28. April 2026 · Campus
Braucht es heute noch Wirtschaftsinformatiker:innen?
Braucht es heute noch Wirtschaftsinformatiker:innen? Während viele fragen, ob dieses Berufsbild im Zeitalter von KI, Data Science und Software Engineering noch gebraucht wird, zeigt sich in der Praxis das Gegenteil: Noch nie war die Fähigkeit, Business und Technologie miteinander zu verbinden, so gefragt wie heute. Unternehmen suchen zunehmend Fachkräfte, die nicht nur Systeme verstehen, sondern auch deren Mehrwert im betrieblichen Kontext erkennen und digitale Lösungen sinnvoll umsetzen können.
Warum Wirtschaftsinformatiker:innen heute gefragter sind denn je
Die Frage «braucht es heute noch Wirtschaftsinformatiker:innen?» taucht immer häufiger auf – insbesondere im Kontext von Data Science, Software-Engineering und künstlicher Intelligenz. Doch laut Tim Giger, Dozent im Bachelor Digital Business & AI an der HWZ, ist die klare Antwort: Ja, und zwar eindeutig. Wer diese Frage stellt, hat vielleicht noch nicht erlebt, was passiert, wenn ein hoch spezialisiertes Technikteam ohne jemanden arbeitet, der auch die Sprache des Business spricht.
Wer eine Brücke baut, braucht nicht nur gute Engineers auf beiden Seiten, sondern auch jemanden, der die Brücke selbst plant und versteht, was auf beiden Seiten benötigt wird. Genau das ist die Rolle der Wirtschaftsinformatik. Sie übersetzt zwischen Business und Technologie, und diese Übersetzungsarbeit wird nicht weniger, sondern komplexer. Also ja, es lohnt sich.
Die neue Rolle der Wirtschaftsinformatik
Das Berufsbild der Wirtschaftsinformatik hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Früher lag der Fokus vor allem auf der Einführung von IT-Systemen und der Übersetzung zwischen Fachabteilungen und IT. Heute ist die Rolle deutlich breiter und strategischer geworden. SaaS-Produkte, Cloud-Plattformen und das schiere Datenwachstum der letzten Jahre haben dafür gesorgt, dass die IT-Landschaft in Unternehmen nicht mehr statisch ist, sondern sich stetig verändert.
Damit verändert sich auch die Rolle von Wirtschaftsinformatiker:innen. Sie arbeiten heute nicht mehr nur an Systemeinführungen und Prozessoptimierung, sondern auch an Themen wie:
Datenmanagement und Analytics
Cloud-Strategien
Einsatz von künstlicher Intelligenz
Cybersecurity und Compliance
Kurz gesagt: Die Breite ist grösser geworden und die strategische Komponente hat deutlich zugenommen.
Arbeitsmarkt: Nachfrage nach IT- und Wirtschaftsinformatik-Jobs bleibt hoch
Der Gesamtarbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren etwas abgekühlt, aber wer das auf den ICT-Bereich überträgt, liegt falsch. Das Berufsfeld wächst weiterhin überdurchschnittlich und laut ICT Berufsbildung müssen bis 2033 rund 54'400 zusätzliche ICT-Fachkräfte ausgebildet werden.
Wer an der Schnittstelle von Business, Prozessen, Daten und Technologie arbeiten kann, hat in diesem Markt besonders gute Karten.
Wer sich also fragt, «lohnt sich Wirtschaftsinformatik?», findet hier eine klare Antwort: Die Nachfrage ist vorhanden und wächst weiter. Wenn man Stellenportale heute durchforstet, begegnen einem folgende Profile:
Business Analyst:in
Product Owner
Digital-Transformation-Consultant
Requirements-Manager:in
Data-Governance-Spezialist:in
Das klingt nach einer Explosion neuer Berufe, ist aber bei genauem Hinsehen vor allem eines: die klassische Wirtschaftsinformatik, die sich spezialisiert und ausdifferenziert hat. Der Grund ist simpel: Unternehmen führen heute nicht mehr einfach Systeme ein und sind damit fertig. Sie müssen Produkte steuern, Daten und KI nutzbar machen, Prozesse kontinuierlich verbessern und gleichzeitig Sicherheit sowie Compliance gewährleisten. Das erfordert mehr Tiefe in einzelnen Bereichen, und genau diese Tiefe spiegelt sich in den neuen Jobprofilen wider.
In welchen Branchen ist Wirtschaftsinformatik heute besonders gefragt?
Die Nachfrage nach Wirtschaftsinformatiker:innen ist sehr breit und über fast alle Branchen. Aber besonders stark ist sie heute in der Industrie, im Finanz- und Versicherungswesen, im Gesundheitswesen, der Logistik sowie in der öffentlichen Verwaltung. Tim Giger erklärt, weshalb dies so ist: «Sie alle stehen unter erheblichem Druck, ihre Prozesse zu digitalisieren, Daten und KI sinnvoll einzusetzen und gleichzeitig hohe Anforderungen an Sicherheit, Compliance und Effizienz zu erfüllen. Das ist kein Zufall, sondern genau der Kontext, in dem Wirtschaftsinformatik den grössten Mehrwert entfaltet: wenn Technologie nicht einfach eingeführt, sondern in komplexe betriebliche Kontexte eingebettet werden muss.»
