23. März 2026 · Testimonial

Innovation aus dem CAS: Thierry Berger entwickelt den Level Up Pass für Padel

Was als spontanes Praxisprojekt im CAS Marketingstrategie begann, entwickelte sich für Thierry Berger zu einer echten Erfolgsgeschichte: Heute verantwortet er bei Padel District nicht nur die Umsetzung seiner eigenen Marketingstrategie, sondern hat mit dem «Level Up Pass» ein Produkt geschaffen, das weit über den Club hinaus Beach-tung findet. Im Interview spricht er darüber, warum Strategie erst in der Realität ent-steht, und weshalb die Verbindung von Studium und Praxis für ihn der Schlüssel zu echter Innovation ist.

Dein Projekt im CAS Marketingstrategie ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Theorie in der Praxis Anwendung findet. So hast du für Padel District, einen noch jungen Padel-Club, eine Marketingstrategie entwickelt, die du in einer nebenberuflichen Rolle umsetzen darfst. Wie läuft die Implementierung und wo zeigen sich Unterschiede zwischen strategischer Theorie und operativer Realität?

Die Marketingstrategie entstand aus einem spontanen Zufall: Ich war mit Freunden an der Eröffnung der ersten Padel District Halle in Pfäffikon und ich war sofort fasziniert von der weltweit am schnellsten wachsenden Sportart. Kurz darauf brauchte ich im CAS Marketingstrategie HWZ ein Praxisprojekt. Also habe ich mein Glück versucht und den Gründern geschrieben. Wir kannten uns nicht und meine Anfrage war direkt: Ich entwickle eine Marketingstrategie und bekomme im Gegenzug Spielguthaben. Die Strategie kam schlussendlich so gut an, dass daraus eine nebenberufliche Rolle entstand, die ich bis heute ausübe.

Als wir begonnen haben, einzelne Ideen aus der Strategie im Club zu prüfen, wurde der Unterschied zwischen Theorie und Praxis schnell sichtbar. Ich hatte zum Beispiel vorgeschlagen, einen Co-Working-Space in der Halle zu integrieren, damit Leute zuerst ein Meeting halten und danach gemeinsam Padel spielen. Auf dem Papier klang das plausibel. In einer Umfrage innerhalb unserer Community zeigte sich jedoch schnell, dass das Interesse dafür praktisch nicht vorhanden war. Das Projekt wurde deshalb gar nicht erst umgesetzt.

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Strategie kein fertiger Plan ist. Sie funktioniert nur, wenn man sie laufend mit der Realität abgleicht und bereit ist, Ideen auch wieder zu verwerfen.

Im CAS AI-powered Customer Experience Management ist dann die Idee zum Level Up Pass entstanden, wofür du als Klassenbester ausgezeichnet wurdest. Wie kam es zu dieser Idee und was macht den Level Up Pass aus deiner Sicht so innovativ?

Die Idee entstand aus einer Beobachtung im Cluballtag. Gerade im Sommer bleiben in einer Halle tagsüber einige Courts frei, weil bei schönem Wetter auch der See oder die Badi lockt. Gleichzeitig stellte ich fest, dass viele Spielende während den Sommerferien mehr Zeit zur Verfügung hatten und mehr wollten als einfach nur einen Court zu buchen.

Der Level Up Pass verbindet diese beiden Seiten. Für 99 Tage erhalten die Spielenden für CHF 99 zusätzliche Vorteile. Unter der Woche können sie vor 17 Uhr kostenlos spielen und sammeln gleichzeitig Punkte für ihre Matches. Daraus entsteht ein Levelsystem vom Rookie bis zur Legende, das Fortschritt sichtbar macht und zusätzliche Anreize schafft.

Innovativ ist dabei nicht nur das Konzept, sondern auch die technische Umsetzung. Über die API-Schnittstelle der Buchungsplattform habe ich die Spiel- und Buchungsdaten der Pass-Besitzer gezogen und ein eigenes Logiksystem entwickelt, das automatisch Punkte berechnet und eine Rangliste erstellt.

