5. Februar 2026 · 40 Jahre HWZ
«Lernen geschieht durch Beziehung» – Hugo Bigi über 20 Jahre Lehre an der HWZ
Seit 20 Jahren prägt Hugo Bigi die Lehre an der HWZ – mit einer klaren Haltung zur Kommunikation, zum Lernen und zur Verantwortung von Bildung. Im Gespräch zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ spricht der promovierte Medienwissenschaftler, Journalist und Best Teacher 2021 über Wirkung statt Methoden, internationale Bildungsprojekte in Bhutan und darüber, warum Lernen immer Beziehung ist.
Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.
Hugo Bigi ist seit 2005 Hauptdozent an der HWZ. Er unterrichtet Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus sowie Rhetorik und Auftrittskompetenz auf Bachelor- und Masterstufe. Neben seiner Lehrtätigkeit moderiert er seit 1994 die TV-Interviewsendung TalkTäglich auf TeleZüri und führt als Inhaber von Hugo Bigi Media & More Kommunikations- und Medientrainings im In- und Ausland durch.
Hugo, du bist seit über 40 Jahren in der Kommunikationswelt unterwegs. Was hat dich ursprünglich an diesem Feld fasziniert und was hält dich bis heute darin?
Mich hat von Anfang an fasziniert, dass Kommunikation zutiefst menschlich ist. Es geht um das Mitteilen von Gedanken, Gefühlen und Haltungen. Darum, ob wir einander erreichen oder verfehlen. Kommunikation schafft Nähe, Vertrauen und Sinn – oder eben Distanz. Für mich ist sie deshalb immer Beziehung, Verantwortung und Resonanz. Was mich antreibt, sind diese Momente, in denen etwas ankommt, berührt oder jemanden ermutigt wird, einen Schritt weiterzugehen. Und weil sich Formen und Medien ständig verändern, bleibt auch diese menschliche Dimension immer neu und herausfordernd.
Vom Radio über Fernsehen bis zur Lehre: Gibt es ein Kommunikations- oder Medienformat, das du bisher noch nicht umgesetzt hast, das dich aber reizen würde?
Ich hatte und habe das Privileg, viele Formate umzusetzen: vom Live-Radio über TV-Talks bis zur Hochschullehre. Mich faszinieren die Möglichkeiten digitaler Entwicklungen und künstlicher Intelligenz. Ich begegne diesen Tools mit grosser Neugier und setze sie gezielt ein, um Studierenden neue Formen des Übens, Vorbereitens und Feedbacks zu eröffnen. Entscheidend bleibt für mich jedoch, dass Kommunikation personifiziert, ja verkörpert, wird: Inhalte mögen digital oder mit KI vorbereitet sein – wirksam werden sie erst, wenn Studierende sie selbst tragen, vertreten und verantworten. Am Ende erreicht nach wie vor der Mensch den Menschen.
Wie kam es dazu, dass du Dozent an der HWZ geworden bist? Und was hat dich bewogen, der Hochschule über so viele Jahre treu zu bleiben?
Ich wurde damals von Schulleitungsmitglied Cyril Meier, den ich von früheren Radio-24-Zeiten kannte, für die Dozentur angefragt. Die HWZ war für mich von Anfang an eine besondere Hochschule: praxisnah, offen, unternehmerisch. Ich konnte hier sofort meine langjährige Berufserfahrung sowie mein akademisches Wissen konsequent anwenden. Geblieben bin ich, weil ich hier im Austausch mit den Studierenden echte Wirkung erlebe. Die HWZ gibt Raum für Innovation, für neue didaktische Ansätze und für Projekte, die über den Seminarraum hinausgehen. Diese Kultur hat mich über all die Jahre getragen.
Du feierst dieses Jahr dein persönliches HWZ-Jubiläum. Wie hat sich das Unterrichten in den vergangenen 20 Jahren verändert und was ist im Kern gleichgeblieben?
Vieles hat sich verändert: die Aufmerksamkeitsspanne, die Mediennutzung, die Erwartungen der Studierenden. Heute sind Lernsettings interaktiver, digitaler und stärker von Dialog geprägt. Gleich geblieben ist für mich der Kern: Lernen erfolgt durch Beziehung. Studierende wollen gesehen, gehört sowie ernst genommen werden und Sinn erkennen. Das ist die Basis für das Gelingen jeder Methodik.
2021 wurdest du mit dem Best Teacher Award ausgezeichnet. Was bedeutet dir diese Anerkennung?