Unterschied zu klassischen IT- oder BWL-Profilen
Ein reines IT-Profil entwickelt und betreibt Systeme und Applikationen. Ein reines BWL-Profil analysiert Märkte, Finanzen und Organisation. Beide machen das sehr gut, aber keines von beiden kann das, was Wirtschaftsinformatiker:innen können: die Anforderungen aus dem Business herausarbeiten, sie technisch durchdenken und daraus funktionierende digitale Lösungen gestalten.
Die Frage ist nicht, ob man ein Tool beherrscht, sondern ob man versteht, warum es im konkreten betrieblichen Kontext sinnvoll ist oder eben nicht.
Dies ist laut Tim Giger auch der entscheidende Faktor für den Karriereerfolg – die Kombination, die sich nicht so einfach ausbilden lässt: analytisches Denken, ein solides Technologieverständnis, die Fähigkeit, klar zu kommunizieren, Dinge wirklich auf den Boden zu bringen und sich laufend weiterzubilden. Ideen, die nie umgesetzt werden, sind wertlos. Unternehmen suchen Leute, die ein Vorhaben von der Analyse bis zur funktionierenden Lösung begleiten und nicht vorher aufgeben. Und weil sich der Werkzeugkasten ständig verändert, gehört kontinuierliche Weiterbildung heute genauso dazu wie Excel früher.
Welche Fähigkeiten sind heute in der Wirtschaftsinformatik entscheidend?
Wer in der Wirtschaftsinformatik erfolgreich sein will, braucht sowohl fachliche als auch technologische Fähigkeiten:
analytisches Denken
Prozesskompetenz
solides Projektmanagement
Künstliche Intelligenz (KI)
Cloud-Computing
Cybersecurity
Datenmanagement und Analytics
solides Projektmanagement (klassisch und agil)
Wer früher Systeme eingeführt und Prozesse dokumentiert hat, muss heute zusätzlich beurteilen können, welche Prozesse sich sinnvoll automatisieren lassen, wie die Datenqualität sichergestellt wird und ob eine KI-Anwendung im konkreten betrieblichen Kontext tatsächlich Nutzen stiftet oder nur gut klingt. Das erfordert eine neue Art von Urteilskraft:
Unternehmen müssen KI nicht nur technisch, sondern auch verantwortungsvoll, regelkonform und nachvollziehbar einsetzen. AI Literacy, Governance und Compliance sind keine abstrakten Buzzwords mehr, sondern konkrete Anforderungen im Arbeitsalltag. Wirtschaftsinformatiker:innen, die das verstehen und gestalten können, sind in diesem Umfeld gefragt.
Wird Wirtschaftsinformatik durch KI ersetzt?
Die Befürchtung ist verständlich, aber unbegründet. KI automatisiert zwar Routineaufgaben, aber folgende zentrale Fragen bleiben:
Welche Prozesse sollen automatisiert werden?
Wer stellt sicher, dass die Daten stimmen, auf denen die KI trainiert wird, oder die Daten, auf denen der Agent für die Automation trainiert wird?
Wer bewertet, ob der Einsatz betriebswirtschaftlich sinnvoll und regulatorisch sauber ist?
Genau diese Aufgaben werden durch KI nicht überflüssig, sondern wichtiger. Und weil Unternehmen heute nicht nur KI einsetzen, sondern auch AI Governance, Compliance und die verantwortungsvolle Nutzung sicherstellen müssen, ist die Wirtschaftsinformatik mit ihrer Verbindung von Business, Technologie und Regulierung besser positioniert als je zuvor.
Tipps für den Einstieg in die Wirtschaftsinformatik
Wer heute überlegt, Wirtschaftsinformatik zu studieren oder sich weiterzubilden, sollte drei Dinge beachten:
Technisches Fundament aufbauen: Ein solides Verständnis von ICT ist die Grundlage für alles Weitere.
Gezielt spezialisieren in Bereichen wie KI, Cloud oder Cybersecurity.
Querschnitts-Skills entwickeln: analytisches Denken, klare Kommunikation, Requirements Engineering, Projektmanagement, betriebswirtschaftliches Denken und Data Management.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten
Ja, die Kombination aus IT und Business ist gefragter denn je und bietet hervorragende Karrierechancen.
Typische Rollen sind Business Analyst:in, Product Owner oder Digital Consultant.
Nein, im Gegenteil: Die Bedeutung steigt, da Unternehmen mehr Schnittstellenkompetenz benötigen.
Mit dem berufsbegleitenden Studiengang Bachelor Digital Business & AI an der HWZ kannst du in die Welt von Software Engineering, (generativer) künstlicher Intelligenz und Betriebswirtschaft eintauchen. Diese Kombination eröffnet vielfältige berufliche Möglichkeiten in der digitalen Geschäftswelt und schafft eine ausgezeichnete Grundlage auf dem Arbeitsmarkt. Das Studium ist praxisnah, persönlich und ausgerichtet auf eine optimale Vereinbarkeit mit Ihrem Job.

