12. Mai 2026 · Testimonial
Drei Leben gleichzeitig: Wie Benjamin Meschke Studium, Job und Profisport vereint
Profihandball, Karriere bei PostFinance und ein MAS-Studium an der HWZ – Benjamin Meschke bewegt sich täglich zwischen drei Welten. Wie schafft man das, ohne sich zu verlieren? Ein Gespräch über Struktur, Verantwortung und ein Leben, das bewusst gestaltet ist.
«Work-Life-Balance» bekommt bei dir eine ganze neue Bedeutung: Studium, Profisport und Karriere treffen gleichzeitig aufeinander. Wie fühlt sich diese Realität an?
Für mich fühlt sich diese Realität gleichzeitig sehr intensiv und sinnstiftend an. Es ist kein Alltag, in dem man Beruf, Studium und Leistungssport einfach nebeneinander laufen lässt, sondern ein bewusst gestaltetes Leben, in dem alle drei Bereiche dauerhaft hohe Präsenz, Disziplin und Verlässlichkeit verlangen.
Ich empfinde diese Kombination nicht als Belastung im negativen Sinn, sondern als grosse Verantwortung. In gewisser Weise ist es auch ein Privileg, so stark gefordert zu sein und jeden Tag an seinen Zielen zu arbeiten. Genau das zwingt mich dazu, klar zu priorisieren, effizient zu arbeiten und bewusst mit meiner Energie umzugehen. So entwickle ich mich nicht nur fachlich und sportlich weiter, sondern lerne, unter Druck fokussiert und verlässlich zu bleiben.
Du hast dich nach deiner Bundesliga-Karriere im Handball bewusst für die Schweiz und die HWZ entschieden. Was war der ausschlaggebende Moment oder Gedanke dahinter?
Für mich war entscheidend, dass ich meine Karriere ausserhalb des Handballs nicht irgendwann später, sondern parallel aufbauen wollte. Ich habe schon in Deutschland neben dem Sport studiert, aber mir fehlte naturgemäss die praktische Berufserfahrung.
Die Schweiz war ein bewusster Schritt, weil ich hier Profisport, einen anspruchsvollen Job in der Bank und eine akademische Weiterentwicklung – alles auf Teilzeitbasis – miteinander verbinden konnte. Das Gesamtpaket von Wacker Thun mit Nationalliga A und Berufseinstieg war für mich ideal. Über PostFinance bin ich dann auch zur HWZ gekommen.
Die HWZ ist für mich ein zentraler Baustein, weil sie genau diese Brücke schlägt: praxisnah und anschlussfähig an das, was ich beruflich langfristig aufbauen möchte. Mit meiner Rolle als Compliance Officer bei PostFinance und dem Studium an der HWZ lege ich schon heute die Grundlage, um später noch mehr Verantwortung im Banking zu übernehmen.
Du wohnst in Thun, arbeitest in Bern und studierst in Zürich. Das Pendeln gehört also fest zu deinem Alltag. Nimm uns mit: Wie sieht eine ganz normale Woche bei dir aus, und wie prägt das Pendeln deinen Rhythmus?
Eine normale Woche ist klar strukturiert: wochentags fokussiere ich mich auf meinen Beruf bei PostFinance sowie auf Training, Regeneration und die Vorbereitung auf das Studium. Dazu kommen Vorlesungen in Zürich, Lernphasen, Gruppenarbeiten und an vielen Wochenenden Spiele.
Das Pendeln ist ein fester Bestandteil meines Rhythmus. Ich nutze diese Zeit bewusst für Vorbereitung, Nachbereitung oder den mentalen Wechsel zwischen meinen Rollen. Mein Alltag funktioniert nur, weil ich meine Wochen gezielt plane und strukturiere, und mein privates Umfeld mich zu 100 % unterstützt.
Was ist dein persönliches «System», das dir hilft, diese drei Welten zu koordinieren?
Mein System basiert auf vorausschauender Planung, konsequentem Zeitmanagement und klaren Prioritäten. Für mich ist es essenziell, meinen Kalender nicht nur im Tagesgeschäft, sondern über Wochen und Monate hinweg im Griff zu haben. Ich versuche, zeitliche Konflikte früh zu erkennen und nicht erst dann zu reagieren, wenn sie akut sind.
Dabei gehört auch Ehrlichkeit dazu: Man kann nicht in jeder Woche in allen Bereichen gleich viel geben. Es gibt Phasen, in denen der Sport im Vordergrund, andere, in denen das Studium mehr Raum braucht. Für mich geht es nicht um Perfektion, sondern um Verlässlichkeit.
Wichtig ist, dass sowohl mein privates Umfeld, mein Trainer, Arbeitgeber und die HWZ meine Situation mittragen. Von mir braucht es maximale Disziplin. Mein Kalender ist immer aktuell, und ich plane konsequent alles ein, selbst eine 30-minütige Physiobehandlung. Diese Transparenz ist entscheidend, damit alles funktioniert.