Vor dem Start hatten wir eine Promotionswoche. Ich war überzeugt, dass die meisten Interessierten ihren Pass in dieser Phase kaufen würden. Tatsächlich passierte aber das Gegenteil. Der grösste Teil der Verkäufe kam erst, als der Pass bereits lief. Das hat mir gezeigt, dass sich das Erlebnis im Club sehr schnell herumgesprochen hat. Mehrere Spielende haben mir danach geschrieben und sich bedankt, weil sie über den Pass neue Spielpartner:innen gefunden, häufiger gespielt und sich über die Level-Belohnungen gefreut haben. Viele tragen heute noch den Level Up Pass Hoodie und identifizieren sich stark mit dem Club.

Du sagst, der Level Up Pass hebt Padel District klar vom Markt ab und wurde sogar vom Schweizer Padelverband anerkannt. Welche Lücke schliesst das Produkt und warum funktioniert es so gut?

Viele Angebote im Sportbereich funktionieren entweder über klassische Abos oder über kurzfristige Rabattaktionen. Der Level Up Pass verfolgt einen anderen Ansatz: Er verbindet das, was der Club braucht, mit dem, was die Community wirklich möchte.

Das Punktesystem hilft uns dabei, die Nachfrage gezielt zu steuern. Bonuspunkte motivieren zum Beispiel dazu, früh morgens oder spät abends zu spielen, unter der Woche tagsüber auf den Court zu gehen, Trainings zu besuchen, neue Spielpartner:innen kennenzulernen oder beide Standorte zu nutzen. Jede Person levelt dabei für sich. Dadurch entsteht weniger ein klassischer Wettbewerb zwischen einzelnen Spielenden, sondern eine Community, die sich gegenseitig motiviert und gemeinsam besser wird.

Dass dieses Konzept auch ausserhalb des Clubs wahrgenommen wurde, hat mich besonders gefreut. Der Schweizer Padelverband SUIPA hat den Level Up Pass als Innovation in seinem Newsletter vorgestellt.

Was bedeutet dir diese Innovation persönlich, und wie hat dein privates Umfeld auf deine Idee reagiert?

Für mich zeigt der Level Up Pass vor allem, wie stark Ideen werden können, wenn man sie gemeinsam mit der Community entwickelt. Viele Elemente sind nicht am Schreibtisch entstanden, sondern aus Gesprächen im Club und aus dem Feedback unserer Spielerinnen und Spieler.

Am schönsten ist der Moment, wenn man merkt, dass ein Konzept im Alltag wirklich funktioniert. Wenn Spieler ihre Punkte vergleichen oder auf das nächste Level hinarbeiten, sieht man sofort, dass die Idee lebt.

Mein privates Umfeld hat das Projekt von Anfang an mit Interesse verfolgt. Einige Freunde besitzen inzwischen selbst einen Level Up Pass und sind Teil der Community geworden.

In deinem LinkedIn-Beitrag von vergangenem Herbst hast du eine Winter-Edition des Level Up Pass angekündigt. Verrätst du uns, wie es dir damit ergangen ist?

Sehr gut! An der ersten Durchführung im Sommer nahmen 98 Personen teil. Die Winter Edition kam bereits auf 214 Teilnehmende. Das hat uns gezeigt, dass sich das Konzept sehr schnell in der Community verbreitet hat.

Insgesamt wurden über den Winter-Pass mehr als 17’000 Punkte gesammelt und über 5’900 Stunden gespielt. Zum Vergleich: Während der ersten Durchführung im Sommer waren es 7'758 Punkte sowie 3'005 Spielstunden. Solche Entwicklungen entstehen nicht aus einem Konzept, sondern aus der Community selbst.

Nach deinem Bachelor in Business Communications bist du für den MAS Marketing Excellence an die HWZ zurückgekehrt. Was hat dich motiviert, deinen Weg an der HWZ weiterzugehen und nochmals vertieft ins Marketing einzutauchen?

Nach dem Bachelor Business Communications HWZ hatte ich das Gefühl, dass ich viele Dinge im Berufsalltag bereits intuitiv mache. Ich wollte aber auch die Mechanismen dahinter besser verstehen: Warum funktionieren gewisse Ideen, während andere keine Wirkung entfalten?

