Campus22. März 2021

Wie AI im Musikbusiness Einzug hält

Wie verdienen Musiker*innen heute ihr Geld? Inwiefern schafft man mit Datensätzen ein neues Geschäftsmodell in der Musikindustrie? Wir haben mit Vincenzo Neidhardt, Student im Bachelor Betriebsökonomie und im Musikbusiness tätig, über den neuen Major Digital Business & AI Management gesprochen und erfahren, weshalb er sich ohne Zögern für diese Vertiefungsrichtung entschied und wie ihn diese im Berufsalltag auf neue Ideen brachte.

Vincenzo, du bist im letzten Semester des Bachelors Betriebsökonomie. Sprich, du bist im Endspurt. Wie fühlt es sich an?
Ziemlich gut, aber auch anstrengend. Trotzdem macht es noch immer sehr viel Spass und wir halten uns gegenseitig bei Laune, um diese letzte Etappe motiviert zu schaffen. Natürlich immer mit den üblichen Ups and Downs.

Du hast zuerst am SIB studiert und bist danach dank der Möglichkeit der Passerelle bei uns ins Bachelorstudium eingestiegen. War es die richtige Entscheidung?
Das ist so. So kenne ich zwischenzeitlich praktisch jede Ecke des Sihlhofs. Während meiner kaufmännischen Ausbildung wurde mir schnell klar, dass ich später noch studieren möchte. Für ein Studium an der Uni wären für mich 3.5 Jahre Maturitätsschule für Erwachsene nötig gewesen, für den direkten Einstieg in die FH die Voll- oder Teilzeit-Berufsmatura. Durch den Kaufmännischen Verband stiess ich auf das SIB mit der HWZ als zweijährige Anschlussmöglichkeit. Für diese berufsbegleitende Ausbildung habe ich mich schliesslich auch entschieden. Hätte ich es mir auf dem Weg anders überlegt, wäre nach dem SIB immerhin ein brauchbarer HF-Abschluss dabei gewesen. Für mich auch ausschlaggebend war auch die Verbindung des SIB zum Kaufmännischen Verband und der HWZ als Teil der Zürcher Fachhochschulen.

Im vergangenen Herbst hast du dich im Bachelor für die neue Vertiefungsrichtung Digital Business & AI Management entschieden. Was hat dich an diesem Major am meisten gereizt?

Ehrlich gesagt, hatte meine Entscheidung vor allem mit dem Vertrauen in die HWZ als Ausbildnerin zu tun. Ich dachte ganz einfach, dass hier etwas in Bewegung ist, das massiv an Bedeutung gewinnen wird, was mir schlussendlich im Verlaufe des Kurses auch so bestätigt wurde.

Wovon hast du in diesem Major bis anhin am meisten profitiert?
Was als Highlight gesehen werden kann und grossen Mehrwert mitbringt, ist das Capstone Projekt am Ende des Programms «AI for Managers» sowie das Machine Learning Bootcamp. Halt jene Module, in denen das Gelernte auch angewendet wird.

Ich habe erfahren, dass dir das erwähnte Programm  «AI for Managers» geholfen hat, ein langjähriges Problem in der Musikwirtschaft anzugehen. Inwiefern?
Wir verarbeiten Millionen von individuellen Datensätzen unserer Kund*innen. Die Vertiefung ermöglichte es mir, als Geschäftsführer ein prägendes Grundverständnis für Daten zu erhalten und auf deren Basis ein ganz neues Leistungsangebot für unsere Kunden zu entwickeln. Die erarbeiteten Grundlagen waren so stark, dass daraus unser Spin-off «Helga»* gegründet werden konnte, welches noch vor Eintragung ein Förderpaket des grössten Ostschweizer Inkubators «Startfeld» erhalten hat.

*Helga ist ein Spin-off, das durch eine effiziente Datenverarbeitung  und dem Einsatz von maschinellem Lernen versucht, Musiker*innen und Manager*innen den Umgang mit den Daten ihrer Einnahmequellen zu erleichtern, Entscheidungsgrundlagen zu schaffen und durch eine solide Administrationseffizienz höhere Umsätze für die Kund*innen zu generieren.