Gerade dieses Zusammenspiel aus Eigenverantwortung, klarer Planung und einem verständnisvollen Umfeld macht es für mich überhaupt möglich, Studium, Beruf und Leistungssport auf einem hohen Niveau miteinander zu verbinden.
Was passiert, wenn diese Welten kollidieren?
Wenn solche Situationen entstehen, versuche ich, sie frühzeitig transparent zu machen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Ich treffe Entscheidungen entlang von Verantwortung, Verbindlichkeit und Konsequenzen. Ein Playoff-Spiel kann man nicht verschieben, gleichzeitig hat auch meine Rolle als Compliance Officer bei PostFinance einen hohen Stellenwert. Gerade deshalb empfinde ich meinem Arbeitgeber gegenüber grosse Verantwortung.
Die HWZ ist hier sehr lösungsorientiert. Es geht nicht um starre Formalitäten, sondern um tragfähige Lösungen – vorausgesetzt, man bringt selbst Verbindlichkeit mit. Solche Tage können sehr fordernd sein, aber genau dann zeigt sich, dass diese Kombination nur mit Disziplin und einem unterstützenden Umfeld funktioniert.
Du hast erwähnt, dass dich die HWZ und insbesondere dein Studiengangsleiter im MAS Banking & Finance, Costantino Lanni, stark unterstützen. Was bedeutet «Flexibilität» in deinem Fall konkret?
Flexibilität bedeutet für mich nicht Nachsicht, sondern lösungsorientiertes Verständnis. Es geht nicht darum, Anforderungen zu senken, sondern Wege zu finden, wie Leistung trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen erbracht werden kann.
Gerade Costantino Lanni hat mich sehr unterstützt: verständnisvoll im Umgang, aber klar in den Erwartungen. Diese Kombination war für mich besonders wertvoll. Ich hatte schnell das Gefühl, dass viel von mir verlangt wird, aber auch, dass ich das schaffen kann. Dieses Vertrauen hat mir Sicherheit gegeben.
Was sind die grössten Herausforderungen, die von aussen oft unterschätzt werden, wenn man Studium, Beruf und Leistungssport kombiniert?
Oft sieht man den vollen Kalender, aber nicht die mentale Dauerbelastung. Die grösste Herausforderung ist der permanente Wechsel zwischen unterschiedlichen Anforderungen. Im Sport geht es um Performance, im Beruf um Präzision und Verantwortung, im Studium um Offenheit und Konzentration. Es gibt kaum echte Leerlaufphasen. Deshalb braucht es nicht nur Belastbarkeit, sondern auch ein hohes Mass an Selbstführung. Da bleibt wenig Zeit für Privates und Freizeit, was für mich und mein Umfeld manchmal frustrierend sein kann.
Du bewegst dich zwischen sehr unterschiedlichen Rollen: Athlet, Student, Compliance Officer. Wie gelingt es dir, zwischen deinen Rollen zu wechseln?
Die bewusste Abgrenzung ist zentral. Ich bin überzeugt, dass man nur dann in jeder Rolle präsent sein kann, wenn man gedanklich sauber zwischen ihnen wechselt.
Das Pendeln hilft mir dabei. Die Zugfahrt nutze ich bewusst, um umzuschalten und mich auf die nächste Rolle vorzubereiten. Diese Übergänge helfen mir, den Fokus zu schärfen.
Gleichzeitig gibt es Werte, die in allen Bereichen gleich bleiben: Disziplin, Verlässlichkeit und Verantwortung.
Welche Rolle spielt diese Kombination aus Studium, Beruf und Sport für deine Zukunft nach dem Profisport?
Für mich ist sie die Grundlage für den nächsten Lebensabschnitt. Im Handball befinde ich mich aufgrund meines Alters fast am Ende meiner Karriere. Dies erlaubt mir, die Zeit bewusster zu nutzen, um parallel eine fachliche und berufliche Basis aufzubauen.
Mit meiner Rolle als Compliance Officer bei PostFinance und dem Studium an der HWZ arbeite ich gezielt an meiner Zukunft im Banking. Wenn der Handball eines Tages wegfällt, möchte ich bereit sein, im nächsten Kapitel durchzustarten.
Was würdest du jemandem sagen, der denkt: «Das schaffe ich nie, Studium, Job und mein Leben unter einen Hut zu bringen»?
Man muss nicht von Anfang an alles perfekt beherrschen. Entscheidend ist, ehrlich zu sich selbst zu sein, Prioritäten zu setzen und Verantwortung zu übernehmen. Vieles wirkt zu gross, bis man beginnt, es Schritt für Schritt anzugehen.
Gleichzeitig braucht es Disziplin, Verzicht und ein unterstützendes Umfeld. Nicht alles ist immer gleichzeitig möglich. Aber genau darin liegt Entwicklung.
Aus dem Leistungssport habe ich gelernt: Nur weil man alles gibt, bekommt man nicht automatisch alles. Aber es ist die einzige Möglichkeit, überhaupt etwas zu erreichen. Dieses Mindset begleitet mich heute in meinem Studium, im Leistungssport und in meinem beruflichen Alltag bei PostFinance.
Vereinbarkeit von Studium, Karriere und Leben
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