6. März 2026 · Campus

Drei Tage, fünf Innovations-Hotspots: Die Study Tour Schweiz des EMBA Digital Leadership

Wie entsteht Innovation und was bedeutet das konkret für Führungskräfte? Genau dieser Frage widmete sich die diesjährige Study Tour Schweiz des Executive MBA Digital Leadership an der HWZ. Während drei intensiven Tagen reisten die Teilnehmenden von Zürich über Lausanne bis nach Genf und erhielten Einblicke in einige der prägendsten Innovationsinstitutionen des Landes.

Die Schweiz wurde gemäss Global Innovation Index 2025 zum 15. Mal in Folge als innovativstes Land der Welt ausgezeichnet. Dieses Ergebnis basiert auf der Bewertung von 133 Volkswirtschaften und über 80 Indikatoren – von Forschung über Technologie bis hin zu Kreativität. Für angehende digitale Führungskräfte stellt sich damit eine zentrale Frage: Wo und wie entsteht diese Innovationskraft und wie lässt sie sich in die eigene Organisation übertragen?

Genau hier setzt die Study Tour des Executive MBA Digital Leadership an. Während drei Tagen besuchen die Teilnehmenden Institutionen wie die ETH Zürich, digitalswitzerland, die Deep Tech Nation, die École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) sowie die europäische Organisation für nukleare Forschung (CERN). Ziel ist es zu verstehen, wie Innovationsökosysteme funktionieren, wie digitale Innovation gefördert, strukturiert und strategisch genutzt wird und wie sich deren Mechanismen auf das eigene Unternehmen übertragen lassen.

Gleichzeitig schafft die Study Tour bewusst Raum für Austausch innerhalb der Studiengruppe. Denn in diesen ersten Tagen des EMBA-Programms ist der Aufbau starker Beziehungen innerhalb der Kohorte genauso wichtig wie das Lernen von den Experten. Und nachhaltiges Lernen entsteht nicht nur durch Inhalte, sondern auch durch Dialog, Reflexion und starke Netzwerke.

Tag 1 – Zürich: Entrepreneurship und nationale Innovationsstrategien

ETH Zürich – Innovation greifbar machen

Der erste Tag begann an der ETH Zürich. Die Teilnehmenden erhielten nebst Einblicken in aktuelle Projekte wie «MoonAI» und «Safespace» erleb- und nachvollziehbar aufgezeigt, wie sich eine bundesweite Forschungs- und Lehrinstitution wie die eidgenössische technische Hochschule für Grassroots-Innovation einsetzt: Die Vorstellung des seit über 10 Jahren wirkenden Student Project House eröffnete einen unmittelbaren Zugang zu einer Infrastruktur, in der Ideen ohne Hürden materialisiert, interdisziplinäre Teams spontan entstehen und radikale Lösungsansätze systematisch gefördert werden.

Deep Tech Nation & digitalswitzerland – Ecosystem verstehen

Am Nachmittag folgte der Perspektivenwechsel in die nationale Innovationslandschaft: Bei der Deep Tech Nation erhielt die Gruppe eine Einführung in den Deep Tech Nation & Fireside Chat. Den Abschluss bildete ein Vortrag von digitalswitzerland durch Dr. Linda Mülli, Senior Project Manager Education, Professionals & Diversity, der den Fokus auf Bildung, Diversität und digitale Wettbewerbsfähigkeit legte.

Die Study Tour Switzerland war für mich der ideale Auftakt in den EMBA Digital Leadership. Neben spannenden Einblicken in Themen wie Innovation, Digitalisierung und KI entstand bereits in den ersten Tagen eine starke Verbindung innerhalb unserer Klasse – ein sehr wichtiger Mehrwert für den weiteren Austausch und die Zusammenarbeit im Studium. Besonders inspirierend war die Begegnung mit Pablo Garcia Tello (CERN), dessen offene Art und Leidenschaft für Innovation einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Für meine berufliche Praxis nehme ich vor allem mit, KI bewusst zur Effizienzsteigerung einzusetzen und gleichzeitig klar zu definieren, wo menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar bleibt.

Dominik Blöchlinger, Teilnehmer im EMBA Digital Leadership HWZ

Tag 2 – Lausanne: Start-ups, Alliance Programme & Leadership im Ecosystem

EPFL Innovation Park – Wo Forschung auf Unternehmertum trifft

Am zweiten Tag stand der Innovation Park der EPFL im Zentrum. Nach einer Einführung in das Ökosystem erhielten die EMBA-Teilnehmenden vertiefte Einblicke in Programme wie das Alliance-Programm zur Innovationsförderung von Schweizer Unternehmen sowie in das EPFL Startup Launchpad.