Du hast es eben erwähnt. Du bist im Musikbusiness tätig und hast dich mit deiner eigenen Firma «in a box Music» selbstständig gemacht. Wie kam es zur Firmengründung? Und was genau machst du/ihr?
Wir sind Managementdienstleister für Berufsmusiker. Das lässt sich mit der Position eines Geschäftsführers vergleichen, der das Geschäft der individuellen Künstlerunternehmen führt. Derzeit betreuen wir Kunden in fünf Ländern und sind hauptsächlich in Nordamerika und Europa tätig. Von meiner saisonalen Tätigkeit beim Open Air St. Gallen in der Produktion deren Zeltbühne, wollte ich immer im internationalen Musikmarkt tätig werden. Die Gründung erfolgte mehr zur Selbsthilfe, da ich meine Heimatstadt St. Gallen nicht zwingend verlassen wollte, wir jedoch kein entsprechendes Unternehmen auf diesem Gebiet hatten. So habe ich mir mit der Gründung des Unternehmens als erstes meinen Job etabliert, dann das Managementunternehmen und nun die Helga GmbH.

Was macht ihr anders als grosse Musiklabels wie Universal Music, Sony Music oder Warner Music?
Tatsächlich veröffentlichen wir auch selbst Musik, so wie es auch die oben erwähnten «Big Three» machen, sind aber primär Manager, also Geschäftsführer. Unsere Aufgabe ist es unter anderem auch, mit den erwähnten Unternehmen zusammenzuarbeiten, sofern der betreute Case dies erfordert oder dies aus strategischen Überlegungen als sinnvoll erachtet wird. Wo wir uns vor allem als Kontrast zu den traditionellen Unternehmen sehen, ist unsere Positionierung an der Seite der Künstler und der Fokus auf neue Ansätze. Sämtliche Dienstleistungen sind so ausgestaltet, dass keine Abhängigkeiten von uns bestehen. Wir kontrollieren keine Rechte, sorgen für eine schlanke Kostenstruktur bei den Musikschaffenden und halten uns so gut wie möglich im Hintergrund. So ist es nicht unüblich, dass bereits junge Talente durch Nutzung unsere Leistungen ein Einkommensniveau von bis zu oder gar über CHF 100’000 netto jährlich erreichen.

Auch für die Musikbranche verlief das vergangene Jahr anders als geplant. Viele Einnahmen blieben aus. Zudem wird Musik immer seltener gekauft, sondern viel öfters gestreamt. Was meinst du, womit können/werden Musiker*innen in Zukunft ihr Geld verdienen?
Streaming hat sich als stabile und sichere Einnahmequelle etabliert, nicht zuletzt dank des Einsatzes von Algorithmen und KI bei Spotify, Apple Music und YouTube. Für 2022 kann mit etwa 47.4 Milliarden USD im Markt für Musikaufnahmen gerechnet werden. Hier sehen wir vor allem internationale Solokünstler, welche sich unabhängig organisieren und noch nicht für ein Major-Label wie Universal qualifizieren als die grossen Gewinner. Auch die grossen Labels haben den Wandel gut vollzogen. Mir ist bewusst, dass viele nationale Künstler in kleineren Ländern, Kulturschaffende oder Bands mit vielen Mitgliedern hier eher Probleme haben. Hier spielt wiederum der Mix an Einnahmen eine grosse Rolle. Potentiale sehe ich im Einsatz von neuen Umsatzmöglichkeiten wie dem Soundcloud-Ersatz «Audius». So haben nach der Einführung dessen Coin im Oktober 2020 die ersten Künstler*innen auf der Plattform bereits über 20’000 USD erwirtschaftet. Auch steckt viel Potential in Direct 2 Fan-Verkäufen oder Spezialangeboten, welche auf Basis Blockchain zugänglich gemacht werden können. Was wir beobachtet haben ist, dass Musik an sich immer demokratischer bestimmt wird. Ein gutes Beispiel sind die Vielzahl an Künstler, welche dank den User*innen von TikTok eine professionelle Karriere beginnen oder dadurch erst richtig durchstarten konnten. Entscheidend ist dann, wie man monetarisiert. Du siehst, Möglichkeiten gibt es, vor Aufwänden sollte man sich aber nicht scheuen.

Oderbolz Laura HWZ Kommunikation

Laura Oderbolz

Project Manager Corporate Communications

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