4. Juni 2026 · 40 Jahre HWZ
Vom Gesetz zur Identität: Wie das Fachhochschulgesetz die HWZ geprägt hat
Die 1990er-Jahre markierten einen Wendepunkt für die Schweizer Bildungslandschaft und für die HWZ. Mit dem Fachhochschulgesetz entstand nicht nur ein neuer Hochschultyp, sondern auch die Grundlage für die heutige Positionierung der HWZ als praxisnahe, unternehmerische Hochschule.
Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.
Die Schweiz stand Anfang der 1990er-Jahre vor einer grundlegenden Herausforderung: Ihr Bildungssystem war international schwer vergleichbar und entsprach nicht mehr den Anforderungen einer zunehmend globalisierten Wirtschaft.
Mit dem Fachhochschulgesetz (FHSG) von 1995 schuf der Bund eine neue Hochschulform. Fachhochschulen wurden als dritter Pfeiler des Hochschulsystems etabliert – neben Universitäten und den Eidgenössisch Technischen Hochschulen (ETH). Ihr Auftrag war klar definiert:
praxisorientierte Ausbildung
Weiterbildung
angewandte Forschung
Dienstleistungen für Wirtschaft und Gesellschaft
Damit wurde ein System geschaffen, das Wissenschaft und Praxis systematisch verbindet.
Sieben Fachhochschulen als neue Struktur der Schweiz
Ein zentrales Element des Fachhochschulgesetzes war die Neustrukturierung der Bildungslandschaft. Der Bundesrat genehmigte 1998 – zuerst nur befristet bis Ende 2003 – sieben Fachhochschulen, die regional organisiert wurden. Ziel war es:
die zuvor fragmentierte Landschaft aus Höheren Technischen Lehranstalten (HTL), den Höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschulen (HWV) und den Höheren Fachschulen für Gestaltung (HFG) zu bündeln
klare Strukturen zu schaffen
internationale Anschlussfähigkeit zu gewährleisten
Diese sieben Fachhochschulen schufen sich als praxisorientierte, dynamische und interdisziplinär ausgerichtete Ausbildungsstätten auf Hochschulstufe einen Namen.
Die Transformation: Von der HWV zur Fachhochschule
Für die damalige Berufsbegleitende HWV – die Vorgängerinstitution der HWZ – bedeutete diese Reform einen tiefgreifenden Wandel. Die Anforderungen waren umfassend:
Ausbau zur Hochschule
Erweiterung des Leistungsauftrags
strukturelle Integration in das neue Fachhochschulsystem
Die HWZ reagierte früh und strategisch auf diese Veränderungen. Gemeinsam mit der Ingenieurschule Zürich gründete sie 1997 die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Verwaltung Zürich (HSZ). Damit schuf sie die organisatorische Grundlage, um die politischen Vorgaben des Bundes und des Kantons Zürich zu erfüllen, die für die Anerkennung als Fachhochschule eine bestimmte Grösse sowie mehrere Studienbereiche verlangten.
1998 genehmigte der Bundesrat die neue Fachhochschule offiziell. Damit wurde die HWZ Teil des neu geschaffenen Fachhochschulsystems der Schweiz und erhielt Zugang zur Zürcher Fachhochschullandschaft.
In den darauffolgenden Jahren entwickelte die HWZ ihre bisherigen Studiengänge konsequent weiter. Lehrpläne wurden überarbeitet, neue Qualitätsstandards eingeführt und zusätzliche Leistungsbereiche wie Weiterbildung, angewandte Forschung und Dienstleistungen aufgebaut. Gleichzeitig professionalisierte die Hochschule ihre Organisationsstruktur und schuf neue Institute sowie Forschungszentren.
2001 wurde die Transformation mit der eidgenössischen Anerkennung als Fachhochschule abgeschlossen. Aus der Berufsbegleitenden HWV war damit eine vollwertige Hochschule geworden, mit einem klaren Fokus auf Praxisnähe, berufsbegleitendes Studieren und wirtschaftliche Relevanz.
Praxisnähe als strategische Antwort
Während viele Institutionen primär strukturell reagierten, nutzte die HWZ die Reform gezielt zur Positionierung. Sie setzte konsequent auf:
berufsbegleitende Studiengänge
Dozierende aus der Praxis
enge Zusammenarbeit mit Unternehmen
Diese Ausrichtung entsprach exakt dem gesetzlichen Auftrag und wurde zum zentralen Differenzierungsmerkmal.
