Wie sich die Forschungsabteilung an der HWZ entwickelt hat
Seit über 20 Jahren verbindet die Forschung an der HWZ wissenschaftliche Qualität mit konkretem Nutzen für die Praxis. Was 2003 mit dem Aufbau einer Forschungsabteilung begann, hat sich zu einem wichtigen Pfeiler der Hochschule entwickelt. Sybille Sachs, Claude Meier und Tiziana Gaito haben diese Entwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven geprägt und blicken zurück sowie nach vorne.
40 Jahre HWZ · 30. Juni 2026
Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.
Als die HWZ Anfang der 2000er-Jahre ihre erste Akkreditierung durchlief, erhielt sie einen klaren Auftrag: Forschung aufbauen. Für Prof. Dr. Sybille Sachs war dies der Beginn eines Projekts, das die Hochschule bis heute prägt.
Die Ausgangslage war besonders. An einer Hochschule, die bereits stark unternehmerisch und praxisorientiert dachte, sollte eine Forschungsabteilung entstehen, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt und gleichzeitig einen konkreten Nutzen für Unternehmen schafft.
Forschung als Start-up innerhalb der Hochschule
Gemeinsam mit ihren Doktorierenden startete Sybille Sachs die ersten Forschungsprojekte. Im Zentrum standen Fragestellungen aus den Bereichen Banking, Finance und Telekommunikation sowie die Frage, wie Unternehmen ihre Stakeholder erfolgreich in Geschäftsmodelle integrieren können. Die Erkenntnisse fanden nicht nur ihren Weg in Unternehmen, sondern wurden auch international publiziert.
Diese einzigartige Situation, angewandte Forschung im Bereich Management wie bei einem Start-up aufzubauen, hat mich gereizt.
Für Sachs war von Anfang an klar, dass Forschung mehr leisten muss als wissenschaftliche Erkenntnisse zu generieren. Ergebnisse sollten Organisationen dabei helfen, konkrete Herausforderungen zu lösen. Dieses Verständnis prägt die Forschung an der HWZ bis heute.
Die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und praktischer Relevanz war allerdings kein Selbstläufer. Es galt, internationale wissenschaftliche Standards einzuhalten und gleichzeitig anwendungsorientierte Resultate zu liefern. Ein starkes Netzwerk in Wissenschaft und Wirtschaft wurde dabei zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.
Über die Jahre entstand so eine Forschungskultur, die eng mit der DNA der HWZ verbunden ist. Viele ehemalige Doktorierende übernahmen später selbst Verantwortung innerhalb der Hochschule oder in Unternehmen und trugen dazu bei, das Netzwerk weiter auszubauen.
Forschung wächst über das Institut hinaus
Als Claude Meier 2008 zur HWZ kam, war die Forschung noch stark im Institut für Strategisches Management verankert. Das Team bestand aus wenigen Forschenden und Doktorierenden, die an verschiedenen Universitäten promovierten und ihre Forschung an der HWZ vorantrieben.
Die Forschungsarbeit war engagiert und wissenschaftlich breit abgestützt. Gleichzeitig war sie innerhalb der Hochschule noch relativ isoliert. Mit der Zeit wurde deutlich, dass Forschung stärker in die gesamte Organisation getragen werden musste.
Ein wichtiger Wendepunkt folgte im Rahmen der institutionellen Weiterentwicklung der HWZ rund um die Akkreditierung 2018. Die neu geschaffene Fachstelle für Wissenschaftsmethodik – später das Center for Research & Methods – erhielt den Auftrag, Forschung in weitere Departemente zu bringen.
Forschungsinteressierte Dozierende und Mitarbeitende wurden bei der Entwicklung eigener Projekte unterstützt. Anschubfinanzierungen, Beratungen und ein neu geschaffener Forschungsrat sorgten dafür, dass Forschung schrittweise breiter verankert wurde.
Die Forschung gelangte durch die Beteiligung verschiedener Dozierender und Mitarbeitender viel stärker ins organisationale Bewusstsein.