Der MAS Marketing Excellence HWZ hat mir die Möglichkeit gegeben, genau diese Fragen direkt bei Padel District weiterzuverfolgen. Viele Inhalte konnte ich sofort im Club testen und weiterentwickeln. Genau diese Verbindung aus Theorie und realer Anwendung hat mich motiviert, meinen Weg an der HWZ weiterzugehen.

In deiner Master Thesis knüpfst du am gelernten Wissen an und untersuchst datenbasierte Preisimpulse zur besseren Auslastung von Randzeiten mit Hilfe eines KI-automatisierten Piloten. Was sind deine zentralen Erkenntnisse aus deiner Arbeit?

Ich habe untersucht, wie man kurzfristig freie Court-Slots besser nutzen kann, um Auslastung, Umsatz und Reingewinn gleichzeitig zu steigern. Die Arbeit testet deshalb sogenannte Flashcourts: Kurzfristig freie Slots erscheinen weniger als 24 Stunden vor Spielbeginn mit einem moderaten Rabatt und bewusst nur ausserhalb der Prime Time.

Die Analyse zeigt mehrere interessante Effekte: Es entsteht zusätzliche Nachfrage durch spontane Spielende, während Personen, die Planungssicherheit möchten, weiterhin früh buchen. Gleichzeitig bleibt der Referenzpreis stabil, weil die Prime Time vom Angebot ausgenommen ist.

Du betonst, dass KI keine Kreativität ersetzt, sondern sie verstärkt – sofern KI richtig eingesetzt wird. Wo hast du in deinen Projekten konkret erlebt, dass KI Kreativität verstärkt?

Ich nutze KI als Sparringspartner. Je nach Aufgabe arbeite ich mit unterschiedlichen Tools. Manche helfen mir, Inhalte schneller zu durchdringen, andere unterstützen mich beim Programmieren oder bei der Analyse von Daten. Die kreative Idee entsteht weiterhin beim Menschen. KI hilft vor allem dabei, eine Idee aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und mögliche Lösungen weiterzudenken.

Beim Level Up Pass habe ich KI zum Beispiel genutzt, um verschiedene Logiken für das Punktesystem zu entwickeln und zu überlegen, welche Anreize Spielende tatsächlich motivieren könnten. Daraus sind Varianten entstanden, auf die ich allein vielleicht nicht sofort gekommen wäre.

Auch bei meiner Master Thesis hat KI eine Rolle gespielt. Sie hat mir geholfen, grössere Datenmengen aus dem Buchungssystem zu analysieren und Muster im Buchungsverhalten sichtbar zu machen.

Du hast mehrfach gezeigt, wie du Studieninhalte direkt in marktfähige Lösungen übersetzt. Was macht die HWZ für dich zu einem Ort, an dem solche Innovation entstehen kann?

Für mich war entscheidend, dass ich viele Inhalte direkt in der Praxis anwenden konnte. Die Projekte aus dem Studium blieben nicht auf dem Papier, sondern wurden bei Padel District zu echten Experimenten.

Im CAS Marketingstrategie HWZ entstand die strategische Grundlage für die Weiterentwicklung des Clubs. Der Level Up Pass entwickelte sich im CAS AI powered Customer Experience Management HWZ und meine Master Thesis testet heute eine reale Preisintervention im laufenden Betrieb. Diese Verbindung macht den Unterschied. Ideen werden nicht nur diskutiert, sondern tatsächlich ausprobiert. Genau diese Möglichkeit hat die HWZ für mich zu einem Ort gemacht, an dem Innovation entstehen kann.

Wenn man deinen Weg anschaut, fällt auf, dass du Chancen aktiv suchst und nutzt. Was treibt dich persönlich an und welchen Rat würdest du Studierenden geben, die Theorie stärker mit Praxis verbinden möchten?

Mich treibt vor allem die Lust an, Dinge nicht nur zu verstehen, sondern mitzugestalten. Viele Ideen wären nie entstanden, wenn sie nur im Studium geblieben wären.

Mein Rat an Studierende ist deshalb, sich reale Kontexte zu suchen, in denen ihre Ideen Reibung bekommen. Und mein Rat an Arbeitgeber ist, solche Reibung zuzulassen. Denn Innovation entsteht selten dort, wo alles sauber geplant ist, sondern dort, wo Menschen etwas weiterdenken dürfen.