Leadership Retreat im EMBA Digital Leadership HWZ
Raus aus der Komfortzone: Die eigene Führungsrolle unter Druck reflektieren
Im Rahmen des Moduls Leadership & Culture im Executive MBA Digital Leadership an der HWZ verbrachten die Teilnehmenden zusammen mit Daniela Landherr, Modulleiterin, Executive Coach und Keynote Speaker, zwei intensive Tage in einer Festung oberhalb des Thunersees. Unter dem Motto «Become comfortable with being uncomfortable» übernahmen sie in einer simulierten Firma unter Zeitdruck, Schlafmangel und ununterbrochener Kälte Führungsrollen, und lernten dabei vor allem eines: wie sie selbst wirken, wenn es darauf ankommt.
Campus · 23. September 2026
Das Leadership Retreat ist ein zweitägiges Praxisformat im Modul Leadership & Culture des EMBA in Digital Leadership an der HWZ. Statt Führung nur zu besprechen, wird sie erlebbar gemacht: Die Studierenden verlassen bewusst ihre Komfortzone, lernen ihre eigenen emotionalen Trigger und Reaktionsmuster kennen und üben den konstruktiven Umgang mit kritischen Situationen, als Vorbereitung auf komplexe Herausforderungen im realen Führungsalltag.
Ausgangslage und Aufgabe des Retreats
Die Studiengruppe schlüpfte für zwei Tage in die Rollen von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat einer Unternehmung. Der Auftrag: einen Businessplan für die Festungsleitung zu entwickeln, wie sich deren Vision skalieren und weiterführen liesse, unter realen Rahmenbedingungen, mit echten Kennzahlen und einer harten Deadline. Bearbeitet wurde dieser Auftrag unter Schlafmangel, anhaltender Kälte und wiederkehrenden Störungen und Überraschungen.
Im Zentrum stand in erster Linie nicht, die Aufgabe möglichst perfekt zu lösen. Es ging darum, die eigene Rolle in diesem Moment zu verstehen, und aus dieser Rolle heraus Wirkung zu entfalten. Trigger erkennen, die eigene Reaktion darauf verstehen, Dynamiken wie das Drama-Dreieck bei sich selbst und anderen erkennen, und das Erlebte anschliessend in Klärung und Feedback zu übersetzen.
Wie unmittelbar diese Bedingungen auf die Gruppe wirkten, beschreibt Stefanie Schwärzli:
33 Stunden wach bei nur 10 Grad. Trotz Kälte, Müdigkeit und einigen emotionalen Triggern war da ganz viel Zusammenhalt in unserer Gruppe – und mittendrin die Erkenntnis, dass wir oft viel mehr können, als wir uns selbst zutrauen.
Der Arbeitsprozess
Der Weg dorthin begann bereits als Führungsaufgabe: Die Gruppe musste zunächst gemeinsam Material und Ausrüstung über eine Bucht am Thunersee transportieren, bevor der Marsch zur Festung startete. Vor Ort folgten Organisation unter Zeitdruck, laufende Störungen und Entscheidungen mit unvollständigen Informationen, bis zur Präsentation der Businesspläne vor dem Eigentümer in den frühen Morgenstunden.
Für Maria Hagedorn, Studentin im EMBA Digital Leadership HWZ, wurde gerade diese ungewohnte Situation zum entscheidenden Teil des Lernerlebnisses:
600 Höhenmeter, zwölf Kilo Gepäck und zwölf Minuten Schlaf: Nicht unbedingt das, was ich mir unter einem EMBA-Modul vorgestellt hatte. Und genau deshalb war es so gut! Das Leadership Retreat hat mir mehr über meine eigenen Trigger, meine Grenzen und mein Verhalten unter Druck gezeigt, als es ein Vorlesungsraum je könnte.
Auch die Frage, wie Führung unter diesen Bedingungen gelebt wird, wurde Teil des Lernprozesses. Tilia Schnarwiler erlebte dabei insbesondere den Kontrast zwischen unterschiedlichen Führungsverständnissen als prägend:
Besonders bereichernd war für mich der direkte Kontrast zwischen der traditionellen militärischen Führung und einem modernen, partizipativen Führungsverständnis. Das Leadership Retreat hat mir eindrücklich gezeigt, wie unterschiedlich Führung wirken kann und wie entscheidend es ist, den eigenen Führungsstil bewusst zu reflektieren.
Den Abschluss bildete ein ausführliches, strukturiertes Debriefing: Selbstreflexion, klärende Gespräche und wechselseitiges Feedback nach dem SBII-Modell, mit dem die Studierenden ihre Erkenntnisse aus den zwei Tagen in konkrete Führungslektionen übersetzten.
Auch Bea Koens, Studentin im EMBA Digital Leadership HWZ, beschreibt den Ort und die anschliessende Reflexion als zentralen Teil des Erlebnisses:
Draussen der Thunersee, drinnen die Kälte der Stollen, geführt an einem Ort, an dem einst die Schweizer Armee das Berner Oberland sicherte. Und am Ende hältst du eine Landkarte über dich selbst in der Hand. Das Retreat gräbt dort, wo man sonst nicht hinschaut, und legt in einem einzigen Feedback nach dem SBII-Modell mehr frei als ein ganzes Führungsbuch. Unbequem, ehrlich, unbezahlbar.
Eine überraschende Erkenntnis
Was sich in der Reflexion zeigte, war bemerkenswert: Führung entstand in der Gruppe sehr schnell und wirksam. Einzelne Personen brachten früh Orientierung, Struktur und Entscheidungen ein, und die Gruppe blieb durchgehend handlungsfähig. Gleichzeitig zeigte sich ein Muster, das zum eigentlichen Kernthema des Debriefings wurde: Je klarer einzelne Personen Führung übernahmen, desto weniger schien die übrige Gruppe selbst Führung übernehmen zu müssen.
Unterstützung und echtes Mitdenken sind eben nicht dasselbe. Die Frage, die die Studierenden mit nach Hause nahmen, lautete deshalb nicht «Wer hat gut oder schlecht geführt?», sondern: Erzeugt meine Führung mehr Führung um mich herum, oder nimmt sie der Gruppe unbeabsichtigt das eigene Denken ab? Oder wie Daniela Landherr, Modulleiterin des Retreats, sagt:
Auch für Dominik Blöchlinger liegt eine zentrale Erkenntnis deshalb gerade im Umgang mit Unsicherheit und Druck:
Das Retreat hat mir gezeigt, dass gute Führung nicht bedeutet, immer sofort die richtige Antwort zu haben, sondern gerade unter Druck kurz innezuhalten, die Situation richtig einzuordnen, vorhandene Ressourcen zu nutzen und gemeinsam die beste Lösung zu finden.
