Mitarbeiterin im Porträt
Gaby Signers vielfältige Rollen an der HWZ
Gabriella Signer hat die HWZ während ihren 17 Jahren in ganz unterschiedlichen Funktionen erlebt und mitgeprägt. Von der Studiengangsleiterin über die Gleichstellungsbeauftragte bis zur Schnittstelle zwischen IT und Mitarbeitenden führte ihr Weg immer wieder in neue Aufgabenfelder. Zum 40-Jahre-Jubiläum erzählt sie von überraschenden Wendungen und warum sie der HWZ auch nach all den Jahren noch verbunden ist.
40 Jahre HWZ · 8. September 2026
Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.
Gabriella Signer ist seit 2009 Teil der HWZ und hat in dieser Zeit mehr als nur eine Funktion ausgefüllt. Ursprünglich angestellt für den Master of Science, übernahm sie stattdessen die Leitung mehrerer Weiterbildungsstudiengänge und prägte deren Modularisierung mit. Sie engagierte sich für die Gleichstellung, initiierte gemeinsam mit Mitarbeitenden neue Formen des Austauschs und der Zusammenarbeit an der HWZ und arbeitet heute als Schnittstelle zwischen IT und den Mitarbeitenden.
Ihr eigener Bildungsweg verlief dabei ebenso wenig geradlinig. Aus der Informatik kommend und zunächst mit einem eidgenössischen Diplom ausgestattet, entschied sie sich während ihrer Zeit an der HWZ im Alter von 47 Jahren, selbst noch im Fernstudium den Bachelor of Arts in Bildungswissenschaft zu absolvieren.
Ankommen und mitgestalten
Gaby, du bist seit 2009 an der HWZ. Erinnerst du dich noch an deinen ersten Arbeitstag und daran, wie alles anders kam, als du ursprünglich erwartet hättest?
Ja, daran erinnere ich mich sehr gut. Ich hatte mich auf eine Stelle als Studiengangsleiterin für den Master of Science (MSc) beworben. Überraschenderweise wurde ich eingestellt, obwohl ich keinen Hochschulabschluss hatte. Am 1. Arbeitstag hat Peter Statz mir mitgeteilt, dass ich nicht den MSc leiten werde, sondern den Weiterbildungsstudiengang MAS Business Consulting HWZ und den MAS Project Management HWZ.
Mir ist damals ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Ich hätte nicht gewusst, ob ich das mit dem MSC gepackt hätte.
Eine deiner ersten grossen Aufgaben war die Modularisierung der Weiterbildungsangebote. Was hat dich an dieser Aufgabe gereizt? Und was hat diese Zeit für dich und für die HWZ bedeutet?
Die Zeit war reif für Modularisierung. Bis dahin dauerte ein Weiterbildungsstudiengang meist 1,5 Jahre. Unterbrüche waren schwierig, die Themen waren fix vorgegeben. Das entsprach nicht mehr dem, was die Leute in der Wirtschaft erlebten. Sie brauchten gezielter vertiefte Weiterbildungen in einzelnen Themen, die man zu einem MAS zusammenfassen konnte. Natürlich musste das Ganze in sich stimmig sein. Dadurch, dass wir zu den First Movern dieser Modularisierung gehörten, wurden unsere Studiengänge praktisch überrannt. Wir führten einzelne CAS teilweise drei Mal pro Jahr durch. Es war eine spannende und sehr intensive Zeit und ohne die Hilfe der Studiengangsorganisation wäre das nicht möglich gewesen. Auch weil das IT‑System noch nicht dafür ausgelegt war und noch vieles von Hand gemacht werden musste.
2013 hast du gemeinsam mit Mitarbeitenden neue Formen des Austauschs und der Zusammenarbeit an der HWZ angestossen. Warum war es dir wichtig, dass Mitarbeitende ihre Ideen und Anliegen einbringen können?
