Portrait Marc Holitscher

Aktuell22. April 2021

Datenschutz wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil

Welche Folge hat der exponentielle Zuwachs an Daten? Müssen bestehende Gesetze im Hinblick darauf modernisiert werden? Und was hat es mit der sogenannten Datenangst auf sich? Marc Holitscher, National Technology Officer und Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Schweiz sowie Studiengangsleiter CAS Datenschutz & Datensicherheit, geht diesen Fragen im Gastbeitrag auf den Grund und gibt im Video einen noch tieferen Einblick in die Thematik.

Die Datenwirtschaft wächst

Die enorme Bedeutung der entstehenden Datenwirtschaft wird heute allgemein anerkannt. Daten sind eine wichtige Basis für wirtschaftlichen Erfolg, gesellschaftliche Wohlfahrt und wissenschaftlichen Fortschritt. Die Veränderungen, welche jetzt vor uns stehen, werden viel tiefgreifender und weitreichender sein als das, was man gemeinhin unter dem Label der Digitalisierung versteht.

Provokativ gesagt: Bisher haben wir digitalisiert, was wir sowieso schon gemacht haben.

Eine Folge davon ist der exponentielle Zuwachs an Daten. Nun geht es um die Verknüpfung dieser Daten, das Gewinnen von neuen Erkenntnissen, besseren Entscheidungen. Daten entfalten ihre Gestaltungskraft erst, wenn man sie verbindet und in einem bestimmten Kontext interpretiert. Nur so entsteht Innovation. Und genau das ist heute aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten in einem nie da gewesenen Umfang möglich.

Dazu kommt, dass Daten als digitale Ressourcen über die Eigenschaft verfügen, sich nicht zu verbrauchen. Daten können theoretisch unendlich geteilt werden und dies zu vernachlässigbaren Kosten.

Von Datenschutz und Datensicherheit

Damit die enormen Möglichkeiten der Datenwirtschaft adressiert werden können, müssen gewisse Voraussetzungen gegeben sein. Wie immer gilt es die Rechte und Pflichten verschiedener Anspruchsgruppen abzuwägen. Die Unternehmen, welche in die Schaffung von geistigem Eigentum investieren, versus den Umstand, dass der allgemeine Wohlfahrtseffekt am grössten ist, wenn Daten frei zugänglich sind. Oder die Tatsache, dass Genauigkeit von Datenmodellen zunimmt, je mehr Daten verarbeitet werden versus dem berechtigten Bedürfnis nach Schutz der persönlichen Daten. Wir brauchen Rechtssicherheit respektive die Modernisierung von bestehenden Gesetzen, denn kooperative Datennutzungsmodelle werfen komplexe Fragen zum Wettbewerbsrecht und zur Haftung auf. Die Themenstellungen sind enorm facettenreich.

Unter dem Strich kann eine prosperierende Datenwirtschaft nur funktionieren, wenn digitale Innovation und Wertschöpfung aus Daten ermöglicht, gleichzeitig aber unsere Werte, Interesse und Grundrechte geschützt werden. Dazu braucht es eine Datenstrategie – oder besser gesagt Datenstrategien. Auf Ebene der Unternehmen, auf Ebene Regierung und Verwaltung, insbesondere auf nationaler Ebene.

Der Anfang eines neuen Datenzeitalters

Eine zentrale Rolle spielt dabei die zeitgemässe Auslegung des Datenschutzes im Rahmen ganzheitlicher Risikobeurteilungen: Der Datenschutz wird zum Innovationsfaktor, wenn er die bestehen Anforderungen im Kontext der technischen Gestaltungsoptionen und deren Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft lösungsorientiert interpretiert. Dies soll verantwortungsvoll und keinesfalls auf Kosten von nicht verhandelbaren Werten wie Transparenz, Sicherheit oder dem Schutz der Privatsphäre geschehen.

Dafür ist eine interdisziplinäre Herangehensweise entscheidend: Aspekte der Technologiefolgenabschätzung müssen mit wirtschaftlichen, rechtlichen und sogar ethischen Überlegungen kombiniert werden. Erst dann kann datenbasierte Wertschöpfung faktenorientiert bewertet und verantwortungsvoll umgesetzt werden. Diese Herangehensweise tritt auch dem Umstand entgegen, dass heute eine gewisse Datenangst weit verbreitet ist. «Darf man nicht!», «Aufpassen!» und Ähnliches sind viel gehörte Mahnrufe, wenn man sich mit datengestützter Innovation beschäftigt. Das muss nicht sein, insbesondere wenn sich Unternehmen im Umgang mit Daten technisch kompetent, rechtlich korrekt und gesellschaftlich verantwortungsvoll verhalten. Im Gegenteil: Datenschutz – gesetzeskonform und innovationsfreundlich umgesetzt – wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Dies umso mehr, als dass wir uns erst ganz am Anfang des neuen Datenzeitalters befinden.

Marc Holitscher stellt sich und seine Funktion bei Microsoft Schweiz in der Video-Serie «Sparx» von Trivadis vor und erklärt, weshalb wir ein gemeinsames Verständnis für die Nutzung von Technologien entwickeln müssen. 

Portrait Marc Holitscher

Dr. Marc Holitscher

Studiengangsleiter

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