Der letzte Meilenstein im Studium

Daniela Spälti gibt Einblick in die Welt der Abschlussarbeiten

Als Leiterin Management Theses begleitet Daniela Spälti Studierende auf dem Weg zur Bachelor oder Master Thesis. Dabei erlebt sie hautnah, wie sich dieser Meilenstein des Studiums stetig weiterentwickelt. Im Interview erzählt sie, weshalb sich an den Grundprinzipien des wissenschaftlichen Arbeitens durch Künstliche Intelligenz nichts verändert, über welche Themen häufig geschrieben wird und wieso Abschlussarbeiten der HWZ einen echten Mehrwert für Unternehmen generieren.

40 Jahre HWZ · 6. August 2026

Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.


Daniela, du begleitest Studierende auf den letzten Metern ihres Studiums. Was fasziniert dich an dieser Aufgabe am meisten?

Die zahlreichen Facetten, die mein Aufgabengebiet hat. Ich bin im Kontakt mit verschiedenen Anspruchsgruppen, erhalte Einblick in unzählige Theses, organisiere Preisverleihungen und handhabe auch komplexe Plagiatsfälle. Jeder Arbeitstag sieht anders aus als der vorherige.

Als Leiterin Management Theses bist du die erste Anlaufstelle für Bachelor- und Masterarbeiten. Welche Rolle nimmst du dabei zwischen Studierenden, Studiengängen und Betreuungspersonen ein?

An dieser Schnittstelle stelle ich sicher, dass alle rechtzeitig mit den relevanten Informationen und Ressourcen versorgt werden. Ich tausche mich laufend mit den Beteiligten aus, was mir dabei hilft, offene Fragen und Verbesserungspotenzial zu erkennen sowie Lösungen zu finden, die die verschiedenen Perspektiven berücksichtigen.

Du erhältst Einblick in eine enorme Bandbreite an Bachelor- und Masterarbeiten. Welche Themen oder Fragestellungen begegnen dir besonders häufig?

Viele Studierende wählen ein Thema, das in direktem Zusammenhang zu ihrem Beruf steht. So entstehen sehr individuelle Forschungsfragen. Es gibt aber auch übergeordnete Themen, die in den letzten Jahren auf besonders viel Interesse gestossen sind; beispielsweise die Einbindung der Gen Z in den Arbeitsmarkt, die Viertagewoche oder der Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Berufsleben.

Künstliche Intelligenz verändert das wissenschaftliche Arbeiten grundlegend. Wie muss sich die Abschlussarbeit weiterentwickeln, damit sie auch in Zukunft ein praxisnaher und relevanter Abschluss eines Studiums bleibt?

Das Format der Thesis und die Anforderungen an die Studierenden werden laufend an die neusten technologischen Entwicklungen angepasst. Wir begrüssen einen verantwortungsvollen Einsatz von KI-Tools bei der Erarbeitung der Thesis, testen aber auch verschiedene Massnahmen, die die Eigenleistung der Studierenden stärker hervorheben und auch einfordern.

An den Grundprinzipien des wissenschaftlichen Arbeitens ändert sich durch das Aufkommen von KI aber nichts. Kompetenzen, die die Studierenden dabei erwerben, wie kritisches Denken, methodisches Vorgehen, die Einordnung von Erkenntnissen und eine reflektierte Argumentation, sind heute wichtiger als je zuvor.

Daniela Spälti, Leiterin Management Thesis an der HWZ

Viele sehen am Ende nur die fertige Bachelor- oder Masterarbeit. Was wird über den Entstehungsprozess oft unterschätzt?

Bei der Arbeit an der Thesis läuft Vieles nicht nach Plan: Interviewpartner:innen können ausfallen oder plötzlich ist man beruflich stärker eingespannt als erwartet. Unsere Studierenden zeigen einen riesigen Einsatz, um ihr Projekt zu einem guten Abschluss zu bringen. Davon bin ich immer wieder beeindruckt.

Von der gebundenen Thesis zur digitalen Einreichung

Bis 2020 gehörte zur Abschlussarbeit an der HWZ ein fester Moment: die persönliche Abgabe der gebundenen Thesis. Am letzten Abgabetag nahmen Mitarbeitende jede Arbeit entgegen, prüften Formvorgaben und Unterschriften und stellten auf Wunsch (bei 99 % der Studierenden der Fall) eine Abgabebestätigung aus. Anschliessend wurden die Theses alphabetisch sortiert und an die Betreuungspersonen verteilt – ein organisatorischer Kraftakt.

