Ethikpreis 2017 – Katholische Kirche Kanton Zürich

Im Fokus03. Juli 2018

Ausgezeichnet: Claudia Züger gewinnt Ethikpreis

Claudia Züger gewinnt mit ihrer Bachelor-Thesis einen Ethikpreis der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Eingereicht hat sie ihre Abschlussarbeit «Der Umgang mit Leserkommentaren als ethische Herausforderung für den Online-Journalismus». Wir haben die glückliche Preisträgerin interviewt.

Claudia Züger

Claudia Züger

Claudia Züger studierte Business Communications an der HWZ und schloss 2016 ihr Bachelorstudium erfolgreich ab. Vergangene Woche wurde ihre Bachelor-Thesis von der Ethikkommission der Katholischen Kirche im Kanton Zürich im Zürcher Rathaus prämiert.

Prof. Alberto Bondolfi hob dabei in seiner Rede hervor, dass die ethischen Fragen nicht mit Moralismus, sondern mit wissenschaftlicher Distanz beantwortet werden, wie die Katholische Kirche in ihrer Meldung schreibt.

Herzlichen Glückwunsch! Ausgezeichnet wurde Ihre Bachelor-Thesis «Der Umgang mit Leserkommentaren als ethische Herausforderung für den Online-Journalismus». Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Online-Kommentarspalten gehören seit einiger Zeit zum Webstandard der Newsportale. Damit wollen die Redaktionen ihren Lesern nach eigener Angabe eine Stimme verleihen, mit ihnen interagieren und eine Plattform für Austausch, Dialog und Meinungsbildung bieten. Bei der Lektüre der Beiträge fällt jedoch auf, dass sie dieses Ziel oft verfehlen: Es wird nicht selten verbale Prügel ausgeteilt, undifferenziert verurteilt und beleidigt. Das beschäftigte mich und die Auseinandersetzung damit schien mir sehr spannend. Mich interessierte unter anderem, welche Rolle dabei den Online-Portalen zukommt. Inwieweit sie mitverantwortlich sind, für die Inhalte, die sie publizieren und wie sie zukünftig mit dem Trend der Leserpartizipation und ihren Schattenseiten umgehen möchten.

Was ist das Fazit Ihrer Abschlussarbeit?

Ein Drittel der untersuchten Online-Kommentare genügte den berufsethischen Anforderungen nicht. Unter anderem wurde entgegen den Vorgaben des Presserates gegen die Klarnamenpflicht und gegen das Diskriminierungsverbot verstossen. Aber auch ungerechtfertigte Anschuldigungen, Falschaussagen und ehrverletzende Äusserungen prägten die Kommentarspalten. Der Austausch zwischen Lesern und Redaktion gelang nur sehr begrenzt. Die Beiträge der Leser waren vorwiegend meinungsbetont und subjektiv, selten objektiv, sachlich und mit Argumenten gestützt. Die Newsportale wurden von der rasanten Entwicklung in dem Bereich überrollt und waren erst dabei, neue Strategien für den Umgang mit den vielen Leserkommentaren zu entwickeln. Durch das grosse Bedürfnis seitens Leser, ihre Meinung kundzutun, war dies aber vor dem Hintergrund der knappen Ressourcen der Redaktionen eine grosse Herausforderung.

Der digitale Wandel ist fortlaufend und schnell. Würden Sie heute noch zum selben Fazit kommen oder hat sich die Sachlage bereits verändert?

Als ich meine Arbeit geschrieben habe, war das Thema relativ neu. Zwischenzeitlich wurde die Thematik breit diskutiert und auch von den Medien aufgenommen. Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Kommentarspalten den Lesern nicht einfach überlassen werden können und Strategien für den Umgang erforderlich sind. Verschiedene Medien haben konkrete Massnahmen ergriffen. Inwieweit diese greifen, kann ich nicht beurteilen.

Was führte dazu, dass Sie Ihre Arbeit für den Ethikpreis eingereicht haben?

Laurence Polfer von der Fachstelle Wissenschaftsmethodik der HWZ hat mich auf die Ausschreibung aufmerksam gemacht. Da ich viel Zeit, Herzblut und Energie in die Arbeit investierte, wollte ich mein Glück versuchen. Nicht zuletzt um die Arbeit nicht einfach im Bücherregal verstauben zu lassen.

Welchen Stellenwert hat Ethik in Ihrem Alltag?

Ich möchte mit meinen Mitmenschen, mit meiner Umwelt und nicht zuletzt mit mir verantwortungsvoll umgehen. Eine schwierige Aufgabe, die natürlich nicht immer gelingt. Oft stellen sich im Alltag komplexe Fragen, die nicht eindeutig zu beantworten sind. Meines Erachtens ist es aber gerade deshalb wichtig, sich ab und zu die Zeit zu nehmen, über geltende Werte und Normen nachzudenken, sie zu hinterfragen, eigene Handlungen und Entscheidungen zu reflektieren.

Verraten Sie uns, was Sie mit dem Preisgeld machen?

Ich gönne mir eine kleine Auszeit, werde nach der Preisverleihung abreisen und den Juli in Italien verbringen. Den Rest investiere ich wohl in die nächste Weiterbildung.

Erzählen Sie uns von Ihrem Werdegang.

Nach meiner Berufslehre zur kaufmännischen Angestellten habe ich einige Jahre auf dem Beruf gearbeitet. Menschen, Organisationen und Kommunikation –  in all ihren unterschiedlichen Facetten – haben mich dabei stets fasziniert. Das hat mich dazu bewogen, Business Communications zu studieren. Während meines Studiums durfte ich als Projektleiterin an der FHS St. Gallen gemeinsam mit dem Zentrumsleiter dabei mitwirken, das Zentrum für Ethik und Nachhaltigkeit aufzubauen. Danach habe ich mich entschieden, eine neue Welt kennenzulernen. In der Unternehmenskommunikation der Notenstein La Roche Privatbank durfte ich in einem dynamischen und interessanten Umfeld wertvolle Erfahrungen sammeln. Im August führt mich mein Weg nun wieder an die FHS zurück, wo ich als Assistenz des Rektors verschiedene Kommunikationsaufgaben wahrnehmen und diverse Hochschuldossiers übernehmen darf.

Warum hätten Sie das HWZ-Studium nicht missen wollen?

Wegen den lustigen Stunden im legendären Kennedy’s Irish Pub nach weniger lustigen Prüfungen. Wegen den zahlreichen spassigen Momenten mit Kolleginnen und Kollegen und wegen dem tollen Gefühl, unverhofft einen freien Abend verbringen zu können.
Natürlich aber, weil mir das Studium neue Horizonte und berufliche Möglichkeiten eröffnete. Und nicht zuletzt lernt man viel über sich selber und seine Grenzen. Lustig ist es nämlich nicht immer. Aber es lohnt sich.

Herzlichen Dank und weiterhin viel Erfolg!

 

 

Portrait Aline Theiler

Aline Theiler

Medienverantwortliche

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