Rino Borini Studiengangsleiter CAS Digital Finance

Im Fokus18. Juni 2019

Finanzielle Unabhängigkeit dank Digitalisierung einfacher

#MakeBankingSexy fordert Rino Borini. Oftmals zu sperrig, zu papierlastig und zu wenig auf Kundenbedürfnisse und -nutzen ausgerichtet – so sind viele Geldinstitute noch unterwegs. Dank der Digitalisierung wird es einfacher und auch vormals exklusive Dienstleistungen werden zugänglicher. Keine Ausreden mehr, sich nicht mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen.

Dein Motto für 2019 lautet #MakeBankingSexy. Was meinst du damit?

Gegenfrage: Wie hat sich dein Konsumverhalten verändert, seit dem du ein Smartphone besitzt? Wahrscheinlich buchst du deinen Flug rasch über dein Handy, bestellst bei Zalando und überlegst dir, ob das neue Auto bei Galaxus gemietet oder gekauft werden soll.

Versuche nun ein Säule 3a-Vorsorgekonto bei einer Bank zu eröffnen. Übrigens, Vorsorge ist ein extrem wichtiges Thema, das sagen auch die Banken. Ein langer, papierlastiger Prozess, der für einige nicht ganz verständlich ist, erwartet dich. Das muss besser werden.  Die Finanzbranche muss aus ihrer Trägheit erwachen, sich der neuen Realität stellen und sich konsequent an den heutigen Kundenerwartungen und -bedürfnissen ausrichten – Kunden verstehen und deren Probleme lösen! Damit Banken künftig nicht unsichtbar werden, müssen sie «sexy» werden, denn Fremdanbieter wie Google & Co sowie unzählige Startups betreiben auch Banking. Moderne Kunden erwartet einfaches, transparentes, 24/7 Banking und problemlösungsorienterte Produkte und Dienstleistungen.

Warum sollten sich alle mit ihren Finanzen auseinander setzen?

Wir treiben Sport, gehen zum Yoga oder achten uns auf die Ernährung, weil wir gesund bleiben wollen. Wir sollten aber auch finanziell fit bleiben wollen: Eine Famile kostet Geld. Der Schritt in die Selbständigkeit braucht Erspartes. Seine eigenen vier Wände zu besitzen, braucht Eigenkapital. Im Alter den Lebensstandard beibehalten, bedarf frühzeitiger Vorsorge. Sein Geld einfach auf dem Konto brachliegen zu lassen, ist ein sicheres Verlustgeschäft: Banken erheben Gebühren, die Zinsen sind bei Null und die Teuerung frisst am Wert. Das Problem der Menschen ist, dass sie den heutigen Nutzen höher bewerten als einen abstrakten Nutzen in der Zukunft. Hier kommt auch der Zinseszins-Effekt zum Tragen.

Weshalb ist er wichtig und wird gemäss dir unterschätzt?

Wir denken linear und nicht exponentiell. Die meisten Menschen sind überrascht, wie stark der Zinseszins wirkt. Ein einfaches Beispiel: Wenn du zehn Jahre lang jedes Jahr 5000 Franken auf ein Wertpapier-Depot einzahlst, das im Schnitt fünf Prozent Rendite abwirft, wie viel Geld hast du dann nach zehn Jahren? Einbezahlt hast du 50’000 Franken und zusätzlich hast du knapp 13’000 Franken Zins und Zinseszins. Das ist doch ein schöner Batzen.

Für viele ist der Finanzmarkt etwas abschreckend, weil unübersichtlich. Was schafft hier Abhilfe?