Ich bin die Tochter eines Gewerkschafters, quasi mit Mitbestimmungsrecht-Löffel geboren. 😄 An einer Strategie-Tagung war das Thema Kommunikation ein Schwerpunkt und es wurde diskutiert, wie sich die Mitarbeitenden einbringen können. Es gab Gefässe für Studierende und Dozierende, aber nichts für die Mitarbeitenden, ausser dem Linienweg über die Vorgesetzten.
Wir gründeten daraufhin das Mitarbeitenden-Forum, welches ich die ersten paar Jahre leiten durfte. Das Forum gibt es heute noch und ich finde es wichtig, dass die Mitarbeitenden diese Stimme haben. Es wurden einige tolle Dinge dank dieses Forums umgesetzt.
Viele Rollen, eine Konstante
Du hast an der HWZ immer wieder neue Rollen übernommen: von der Studiengangsleitung über die Gleichstellungsstelle, eLearning bis heute zur Schnittstelle zwischen IT und Mitarbeitenden. Was hat dich dazu gebracht, dich immer wieder auf etwas Neues einzulassen?
Ich habe früher alle drei Jahre die Stelle gewechselt. Als ich bei der HWZ angestellt wurde, meinte der damalige Rektor, dass sie Personal schätzen, das etwas längerfristig bleibt. Ich denke, ich wäre nicht geblieben, wenn ich nicht diese Vielfalt an unterschiedlichen Tätigkeiten gehabt hätte. Das ist mein Naturell: Ich muss immer mal etwas Neues machen. Das ist auch privat so. Ich habe kein bestimmtes Hobby, sondern fange immer mal wieder etwas an, weil ich neugierig bin, wie es geht. Aktuell ist es Geigenspielen (seit 5 Jahren) und Karate (seit ½ Jahr). Die HWZ hat mir mit diesen verschiedenen Tätigkeiten ein riesiges Spielfeld geboten, auf dem ich mich austoben durfte, und man hat mir auch viel Spielraum dafür gelassen.
Wenn du deine ersten Tage an der HWZ mit heute vergleichst: Was hat sich am stärksten verändert und was ist erstaunlicherweise gleich geblieben?
Damals waren diese Weiterbildungsstudiengänge gerade so «im Kommen», egal ob modularisiert oder nicht. Man hatte viele grüne Wiesen, auf denen man arbeiten konnte. Entsprechend kreativ und quirlig war die Stimmung, zumindest so habe ich sie empfunden. Es gab noch nicht zu jedem Thema einen CAS. Neue Themen aufzugreifen war damals noch einfacher. Heute haben wir über 130 CAS. Da ist eine Neuentwicklung eines CAS Knochenarbeit.
Es hat sich sehr vieles verändert, weil ganz viele neue Leute gekommen sind über all diese Jahre. Ich glaube aber, dass grundsätzlich die Serviceorientiertheit der HWZ geblieben ist. Man unterstützt sich und springt ein, wenn es nötig ist. Und wichtig ist immer, dass im Sinne der Kundschaft gehandelt wird.
Heute bist du die Schnittstelle zwischen IT und den HWZ-Mitarbeitenden und sagst, dass du in dieser Funktion vermutlich pensioniert wirst. Ist das ein gutes Gefühl?
Haha, ja… ich habe immer gesagt, ich freue mich auf meine Pensionierung. Bereits als ich nach der Schule meinen ersten Arbeitstag hatte. Das hat nichts damit zu tun, dass ich meine Arbeit nicht gerne machen würde. Ich gehe wirklich gerne arbeiten, ich schätze die Zusammenarbeit mit dem IT-Team und den Austausch mit den Mitarbeitenden. Aber wie oben erwähnt: Ich bin etwas unstet und diese Eigenschaft kann ich im Privaten besser ausleben als in einer Firma. 😉
Du bist an der HWZ bekannt dafür, auch einmal unbequeme Fragen zu stellen. Woher kommt dieser Mut, Dinge anzusprechen, die vielleicht nicht alle hören wollen?