- Bachelor Betriebsökonomie HWZ
- Bachelor Business Communications HWZ
- Bachelor Business Psychology HWZ
- Bachelor Digital Business & AI HWZ
- Master Banking & Finance HWZ
- Master Business Administration HWZ | Major in Digital Strategy
- Master Real Estate HWZ | Major in Finance, Sustainable & Digital Value Creation
Qualität und Akkreditierung: Vom Anspruch zur Verpflichtung
Mit der Weiterentwicklung des Hochschulsystems – insbesondere durch das Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG, 2015) – wurde Qualität zur verbindlichen Voraussetzung.
Das Gesetz verlangte von Hochschulen:
institutionelle Akkreditierung
systematische Qualitätssicherung
transparente Leistungsnachweise
Die Vorbereitung auf die erste institutionelle Akkreditierung war deshalb ein mehrjähriger Prozess. Die HWZ etablierte systematische Qualitätsmanagementprozesse, führte interne Evaluationen durch und liess ihre Strukturen sowie Leistungsbereiche extern überprüfen. Bereits zuvor hatte die Hochschule mit dem EFQM-Modell gearbeitet und mehrere Qualitätsauszeichnungen erhalten.
Die erfolgreiche Akkreditierung war für die HWZ von zentraler Bedeutung: Sie bestätigte nicht nur offiziell ihren Status als anerkannte Hochschule, sondern sicherte auch langfristig ihre Position innerhalb der Schweizer Hochschullandschaft und der Zürcher Fachhochschule. Gleichzeitig zeigte sie, dass die HWZ als private Hochschule dieselben Qualitätsanforderungen erfüllt wie staatliche Institutionen.
Privat und dennoch systemrelevant
Die HWZ nimmt innerhalb des Fachhochschulsystems eine besondere Rolle ein:
privatrechtlich organisiert
ohne staatliche Grundfinanzierung
gleichzeitig Teil der Zürcher Fachhochschule (ZFH)
Diese Kombination ermöglicht:
hohe Agilität
unternehmerische Führung
schnelle Anpassung an Marktbedürfnisse
Damit vereint die HWZ staatliche Anerkennung mit marktwirtschaftlicher Dynamik.
Fazit: 40 Jahre HWZ – eine Geschichte der Anpassung und Haltung
Die Entwicklung der HWZ ist eng mit der Transformation der Schweizer Hochschullandschaft verbunden. Das Fachhochschulgesetz hat den institutionellen Rahmen geschaffen, innerhalb dessen sich neue Hochschultypen entwickeln konnten. Für die HWZ bedeutete dies jedoch weit mehr als eine strukturelle Anpassung: Es war der Ausgangspunkt für eine strategische Neuausrichtung.
Indem sie die gesetzlichen Anforderungen frühzeitig aufgriff und konsequent weiterdachte, entwickelte die HWZ ein klares Profil zwischen Praxis, Wirtschaftsnähe und akademischem Anspruch. Die Einbettung in die Zürcher Fachhochschule stärkte ihre institutionelle Verankerung, ohne ihre unternehmerische Eigenständigkeit zu beschneiden. Gleichzeitig hat sie mit dem Aufbau von Forschung, Weiterbildung und Qualitätsmanagement sowie der erfolgreichen Akkreditierung gezeigt, dass sie den Anforderungen eines modernen Hochschulsystems nicht nur gerecht wird, sondern aktiv zu dessen Weiterentwicklung beiträgt.
Im Jubiläumsjahr wird damit sichtbar: Die Geschichte der HWZ ist eine Geschichte der kontinuierlichen Anpassung – getragen von einer klaren Haltung. Eine Hochschule, die Veränderungen nicht nur nachvollzieht, sondern sie bewusst nutzt, um ihre Rolle im Bildungs- und Wirtschaftssystem der Schweiz immer wieder neu zu definieren.
FAQ
Bundesgesetz von 1995 zur Einführung von Fachhochschulen.
Internationale Vergleichbarkeit und wirtschaftlicher Bedarf.
Ausbau zur Hochschule mit erweitertem Leistungsauftrag.
Nachfolgegesetz (2015) zur Koordination und Qualitätssicherung.
