Dozent tätig zu sein, und was ist dir bei deinem Unterrichtsstil besonders wichtig?
Diese Tätigkeit bedeutet mir bis heute sehr viel. Sie erfüllt mich und ist eine grosse Bereicherung. Der Austausch mit den Studierenden ist jedes Mal anregend und auch immer lehrreich. Über die Auszeichnung mit dem Best Teaching Award habe ich mich natürlich gefreut. Noch mehr freut mich, dass ich auch nach so vielen Jahren weiterhin positives Feedback von meinen Studierenden erhalte. Das motiviert mich sehr. Ich glaube, für Studierende ist es angenehm, wenn Dozierende authentisch sind und eine echte Interaktion entsteht. Wichtig ist mir, auf Fragen einzugehen, die Studierenden aktiv zum Nachfragen zu ermutigen und sie so gut wie möglich in die Unterrichtsgestaltung einzubeziehen.

Gibt es Situationen, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Sehr gut erinnere ich mich an einen unangekündigten Schulbesuch des damaligen Direktors Willi Huber in der ersten Klasse der HWV. Es war ein Samstagmorgen, als er plötzlich im Türrahmen stand. Kurz schoss mir das Adrenalin ins Blut, da ich damals erst ein halbes Jahr Unterrichtserfahrung hatte und entsprechend nervös war. Er muss zufrieden gewesen sein, sonst wäre ich heute wohl nicht mehr hier.

Ebenfalls in Erinnerung geblieben ist mir die Übergabe des Best Teaching Awards. Das war mir fast ein wenig unangenehm, da ich nicht gerne im Mittelpunkt stehe. Auch die mündlichen Prüfungen in Geschichte, die 2019 abgeschafft wurden, sind mir präsent. Damals wurde der gesamte Lehrstoff geprüft, was für einige Studierende eine grosse Herausforderung bedeutete. Und nicht zuletzt erinnere ich mich gerne an eine Exkursion nach Berlin, die ich für die Studierenden organisiert habe.

«Der falsche Zeitpunkt für Feldforschung»

Stefan Unholz, Dozent für Recht von 1992-2019

Der Beginn meiner Tätigkeit an der damals berufsbegleitenden HWV Zürich im Jahr 1992 ist mir vor allem wegen der museal anmutenden Unterrichtszimmer im Juventus-Gebäude an der Lagerstrasse in Erinnerung geblieben. Die kleinen HWV-Unterrichtsräume befanden sich im fünften Stock und waren vom nicht privilegierten Fussvolk (also Studierende und HWV-Dozierende) nur über steile Treppen erreichbar. In den vorhandenen Lift schmuggeln konnte man sich höchstens, wenn man zufällig einer Putzfrau begegnete und es einem gelang, ihr theatralisch stöhnend ein Knie-Leiden glaubhaft zu machen. Verglichen mit dem heutigen Sihlhof waren die Zimmer spartanisch und mit gefühlt etwa 50 Jahre altem Mobiliar eingerichtet. Die Infrastruktur beschränkte sich auf einen Hellraumprojektor sowie eine manuell von der Zimmerdecke abrollbare Leinwand. Zudem kannte man den Begriff Raumbewirtschaftung noch kaum. So kam es ab und zu vor, dass ich auf viel weniger Stühle als Studierende traf.

An einem schwülheissen Freitagabend im Hochsommer konnte ich wieder einmal nur Sitzplätze für knapp zwei Drittel der 32 Studierenden anbieten. Den Studi-Spruch «Aber Sie – das geht doch nicht, bei diesen Studiengebühren erwarte ich einen besseren Service!» gab es übrigens damals schon. Also entschloss ich mich kühn zu einer Flucht nach vorn, kritzelte mit Kreide «Rechtslehre macht Feldforschung!» auf die schwarze Wandtafel und zog mit meiner Klasse auf die nahe Kasernenwiese, wo wir dann – gut ausgestattet mit Flüssignahrung – im Baumschatten Rechtsfälle diskutierten. Erst ein paar Tage später erfuhr ich, dass es der falsche Zeitpunkt für die Aktion gewesen war – denn Rektor Hugo E. Götz hatte just für diesen Abend einen unangemeldeten Inspektionsbesuch beim Nachwuchsdozenten... Angesichts sonst guter Führung wurde ich milde bestraft und angewiesen, in Zukunft bei meiner Art der Problemlösung wenigstens eine Mobiltelefonnummer auf dem Sekretariat zu hinterlassen.

Auszug aus Stefan Unholz' Geschichte «Recht weit weg» anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der HWZ.

Wie hast du die HWZ im Wandel der Zeit erlebt?
Die HWZ ist deutlich professioneller geworden. Wenn ich daran denke, dass in den Anfangsjahren mit einer einzigen Studiengruppe gestartet wurde, und heute sehe, was daraus entstanden ist, dann liegen Welten dazwischen. Natürlich muss die HWZ weiterhin am Puls der Zeit bleiben und neue Entwicklungen in den Lehrplänen berücksichtigen. Ich sehe viel Potenzial darin, dass sie als Trendsetterin wirkt.

Was macht die HWZ für dich aus?
Die HWZ ist eine Institution, die Aus- und Weiterbildung auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Studienrichtungen anbietet. Sie nimmt einen wichtigen Platz in der Schweizer Bildungslandschaft ein. Besonders hervorheben möchte ich die Vielfalt der Angebote. Der Bachelor Business Communications beispielsweise überzeugt durch ein sehr breites Spektrum an Lerninhalten und ist dadurch besonders attraktiv.

Gibt es weitere Aspekte der HWZ, die du gerne teilen möchtest?
Ja. Der Studiengangsleitung des Bachelor Business Communications möchte ich ein grosses Kompliment aussprechen. Die Zusammenarbeit ist stets kollegial und auf gleicher Augenhöhe. Es gibt einen intensiven Austausch, insbesondere zu fachlichen und didaktischen Fragen und man kann sich jederzeit auf Unterstützung verlassen.

Zum Schluss: Welche Schlagzeile über die HWZ würdest du gerne einmal lesen?
«Die HWZ platzt aus allen Nähten: Seit Jahren steigen die Teilnehmerzahlen kontinuierlich.»

Das Dozierenden-Netzwerk der HWZ

Die HWZ pflegt mit ihren über 800 Dozierenden einen regelmässigen und engen Dialog. Im Januar treffen sich die Fachkolleg:innen am Dozierendenkonvent, um die strategische Ausrichtung der Curricula zu diskutieren. Der Dozierendentag im September widmet sich aktuellen Entwicklungen der Hochschule und bietet Raum für Workshops und Vernetzung.