Keine Ahnung, ich war schon immer so. Ich bekam in der Primarschule mal eine Ohrfeige von meiner Lehrerin, weil ich mich für das Recht von einem Mitschüler einsetzte – er hatte sich Jahre später noch daran erinnert. Wenn man in einer Firma ein Murmeln und Rauschen hört, ist es sicher besser, diesen Elefanten im Raum mal laut anzusprechen, als das einfach zu ignorieren. Ich bin der Meinung, es klärt die Luft, auch wenn es im Moment unangenehm ist. Ein Rektor kam nach einer meiner Mails zu mir und meinte: «Ich dachte ja erst: ‹Oh nein, warum das jetzt?‹ Und dann aber: ›Sie hat ja recht.‹» Das ist etwas, wofür ich der HWZ immer sehr dankbar war, dass ich genauso sein konnte und mir diese Narrenfreiheit gelassen wurde.
Bildung öffnet Türen
Du hast selbst einen ungewöhnlichen Bildungsweg: Aus der Informatik kommend, hast du 2011 während deiner Zeit an der HWZ deinen Bachelor in Bildungswissenschaft nachgeholt. Was hat dich dazu bewegt?
Ich habe 1984 meine Matur gemacht und wollte schnellstmöglich von zu Hause ausziehen. Studieren wollte ich schon irgendwann, ich wusste aber nicht was. Es passierte in meinem Privatleben so viel, dass mir die Musse für ein Studium fehlte. So habe ich erst die Berufsbildungsabschlüsse gemacht (eidg. FA und eidg. Diplom).
In all der turbulenten Zeit in der HWZ hatte ich noch das Gefühl, da fehlt noch was, und habe gemerkt, dass ich mich mehr mit dem Thema Bildung beschäftigen möchte. Mit einem Vollzeitjob bleibt einem da nur ein Fernstudium. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich nicht der wissenschaftliche Forschungsmensch bin. 😄
Bildung war dir schon immer ein grosses Anliegen und du hast als Studiengangsleiterin viele Menschen auf ihrem beruflichen und schulischen Weg begleitet. Auch dein Vater hat dir mitgegeben: «Bildung ist das wichtigste Gut, das du erlangen kannst.» Was bedeutet dieser Satz heute für dich?
Ich komme noch aus einer Generation, in der der Weg für viele Frauen vorgegeben war: Heirat, Kinder bekommen, Haushalt führen. Wozu sollte man als Frau also Energie in Bildung investieren? Mein Vater hat mir immer gesagt: «Mit einer guten Ausbildung bist du unabhängig. Du kannst dein eigenes Geld verdienen.»
Ich finde heute Bildung wichtiger als je zuvor. Nicht wegen der finanziellen Unabhängigkeit als Frau, das hat sich schon längst geändert. Sondern um gerade in der heutigen Zeit, in der man überflutet wird mit Informationen aller Art, diese Informationen auch einordnen kann.
Wenn du heute auf diese 17 Jahren HWZ zurückblickst: Worauf bist du besonders stolz? Was hat die HWZ dir persönlich gegeben?
Ich bin stolz, dass ich es hier 17 Jahre geschafft habe. 😉 Nein, stolz bin ich auf nichts Besonderes. Die HWZ hat mir eine Art Heimat gegeben, ich fühle mich angekommen. Ich wurde immer sehr wertgeschätzt und das ist ein gutes Gefühl und motiviert sehr bei der Arbeit.
Wofür sollte die HWZ auch künftig bekannt sein?
Für qualitativ hochstehende Aus- und Weiterbildungen und kundenorientierte Service-Qualität. Als Arbeitgeberin wünsche ich der HWZ, dass die Mitarbeitenden sich weiterhin geschätzt fühlen, auch wenn sie Ecken und Kanten haben.

