26. Januar 2026 · 40 Jahre HWZ

Von Beijing bis Guatemala: Wie ein Auslandssemester an der HWZ meinen Weg prägte

Als Michaela Scarpatetti vor rund zwanzig Jahren ihr Auslandssemester in China antrat, ahnte sie nicht, wie stark diese Entscheidung ihr weiteres Leben prägen würde. Was als neugieriger Schritt aus der Komfortzone begann, wurde zum Startpunkt einer internationalen Karriere – und zu einer Haltung, die sie bis heute begleitet: offen bleiben, Chancen ergreifen und immer wieder ins kalte Wasser springen.

Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.


Ein Autogramm von Roger Federer, Gespräche mit Schweizer Bundesrät:innen und Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Sport: all das in Beijing, der Hauptstadt des bevölkerungsreichsten Landes der Welt. Als ich vor über zehn Jahren meinen ersten Artikel über mein Abenteuer China schrieb, hätte ich mir zu Beginn meines Kommunikationsstudiums an der HWZ kaum vorstellen können, wohin mich dieser Weg einmal führen würde.

Der Impuls für das Auslandssemester kam 2005 eher zufällig. Nach knapp zwei Jahren im Spagat zwischen Arbeit, Studium und Privatleben war ich bereit für eine Auszeit. Eigentlich liebäugelte ich mit Destinationen wie den USA oder Australien. Doch ein Gespräch an einer Infoveranstaltung – mit einem Studenten, der bereits ein Semester in China verbracht hatte – änderte alles. Rückblickend war es genau diese Entscheidung für das Unbekannte, die mich am meisten geprägt hat.

Michaela Scarpatetti (2.v.l.) mit Kommiliton:innen vor der Chinesischen Mauer

Sich komplett in ein fremdes Land zu stürzen, ohne Kontakte und ohne Netzwerk, lehrte mich, die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Ich lernte, dass persönliches und berufliches Wachstum vor allem dann entsteht, wenn man die Komfortzone verlässt. Diese Offenheit und Neugier begleiten mich bis heute.

Ein Jahr später folgte der nächste Sprung: die Stelle als Executive Director der Schweizer Handelskammer in Beijing. Das Bewerbungsgespräch fand – 2007 durchaus nicht selbstverständlich – online statt, auf Englisch, Französisch und Chinesisch. Kurz darauf sass ich im Flieger nach Peking. Dieses Mal nicht als Studentin, sondern mit Führungsverantwortung, ohne Wohnung, ohne Übergabe und mit einem Team, das ich noch nicht kannte. Die Anfangszeit war fordernd. Ich musste mir schrittweise Vertrauen erarbeiten, Widerstände überwinden und Erfolge liefern.

Michaela Scarpatetti (3.v.r.) mit dem Organisationskomitee vom Swissball 2007

Ein prägendes Erlebnis aus dieser Zeit war der Swissball 2007. Gemeinsam mit meinem jungen Team organisierten wir erstmals einen Grossanlass mit über 300 Gästen – von der Themenfindung über das Design bis zur Sponsorensuche. Es waren intensive Wochen, viele schlaflose Nächte, aber auch ein grosser gemeinsamer Erfolg, der medial Beachtung fand und der Handelskammer finanziell Rückenwind gab.

In meinem Berufsalltag in China konnte ich stark von meinem Kommunikationsstudium an der HWZ profitieren: vom strategischen Denken über operative Massnahmen wie Events und PR bis hin zum Stakeholdermanagement. Gerade im Umgang mit unterschiedlichsten Anspruchsgruppen – von Mitarbeitenden über Unternehmen bis hin zu Botschaften und Behörden – erwiesen sich diese Kompetenzen als zentral.

Schokoladen-Kurs für die thailändischen Distributor:innen am Hauptsitz von Lindt & Sprüngli

Nach einigen Jahren führte mich mein Weg zurück in die Schweiz, allerdings nur kurz. Mit Lindt & Sprüngli zog es mich erneut nach Asien, diesmal nach Hong Kong, als Area Manager für Südostasien und Taiwan. Der asiatische Markt ist stark fragmentiert: Konsumgewohnheiten, Preisstrukturen und Vertriebskanäle unterscheiden sich enorm. Die jeweils für das Land passende Strategie zu entwickeln ist sehr herausfordernd. Erfolgreich ist nur, wer lokale Besonderheiten versteht – sei es bei Verpackungen zum chinesischen Neujahr (Farbe und Anzahl Lindorkugeln müssen stimmen) oder bei klimatischen Bedingungen in Verkaufskanälen.

Auch heute lasse ich mich weiterhin auf Neues ein. Kürzlich absolvierte ich in Guatemala einen Level-3-Kakao- und Schokoladen-Tasting-Kurs, denn der komplexe Herstellungsprozess für eine wirklich gute Schokolade fasziniert mich. Wieder war dieses vertraute Gefühl da: nicht wissen, was kommt, neue Menschen treffen, lernen. Die Parallelen zu meinem Auslandssemester sind spürbar, ebenso wie die Erkenntnis, wie wertvoll internationale Netzwerke und Offenheit sind.

Zu Besuch auf Kakao-Plantagen in Guatemala

Meinen Rat an heutige HWZ-Studierende, die von einer internationalen Karriere träumen? Auf jeden Fall machen. Es gibt immer einen Weg. Der perfekte Zeitpunkt kommt selten, aber jede Erfahrung zahlt sich aus.

Die HWZ sollte auch künftig genau dafür stehen: für ein berufsbegleitendes Studium, das Theorie und Praxis verbindet, für Nähe zur Wirtschaft und für den Mut, Studierende fachlich wie mental auf anspruchsvolle, internationale Wege vorzubereiten. In Kombination mit Auslandserfahrungen ist man bestens gerüstet – für die Welt und für die eigene Zukunft.