Diese Auszeichnung hat mich sehr berührt – gerade, weil sie von Studierenden kommt. Für mich ist das die ehrlichste Form von Feedback. Sie zeigt mir, dass mein Engagement ankommt und meine Haltung zur Lehre und zum Lernen Wirkung entfaltet. Sie bestärkt mich darin, Lehre und Lernen als gemeinsamen Prozess mit den Studierenden zu verstehen und mich dabei kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Gab es einen Moment an der HWZ, in dem dir besonders bewusst wurde: Hier entsteht Wirkung für Studierende, für die Praxis und für die Gesellschaft?
Ja, immer wieder. Besonders eindrücklich sind für mich Momente, wenn ehemalige Studierende Jahre später erzählen, wie sie etwas aus meinen Kursen konkret im Berufsleben anwenden. Wenn jemand sagt: «Das hat mir in einer schwierigen Führungssituation geholfen.», dann weiss ich: Es geht nicht nur um Wissen, sondern um Haltung und Wirkung.
Nebst deiner Tätigkeit als Dozent leitest du mit grossem Engagement das Bhutan Entrepreneurial Education Program (BEEP). Was hat es damit auf sich?
BEEP ist ein internationales Bildungsprojekt der HWZ, das unternehmerisches Denken konsequent mit Sinn- und Werteorientierung verbindet. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen in Bhutan entwickeln wir Programme, die unternehmerisches Denken mit Werteorientierung, gesellschaftlicher Verantwortung und ökologischer Nachhaltigkeit verbinden. Bhutan stellt mit dem Bruttonationalglück einen Referenzrahmen in den Mittelpunkt, der wirtschaftlichen Erfolg konsequent an gesellschaftlicher und ökologischer Wirkung misst. Für die HWZ ist BEEP ein Beispiel dafür, wie praxisnahe Managementausbildung auch international wirksam und wertebasiert gestaltet werden kann.
Stimmen zu Bhutan aus der HWZ
Die Solidität der Alpen und des Himalayas ist bei Weitem nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen der Schweiz und Bhutan. Es ist ein Fundament, das Stabilität symbolisiert und durch Wohlwollen und Freundschaft geprägt ist. Eine inspirierende Verbindung, die Herzen bewegt. Seit 1948 – «Tashi Delek»
Ich hatte das Privileg, im Rahmen meiner Tätigkeit für das BMMHP (Vorgänger-Projekt BEEP) nach Bhutan zu reisen.
Meine Zeit in Bhutan gehört ohne Zweifel zu den prägendsten und beeindruckendsten Erfahrungen meines Lebens. Während meines viermonatigen Auslandssemesters durfte ich das Land auf eine Weise erleben, die normalen Touristen nicht möglich ist: Mit einem Studierendenvisum konnte ich mich vollkommen frei bewegen und tief in die Kultur eintauchen.
Ich teilte mein Zimmer mit zwei bhutanischen Studenten, mit denen mich bis heute eine enge Freundschaft verbindet. Durch sie bekam ich unmittelbare Einblicke in das alltägliche Leben, die Traditionen und den starken buddhistischen Glauben, der den Rhythmus der Gesellschaft prägt.
Ein besonderer Höhepunkt war die Gelegenheit, König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck persönlich zu treffen – ein Moment, den ich nie vergessen werde.
Diese Monate in Bhutan waren nicht nur akademisch wertvoll, sondern vor allem menschlich und kulturell bereichernd. Sie haben meinen Blick auf die Welt nachhaltig verändert.
Zwischen Lehre, Medien und Bhutan: Wie schaltest du ab und wo tankst du neue Energie?
Meine Familie ist für mich der wichtigste und herzlichste Energie- und Ruhepol. Auch der Austausch mit Freund:innen ausserhalb von Lehre und Kommunikation wirkt inspirierend – besonders das gemeinsame Musizieren mit befreundeten Musiker:innen. Und nachts, wenn alles still wird, setze ich mich oft ans Klavier. Dieses Spielen beruhigt den Geist. Gerade in einem kommunikativen Beruf ist diese Form der Stille ein wunderbarer Ort innerer Balance.
Zum Schluss: Welche Schlagzeile über die HWZ würdest du gerne einmal lesen?
«HWZ bildet die neue Generation verantwortungsvoller Führungskräfte aus: wirtschaftlich erfolgreich, menschlich stark.»
Das wäre für mich die schönste Bestätigung unserer Arbeit.