Es gilt, dass man sich damit auseinandersetzt. Wie bei einem Autokauf. Das ist auch nicht trivial und der Markt ist unübersichtlich: Dutzende Anbieter mit noch mehr Modellreihen und verschiedenen Antriebssystemen. Von den Ausstattungsmöglichkeiten fange ich jetzt gar nicht an zu reden. Dennoch beschäftigt man sich mit dem Kauf eines Autos intensiv, weil man ja schliesslich keinen Kaugummi kauft, sondern eine grössere Investition tätigt! Genau so ist es bei der Geldanlage. Wer sich damit nicht auseinandersetzt, muss sich nicht beklagen, dass gewisse Lebensziele nicht zu finanzieren sind. Klar, die Banken machen es auch nicht immer einfach und sind noch zu kompliziert. Aber es gibt Google und Social Media.

Ganz wichtig zu wissen: Auch mit wenig Vermögen kannst du heute auf beinahe alle Dienstleistungen zugreifen, die früher vermögenden Menschen vorbehalten waren. Dank der Digitalisierung sehen wir gerade, wie die Finanzwelt demokratisiert wird.

An der Veranstaltung HWZ Empowers hast du die Breakout-Session «Anlegen für die Zukunft: Investiere in dich!» geleitet. Was hast du den Teilnehmerinnen auf den Weg gegeben?

Nehmt eure Geldfragen selber in die Hand. Seid mutig, seit vor allem kritisch.«Frau» darf ihren Bankberater «challengen» und wenn der Service nicht überzeugt, dann darf «Frau» auch das Institut wechseln. Ich gehe ja auch kein zweites Mal in ein Lokal, welches mich beim ersten Mal nicht überzeugte.

Was nimmst du von der Veranstaltung mit?

Ich war mega positiv überrascht. Ich hatte zu Beginn die Befürchtung, dass ich mit einem vermeintlich stinklangweiligen Thema, kaum Frauen in meine Breakout-Session bekomme. Das pure Gegenteil ist geschehen. Mein Raum war zweimal zum Bersten voll. Wir haben gemeinsam das Thema Geldanlage mit Hilfe von digitalen Möglichkeiten erarbeitet und es hat mächtig Spass gemacht. Die geführten Diskussionen waren auf einem hohen Level. I like!  Mein Fazit: Ich stelle fest, dass viele Finanzinstitute die Frauen nicht abholen können. Hier muss die Branche über die Bücher. Frauen werden in der Geldanlage nämlich unterschätzt und meines Erachtens nicht richtig abgeholt! Einfach ein Beratungsdesk anzubieten, explizit für Frauen, das reicht nicht!

Zur Person: Rino Borini

Portrait Borini RinoRino Borini leitet an der HWZ den Studiengang CAS Digital Finance. Er ist Co-Gründer und CEO der financialmedia AG, einem unabhängigen Medienhaus in Zürich. Das Unternehmen hat in seiner jungen Geschichte diverse Pionierrollen eingenommen. So hat Borini mit seinem Team schon 2007 die erste und schweizweit führende Infoplattform für Exchange Traded Funds (ETF) und entsprechende Anlegerveranstaltungen ins Leben gerufen. Ebenso hat Borini im 2012 erkannt, dass die Digitalisierung das Banking umkrempeln wird und die Finance 2.0 Konferenz mitinitiiert. Inzwischen trifft sich auf dieser Konferenz das Who-is-Who der Fintech Branche und Borini ist einer der führenden Köpfe der Schweizer Finanz 2.0-Szene. Vor der Gründung des Unternehmens war Borini als Managing Partner beim Medien- und Researchhaus Derivative Partner tätig. Er war massgeblich für den Aufbau des Unternehmens verantwortlich. Sein breites und tiefes Wissen über die Finanzmärkte und – produkte eignete sich der Certified International Investment Analyst (CIIA) während mehrerer Jahre in diversen Banken an. Bei der UBS AG war Borini im Risk Management Consulting tätig und beriet Kunden im Bereich von festverzinslichen Derivaten. Anschliessend wechselte er als Mitglied des Kaders zur Basler Kantonalbank und war mitverantwortlich für die Bilanzsteuerung. Seine letzte Bankenstation war die Aargauische Kantonalbank.

Aline Theiler

Leiterin Kommunikation a. i.

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