Impulse für bessere Führung
Wie Antoinette Weibel seit 20 Jahren die HWZ und ihre Führungskräfte prägt
«We are off to a ride and it's gonna be bumpy.» Damit beschreibt Antoinette Weibel die Zukunft der Führung. Seit 20 Jahren begleitet sie Studierende und Führungskräfte an der HWZ als Dozentin und engagiert sich im Fachhochschulrat. Im Interview erzählt die Professorin, was die Hochschule für sie besonders macht, über ihre prägenden Momente in all den Jahren und darüber, welche Fähigkeiten und Kompetenzen Führungskräfte künftig brauchen.
40 Jahre HWZ · 22. Juli 2026
Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.
Seit 2005 prägt Antoinette Weibel die HWZ als Dozentin im EMBA General Management sowie in verschiedenen Weiterbildungs- und Studienprogrammen zu HR-Leadership, Positive Management und Organizational Behavior. Zudem engagiert sie sich im Fachhochschulrat und begleitet die strategische Weiterentwicklung der Hochschule.
Im Rahmen des 40-Jahre-Jubiläums der HWZ blickt sie auf zwei Jahrzehnte voller Begegnungen und praxisnaher Weiterbildung zurück und erklärt im Interview, warum Neugier, Empathie, Reflexion und kritisches Denken zu den wichtigsten Führungskompetenzen der Zukunft gehören.
20 Jahre Engagement für die HWZ
Die HWZ feiert dieses Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Gleichzeitig unterrichtest du seit 20 Jahren bei uns an der HWZ. Was hat dich damals an die HWZ geführt und weshalb bist du ihr bis heute treu geblieben?
Mein Anspruch ist, unsere Forschung in die Welt zu bringen. Bei mir war damals sehr intensiv die Frage, wie Unternehmen Vertrauen ermöglichen oder zerstören. Und ich gebe zu: Mythen auszuräumen und Unternehmen ein bisschen aufzurütteln, macht mir bis heute diebische Freude.
Mein Ziel ist stets, Unternehmer:innen und Führungskräfte daran zu erinnern, dass die Unternehmung immer eine gemeinsame ist und ein Unternehmen mehr sein kann als eine Profitmaschine.
Die HWZ war dem von Anfang an aufgeschlossen gegenüber und zeichnet sich durch sehr innovative, menschenzentrierte Weiterbildungsprogramme aus. Es macht also Spass, gemeinsam Impact zu schaffen.
Gibt es eine Begegnung, einen Moment oder eine Anekdote, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist? :)
Ehrlich gesagt sind es fast immer die Begegnungen mit Studierenden:
Beispielsweise der Taxiunternehmer, der seine Fahrer nach dem Unterricht nicht mehr mit Boni lockt und feststellt, dass plötzlich alle glücklicher und leistungsfähiger sind. Als er mir das erzählt hat, habe ich mich riesig gefreut.
Oder der begabte, wissbegierige Student im MSc-Startlehrgang, der mittlerweile selbst Professor an der HWZ ist. ;)
Und natürlich der intensive Austausch mit bereichernden Kolleginnen und Kollegen wie Martin Kägi und Dieter Schmid, mit denen ich ganze Lehrgänge neu entwickelt habe.
Eine praxisorientierte Hochschulwelt
Du hast die Entwicklung der HWZ über zwei Jahrzehnte miterlebt. Welche Entwicklungen haben dich besonders geprägt und was zeichnet die HWZ aus deiner Sicht heute aus?
Ich erlebe die HWZ als einen Ort, an dem man wirklich etwas ausprobieren kann. Wenig Scheuklappen, viel gemeinsamer Wille und Spirit. Damit das so bleibt, sollte auch das neue Kapitel nicht zu sehr auf Wettbewerb setzen. Ich bin im Herzen Professorin an der HSG und stolz auf meinen Arbeitgeber. Die HWZ ist für mich trotzdem eine Sparringpartnerin, mit der ich gerne ringe. Von Konkurrenzdenken halte ich in dieser Beziehung wenig. Das muss allerdings von allen Seiten gelebt werden, und ich hoffe sehr, dass es so bleibt.
Du kennst sowohl die universitäre als auch die praxisorientierte Hochschulwelt sehr gut. Was schätzt du besonders an der Arbeit mit Berufstätigen und berufserfahrenen Fach- und Führungskräften an der HWZ?
Die HSG ist ja auch sehr praxisorientiert. Aber ganz generell bezeichne ich mich als «engaged scholar»: Der Austausch mit der Praxis ist für mich schlicht der Sauerstoff. Was sind die wirklichen Probleme und Themen? Wie lösen sie Praktiker:innen, wie lösen wir sie, und wie stricken wir daraus gemeinsam bessere Wege? Wo entstehen Widerstände, und warum? All das lässt sich gerade an der HWZ mit den Studierenden wunderbar ergründen.
Veränderst du deinen Unterricht je nachdem, ob du mit Studierenden an einer Universität oder mit berufserfahrenen Führungskräften an der HWZ arbeitest?
Natürlich unterrichte ich in der grundständigen Bildung anders. Aber mein Herzensanliegen ist, auch Praktiker:innen mit der Wissenschaft in den Austausch zu bringen. Nur eben mehr über Dialog, gemeinsames Ringen um verschiedene Verständnisse und das Aufdecken von Mythen, hüben wie drüben.
Du kennst die HWZ aus verschiedenen Perspektiven – als Dozentin, als Mitglied des Fachhochschulrats und als Forschungspartnerin in gemeinsamen Projekten. Wie ergänzen sich diese unterschiedlichen Rollen für dich?
Ich sehe mich an der HWZ in erster Linie als Dozentin. Im Fachhochschulrat bin ich ein bisschen die Hüterin der Unterschiede: Ich bringe die Universitätsperspektive ein und achte darauf, dass die wichtigen Unterschiede zwischen Fachhochschule und Universität erhalten bleiben.
Die HWZ soll bleiben, was sie am besten kann, nämlich innovativ und wendig; die rigorose Grundlagenforschung überlassen wir getrost der Uni. Genauso ist das ja eigentlich auch im Fachhochschulgesetz angedacht.
Wichtige Führungskompetenzen
Welche Kompetenzen werden Führungskräfte in den kommenden Jahren deiner Meinung nach besonders brauchen und möchtest du ihnen im EMBA General Management HWZ aus deiner langjährigen Erfahrung mitgeben?
Wenn ich den Studierenden etwas mitgeben darf: Arbeitet an eurer menschlichen Intelligenz und an eurem Charakter. Gerade weil die Welt in einer grossen Transformation steckt, und das betrifft natürlich auch die Wirtschaftswelt, müssen wir als Menschen solidarisch, mit Ideenkraft und im Miteinander(-denken) in die Gestaltung kommen.
Also schärft eure Empathie und euer kritisches Denken, kommt in die Reflexivität (nicht immer gleich in Aktion springen) und bleibt neugierig. «We are off to a ride and it's gonna be bumpy.»
Wenn du an die nächsten zehn Jahre der HWZ denkst: Wofür sollte die HWZ (auch) künftig bekannt sein?
Es braucht Kopf, Hand und Herz, und an der HWZ setzen wir alle drei ein.
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