23. Februar 2026 · 40 Jahre HWZ

Geschichten aus dem Sihlhof – ein Blick hinter die Kulissen

40 Jahre HWZ – und mittendrin ein Gebäude, das für Generationen von Studierenden zum zweiten Zuhause wurde: der Sihlhof an der Europaallee. Seit seiner Bauzeit von 2001 bis 2003 und der anschliessenden Eröffnung hat sich hinter den Betonwänden mehr verändert, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Was viele nicht sehen: Hinter jedem funktionierenden Beamer, jedem Lift und jedem stabilen WLAN steckt eine Geschichte. Hier kommen sechs Einblicke aus dem Maschinenraum des Sihlhofs.

Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.

Zum 40-jährigen Jubiläum der HWZ werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Sihlhofs. Seit der Eröffnung 2003 hat sich hier mehr verändert, als man auf den ersten Blick sieht. Was heute selbstverständlich funktioniert, ist das Resultat von über 20 Jahren Anpassung und Weiterentwicklung. Hier sind sechs Einblicke, die zeigen, wie sehr sich der Sihlhof in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert hat.

Kein Empfang erwünscht: Warum es früher (fast) kein Netz gab

Heute klagt man höchstens über schwaches WLAN. Doch als der Sihlhof 2003 eröffnete, war genau das Teil des Konzepts. Man verzichtete bewusst auf eine Netzwerkverbindung, denn schlechter Handyempfang bedeutete weniger Ablenkung und mehr Fokus auf den Unterricht. Damals war das plausibel: Laptops waren klobig, WLAN spielte kaum eine Rolle, und viele Studierende brachten gar keinen eigenen Computer mit. Wer ins Internet wollte und eine Verbindung brauchte, erhielt einen Access Point für den Raum inklusive Passwort, um Zugang zum Internet zu erhalten. Nach der Lektion wurde das Gerät wieder entfernt.

Der einzige Internetzugang im ganzen Haus waren die beiden Monitore beziehungsweise ursprünglich Computer im Eingangsbereich, an denen die Studierenden anstanden, um kurz im Internet zu surfen.

Erst als Studierende zunehmend mit eigenen Laptops erschienen, musste nachgerüstet werden. Die PH begann mit der Installation von Internet-Routern im Haus und in den Studienzimmern wurden Verlängerungskabel quer durch den Raum gelegt – eine einzige Stolperfalle. Später folgten mobile Steckleisten, welche bis heute in Kisten bereitstehen.

Design mit Konsequenzen: kostspielige Spezialanfertigungen

Der Sihlhof ist ein architektonisches Statement – und das zeigt sich im Detail. Viele Bauteile wurden speziell für dieses Gebäude angefertigt, Lichtschalter mussten farblich neu angespritzt werden, Türen mit schmaler Glasscheibe in der Mitte sind Sonderanfertigungen, ebenso die passenden Schlösser. Selbst Rauchmelder wurden in Betonfarbe gespritzt, damit sie sich optisch ins Gesamtbild einfügen.

Auch die Bürobeschriftungen folgen diesem Anspruch: Sie stehen exakt einen Zentimeter von der Wand ab und sind extrem teuer. Während die Wandbeschriftungen früher direkt auf den Beton gespritzt wurden, klebt man sie heute, damit sie bei inhaltlichen Änderungen ohne Beschädigung entfernt werden können. Der Wandel zeigt sich nicht nur technologisch, sondern auch im Denken. Während früher Ästhetik und Individualität im Vordergrund standen, setzt man heute stärker auf modulare Lösungen – reparierbar, austauschbar, kosteneffizient und nachhaltig.

Der 5. Stock – einst die «beste Druckerei-Lage Zürichs»

Im 5. Stock, Raum 506 des Sihlhofs, mit einer der wohl besten Lagen im Haus, befand sich einst die interne Druckerei. Dort, wo heute Büros sind, standen Druckmaschinen, Papierlager und die Spedition der HWZ. Zum Semesterstart wurde pro Woche bis zu einer Palette Papier verarbeitet – rund 100’000 Blatt. Auch unter dem Jahr liefen die Maschinen weiter: etwa eine halbe Palette wöchentlich.

Mit der zunehmenden Digitalisierung wanderte die Druckerei in den Keller. Und dann kam Corona. Plötzlich waren Skripte digital, Meetings online, Mitarbeitende im Homeoffice und die Nachfrage brach ein – nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch wegen wachsendem Nachhaltigkeitsbewusstsein.

Zwei Lifte – eine Idee, die nicht funktionierte

Wer den Sihlhof kennt, weiss: Es gibt drei Lifte. Die beiden rechten Lifte waren für die HWZ vorgesehen, der linke für die PH, die sich vom UG bis im zweiten Stock des Sihlhofs befindet. Entsprechend fährt dieser linke Lift lediglich vom ersten in den zweiten Stock. Die Idee war organisatorisch sauber, funktionierte in der Praxis jedoch nicht lange. Natürlich nutzten die meisten den grösseren Lift auf der rechten Seite.

PS: Zwischenzeitlich stand sogar die Überlegung im Raum, die Steuerung des Lifts nur vom EG und dann vom zweiten bis zum sechsten Stock zu programmieren, um zu vermeiden, dass Personen den Lift für die unteren Stockwerke nutzten.

Corona – der digitale Sprung um fünf Jahre

Vor 2020 war hybrider Unterricht und Homeoffice kein Thema. Dann kam der Entscheid zur Schulschliessung und mit ihm eine der grössten Umstellungen in der Geschichte des Hauses. Innerhalb kürzester Zeit entwickelten IT, Hausdienst und Hochschulleitung eine funktionierende hybride Unterrichtsform. Kameras für den hybriden Unterricht wurden installiert, Infrastruktur angepasst, Mitarbeitende ins Homeoffice versetzt. Der Unterricht lief vom ersten Tag an weiter – ohne Ausfall.

«Ich bin überzeugt, dass wir in Bezug auf die Technik heute nicht hier wären, sondern immer noch fünf Jahre im Verzug», sagt Markus Brem, Leiter Facility Management.

Fotomotiv: Sihlhof

Der Sihlhof war und ist noch immer ein architektonischer Hingucker. Seine Architektur zog von Beginn an Aufmerksamkeit auf sich und Tourist:innen kamen zur Europaallee, um das Gebäude zu fotografieren. Bis heute tauchen regelmässig Architekt:innen und Fachpersonen auf, die das Haus studieren und dokumentieren.