25 Jahre Leadership an der HWZ

Vom Handschlag zum Leadership-Dozenten: Dieter Schmids HWZ-Geschichte

Ohne Dossier, ohne Vorbereitung und mit einer spontanen Zusage per Handschlag begann Dieter Schmids Geschichte 2001 an der HWZ. Heute prägt er seit über 25 Jahren die Leadership-Ausbildung mit. Im Interview anlässlich des 40-Jahre-Jubiläums der HWZ spricht Dieter über den Wandel der Führung, prägende Unterrichtsmomente und warum die HWZ trotz Professionalisierung ihre persönliche Kultur bewahrt hat.

40 Jahre HWZ · 6. Juli 2026

Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.


Dieter Schmid ist Organisationsberater, Transformationscoach und Inhaber seines eigenen Beratungsunternehmens. Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmen und Führungskräfte im Bereich Strategie-, Struktur- Kultur- und Führungsentwicklung. Seit 25 Jahren unterrichtet er an der HWZ das Thema Leadership.

Dein Einstieg an der HWZ 2001 ist für heutige Verhältnisse eher ungewöhnlich: Nach einer unverbindlichen Anfrage vor Ort auf dem Sekretariat bekamst du direkt einen spontanen Vorstellungstermin beim damaligen Rektor Hugo E. Götz. Sein Büro hast du mit einer Zusage für Projektmanagement-Seminare verlassen. Was ist in diesen 10 Minuten passiert?

Ich bin unvorbereitet, ohne Dossier und mit einem tiefen Atemzug in sein Büro getreten. Eigentlich wollte ich Team-Seminare unterrichten. Hugo E. Götz musterte mich, stellte ein paar kritische Fragen und sagte dann: «Dafür haben wir leider keinen Bedarf. Aber für Projektmanagement-Seminare in der Lenzerheide suchen wir noch Dozierende.» Lenzerheide klang gut, also sagte ich spontan zu. Zehn Minuten später war der Vertrag per Handschlag besiegelt. Ich verliess das Büro mit einer Mischung aus Euphorie und Unglauben.

Was hat dich damals überzeugt zu bleiben und was hält dich heute, über 25 Jahre später, immer noch an der HWZ?

Damals haben mich die Macherkultur, der didaktische Freiraum und die konsequente Praxisorientierung überzeugt. Das gilt bis heute. Ich konnte immer wieder neue Formate entwickeln und mich gemeinsam mit den Studierenden weiterentwickeln. Heute schätze ich zusätzlich die Professionalität, das Netzwerk und die Kollegialität unter den Dozierenden. Die HWZ ist gewachsen, aber der Pioniergeist ist geblieben.

Du hast die Entwicklung von einer Institution hin zu einer Fachhochschule miterlebt. Was war für dich der prägendste Wandel?

Der prägendste Wandel war die Professionalisierung in allen Bereichen: Forschung, Lehre, Qualitätssicherung, Marktorientierung und Markenauftritt. Die HWZ wurde in dieser Zeit zu einer anerkannten Fachhochschule mit klarem Profil.

Entscheidend ist für mich aber: Trotz dieses Professionalisierungsschubs ist sie eine persönliche Hochschule mit Herz geblieben. Am Ende machen hier immer noch Menschen mit Engagement den Unterschied.

Dieter Schmid, Studiengangsleiter und Dozent an der HWZ

Wie haben sich die Themen verändert, die du unterrichtest? Lehrst du heute noch dasselbe wie vor 25 Jahren oder hat sich Leadership komplett neu definiert?

Das Leadership-Verständnis hat sich in den letzten 15 bis 20 Jahren massiv verändert. Klassische hierarchische Führung kam an Grenzen; neue Formen wie Agilität, Selbstorganisation und partizipative Führung rückten ins Zentrum. Gleichzeitig sind die Kernfragen gleichgeblieben: Wie führe ich mich selbst? Wie begegne ich anderen Menschen? Wie entstehen Vertrauen, Verantwortung und Vorbildwirkung? Leadership definiert sich neu und bleibt im Kern zutiefst menschlich.

Du hast Formate wie die Living Cases mitgeprägt. Was war die Idee dahinter und warum funktionieren sie bis heute?

Die Projektmanagement-Seminare waren bereits eine frühe Form von Living Cases: reale Unternehmen, reale Fragestellungen, Studierende als Beratungsteams und eine Schlusspräsentation vor dem Auftraggebenden. Ich merkte schnell, wie viel Energie entsteht, wenn Lernen echt wird. Dieses Dreieck aus Auftraggeber, Praxis-Case und gecoachter Gruppenarbeit habe ich über die Jahre immer wieder weiterentwickelt. Es funktioniert bis heute, weil alles real ist: die Aufgabe, der Kunde, der Zeitdruck, die Gruppendynamik und die Verantwortung für ein Ergebnis.

Gibt es eine Situation aus deinem Unterricht, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Unvergesslich bleibt ein Living Case in der Kartause Ittingen mit Musik Hug. Während der Schlusspräsentation entstand plötzlich eine Live-Jam-Session von Studierenden und Geschäftsleitungsmitgliedern mit Elektrogitarre und Verstärker. Nebenan tagte der noble Verwaltungsrat einer Bank, alle in Anzug und Krawatte. Ich ging hinüber, entschuldigte mich für den Lärm und sagte, ich könne und wolle das nebenan nicht stoppen. Bevor jemand antworten konnte, schloss ich die Tür wieder und ging zurück, um das Konzert weiter zu geniessen.

Das war für mich HWZ in Reinkultur: praxisnah, lebendig und erstaunt ob dem eigenen Mut.

Dieter Schmid, Studiengangsleiter und Dozent an der HWZ

Wenn du auf deine Rolle als Dozent schaust: Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Studierenden über die Jahre verändert?

In der Weiterbildung hat sich der Fokus stark verschoben: von Wissensvermittlung zu Lernbegleitung. Das entspricht mir sehr, weil ich mich immer eher als Coach denn als reiner Experte verstanden habe. Ich habe auf allen Bildungsstufen – von der Primarschule bis zur Universität – unterrichtet, doch geblieben bin ich an der Fachhochschule. Hier stimmen für mich Reifegrad, Leistungsbereitschaft, Praxisbezug und der Austausch auf Augenhöhe besonders gut. Lernen wird zur gemeinsamen Verantwortung.

Seit diesem Jahr leitest du zwei neue CAS im Bereich Leadership. Was reizt dich an dieser neuen Aufgabe besonders?

Mich reizt, Lern- und Entwicklungsprozesse nicht nur für einzelne Unterrichtstage, sondern über einen ganzen Studiengang hinweg zu gestalten. Als Transformations-Coach denke ich in Dramaturgien, Übergängen und Erfahrungsräumen. Genau das kann ich nun auf CAS-Ebene einbringen. Besonders spannend ist auch die Zusammenarbeit im Dozierendenteam: fachlich inspirierend und für mich persönlich nochmals ein Entwicklungsschub.

Zum Schluss: Wofür sollte die HWZ auch künftig bekannt sein?

Für aktuelle Themen, hohe Praxisrelevanz und Unterricht, der wirksam ist: persönlich, effizient, nah an den Menschen und nah an der Wirtschaft. Die HWZ sollte auch künftig eine Hochschule sein, an der man nicht nur Wissen mitnimmt, sondern Entwicklung erlebt.