Für viele Studierende war die Abgabe weit mehr als ein formaler Schritt. Sie kamen gemeinsam mit Kommiliton:innen, machten Erinnerungsfotos, riefen ihre Familien an oder stiessen mit einem Glas Prosecco auf das Ende ihres Studiums an. Zwischen Erleichterung, Stolz und Nervosität war alles spürbar. Manche verfolgten sogar ganz genau, wohin ihre Arbeit nach der Übergabe gelegt wurde. Danach fielen sie sich in die Arme und gingen feiern.

Mit der Einführung der elektronischen Abgabe im Jahr 2020 wurden die Prozesse deutlich effizienter. Druck- und Versandaufwand entfielen, die administrative Arbeit wurde vereinfacht und der Stress in den letzten Stunden vor der Deadline nahm ab. Geblieben sind jedoch die Aufregung kurz vor dem Klick auf «Abgeben» und vor allem das Gefühl der Erleichterung, wenn die Abschlussarbeit erfolgreich eingereicht ist.

Am Abend des Abgabetages wurden die eingereichten Theses mit dem Einkaufswagen im Haus verteilt.

Die HWZ steht für praxisnahe Weiterbildung. Woran erkennst du, dass eine Abschlussarbeit echten Mehrwert für Unternehmen oder Organisationen schafft?

Es fängt schon bei der Themenwahl an: Wir ermutigen Studierende und Betreuungspersonen dazu, Fragestellungen mit hohem Praxisbezug zu wählen. Durch die Inhalte im Studium schaffen wir zudem die Voraussetzungen dafür, dass Studierende diese auch gewinnbringend bearbeiten können.

Grundsätzlich sind für die Praxis diejenigen Theses besonders spannend, die sich mit einer sehr klar umrissenen Problemstellung befassen und Handlungsempfehlungen beinhalten.

Du hast bereits viele Abschlussarbeiten gesehen. Gibt es eine, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist und weshalb?

Ja, die Bachelor Thesis von Nils Kümin. Er untersuchte, wie Produkte und Dienstleistungen von Schweizer Unternehmen unter Berücksichtigung von EU-Richtlinien barrierefrei gestaltet werden können.

Diese Thesis ist ein gutes Beispiel für ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema und generierte durch konkrete Handlungsempfehlungen einen echten Mehrwert. Nils Kümin erhielt für seine hervorragende Leistung sogar den Nachhaltigkeitspreis.

Und gab es auch einmal eine besonders ungewöhnliche oder überraschende Anfrage rund um eine Abschlussarbeit?

Es gibt immer wieder Studierende, die «out of the box» denken und zum Beispiel methodisch sehr experimentell vorgehen möchten. Wann immer möglich unterstütze ich dies, denn genau solche innovativen Ideen wollen wir an der HWZ sehen.

Daniela Spälti, Leiterin Management Thesis an der HWZ

«Best of Bachelor Theses»

Die HWZ würdigt seit 2024 jährlich die besten Abschlussarbeiten, weil es ihr ein grosses Anliegen ist, Studierende und ihre Theses einem breiteren Publikum vorzustellen. Damit werden Firmen und Fachpersonen auf neue Forschung in ihrem Fachgebiet aufmerksam gemacht, deren Erkenntnisse für ihr Unternehmen relevant sein können. Die Arbeiten werden anhand ihrer Gesamtnote, Originalität, Innovativität und Praxisrelevanz ausgewählt.

Die HWZ hat in den vergangenen 40 Jahren unzählige Abschlussarbeiten hervorgebracht. Was sollte auch in Zukunft das Markenzeichen einer HWZ-Bachelor- oder Masterarbeit sein?

Das Markenzeichen unserer Abschlussarbeiten soll auch in Zukunft ihre Verbindung von wissenschaftlicher Qualität und praktischem Nutzen sein. Sie sollen innovative Fragestellungen aufgreifen, einen konkreten Mehrwert für Unternehmen und Gesellschaft schaffen und gleichzeitig sichtbar machen, welche fachlichen und methodischen Kompetenzen unsere Studierenden während ihres Studiums erworben haben.

Mein Anspruch ist, dass jede Abschlussarbeit nicht nur den erfolgreichen Abschluss eines Studiums markiert, sondern gleichzeitig auch einen Beitrag zur Lösung realer Probleme leistet.