Die Verzahnung von Formaten wie dem EPFL Startup Launchpad und dem Alliance erzeugt eine hohe systemische Anschlussfähigkeit: gemeinsame Innovationspipelines, abgestimmte Förderarchitekturen, konsolidierte Serviceangebote sowie kurze Wege zwischen Forschung, Finanzierung und Industrialisierung. Daraus resultiert ein belastbares regionales Innovationsnetz, das in seiner Dichte und Kohärenz einen deutlichen Referenzpunkt bildet. Für die Deutschschweiz wird damit eine strukturelle Lücke sichtbar: Fragmentierung, geringere Intermediationsgrade, weniger synchronisierte Programme. Das westschweizer Modell macht präzise erkennbar, wo Integrationstiefe, institutionelle Allianzen und überregionale Koordination strategisch nachrüstbar sind.

Neben den fachlichen Impulsen bot der gemeinsame Abend in Lausanne Raum für Austausch innerhalb der Studiengruppe.

Die Einblicke in führende Forschungs- und Innovationsökosysteme haben gezeigt, wie viel Wissen, Talent und Innovationskraft in der Schweiz vorhanden ist, und gleichzeitig, dass technologische Exzellenz allein keine Wirkung entfaltet. Besonders prägend war für mich der Austausch bei Deep Tech Nation Switzerland mit Joana Sieber (CEO), der deutlich gemacht hat, wie zentral Venture Capital und Scale-up-Fähigkeit für nachhaltige Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Schweiz sind. Der Mehrwert der Study Tour im EMBA liegt für mich im offenen Austausch auf Augenhöhe mit den verantwortlichen Führungspersönlichkeiten, Dozierenden und meinen Mitstudierenden, der Vertrauen geschaffen und unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt hat.

Bea Koens, Teilnehmerin im EMBA Digital Leadership HWZ

Tag 3 – Künstliche Intelligenz und internationale Spitzenforschung

EPFL AI Center – Künstliche Intelligenz im Unternehmenskontext

Der dritte Tag im EPFL AI Center verdeutlichte die strategische Bedeutung des KI-Sprachmodells Apertus als schweizerischem Ansatz zur Entwicklung offener, vertrauenswürdiger Large Language Models. Die Verantwortlichen formulierten eine eindeutige Botschaft: Swissness wird zu einem zentralen Differenzierungsfaktor im globalen KI-Wettlauf. Gemeint war dabei der normative und technische Rahmen – Datenschutzorientierung, Transparenz, Revisionsfähigkeit, föderale Kompatibilität, robuste Governance –, der die Schweizer Stärken in Regulierungskultur, Qualitätsstandards und institutioneller Stabilität in Modellarchitekturen übersetzt. Die Einladung an die Teilnehmenden lautete dabei, diesen Ansatz als strategische Positionierung zu verstehen: Modelle, die auditierbar, widerstandsfähig und systemkompatibel sind mit sensiblen Wirtschafts- und Verwaltungsanwendungen.

CERN IdeaSquare – Innovation jenseits von Unternehmensgrenzen

Am Nachmittag führte die Reise weiter nach Genf zur IdeaSquare am CERN. Das Innovationslabor des CERN zeigt eindrücklich, wie wissenschaftliche Spitzenforschung, internationale Zusammenarbeit und unternehmerisches Denken zusammenwirken können. Beim Rundgang über das Gelände mit Dr. Pablo Garcia Tello, Section Head Development of EU Projects & Initiatives, wurde deutlich, welche Bedeutung interdisziplinäre Teams und langfristige Perspektiven für bahnbrechende Entwicklungen haben.

Die Erfahrung in der IdeaSquare und am CERN zeigte, dass transformative Innovation nur unter Bedingungen entsteht, die über klassische Managementlogiken hinausreichen. Fortschritt in Hochrisikofeldern verlangt eine Kombination aus radikalen Ideen, signifikanter Kapitalallokation, langem Zeithorizont, intensiver Arbeit, unbeirrbarem Commitment und kontingentem Glück. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass Managementinstrumente zu Restriktionen werden, wenn die Zielsetzungen grösser, komplexer oder fundamentaler sind als die jeweiligen Anreizsysteme. Organisationen, die Durchbrüche erzeugen, operieren deshalb mit Strukturen, in denen Neugier, interdisziplinäre Kollaboration und langfristige Freiheitsgrade höher gewichtet werden als Effizienz, Kontrolle oder kurzfristige KPIs.

Für mich als Studiengangsleiter hier an der HWZ war beim Start dieser Kohorte zentral, zu vermitteln, dass digitale Führung bedeutet, Innovationsökosysteme lesen zu können, Technologie einordnen zu können und Brücken zu bauen – zwischen Forschung, Markt und Gesellschaft.

Dr. Valerio Stallone, Leiter Departement Marketing & Digital an der HWZ und Studiengangsleiter EMBA Digital Leadership HWZ

Fragen rund um den EMBA Digital Leadership HWZ