Mit dieser Öffnung veränderte sich die Forschung an der HWZ grundlegend. Neue Themenfelder entstanden, weitere Departemente wurden aktiv und die Hochschule baute ihre Kompetenzen im Bereich der angewandten Forschung kontinuierlich aus.
Parallel dazu gewann das Center for Research & Methods selbst wertvolle Erfahrungen in praxisnahen Forschungsprojekten. Durch Kooperationen mit Unternehmen, Hochschulen und Förderinstitutionen entstanden neue Netzwerke und Kompetenzen, von denen die HWZ bis heute profitiert.
Praxisnähe als wissenschaftlicher Anspruch
Während viele Hochschulen ihre Forschungsleistung primär an wissenschaftlichen Publikationen messen, verfolgt die HWZ einen anderen Ansatz.
Die Forschung orientiert sich konsequent an Fragestellungen aus Unternehmen und Organisationen. Wissenschaftliche Methoden werden dabei als Werkzeug verstanden, um reale Herausforderungen zu analysieren und Lösungen zu entwickeln.
Diese Haltung zeigt sich auch in grösseren Forschungsprojekten, die gemeinsam mit Unternehmen, Hochschulen und Förderpartnern durchgeführt werden. Die Ergebnisse fliessen sowohl in wissenschaftliche Publikationen als auch direkt in die Praxis zurück.
Dadurch entsteht ein Kreislauf, der für Fachhochschulen zentral ist: Neues Wissen wird geschaffen, in Unternehmen angewendet und gleichzeitig in die Lehre integriert.
Eine neue Generation von Forschenden
Wie sich die Forschung an der HWZ weiterentwickelt hat, zeigt auch der Werdegang von Tiziana Gaito. 2019 begann sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Forschungsprojekten mitzuwirken. Zunächst standen Interviews, Datenauswertungen und die Aufbereitung von Forschungsergebnissen im Zentrum. Mit der Zeit übernahm sie mehr Verantwortung, entwickelte eigene Studien und leitete Forschungsprojekte.
Heute verbindet sie Forschung mit strategischen Themen der Hochschulentwicklung, wie zum Beispiel im Bereich der nachhaltigen Transformation. Was sie an der HWZ besonders schätzt, ist die Nähe zur Praxis.
Forschung soll nicht nur wissenschaftlich fundiert sein, sondern auch einen konkreten Nutzen für Unternehmen und andere Organisationen schaffen.
Inhaltlich haben sich die Schwerpunkte der Forschung in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Im Fokus steht die Frage, wie Organisationen sich in Zeiten zunehmender Unsicherheit und Veränderung anpassungsfähig aufstellen und langfristig handlungs- und zukunftsfähig bleiben. Damit verbunden gewinnen Themen wie Transformation, Führung in unsicheren Zeiten, nachhaltige Organisationsentwicklung und die Einbindung unterschiedlicher Stakeholder weiterhin an Bedeutung.
Aktuelle Projekte beschäftigen sich beispielsweise mit der Frage, wie Achtsamkeit Führungskräfte in komplexen Entscheidungssituationen unterstützen kann oder wie nachhaltige Veränderungen in Unternehmen gelingen. Gemeinsam mit Partnerhochschulen und internationalen Organisationen untersucht die HWZ dabei, welche Faktoren erfolgreiche Transformation ermöglichen.
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Forschung als strategischer Pfeiler der Zukunft
Mit der Schaffung der Forschungskoordination im Jahr 2026 richtet die HWZ ihre Forschung konsequent auf die Zukunft aus.
Ziel ist es, Forschung noch stärker in den Departementen zu verankern und Forschenden attraktive Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Das Center for Research & Methods übernimmt dabei eine koordinierende und unterstützende Rolle. Es stellt Methodenkompetenz, Infrastruktur und Beratung bereit und begleitet den Aufbau von Forschungsteams in den verschiedenen Fachbereichen.
Die Forschung erhält damit innerhalb der Hochschulstrategie ein noch grösseres Gewicht. Sie trägt nicht nur zur Wissensentwicklung bei, sondern stärkt auch die Verbindung zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft. Neue Erkenntnisse fliessen direkt in die Lehre ein und schaffen einen Mehrwert für Studierende, Unternehmen und Partnerorganisationen.
