Darden Leadership Programm 2019 – Wandtafel

Im Fokus16. April 2019

Darden Leadership-Programm: PowerPoint-Detox

Urs Jäckli, Studiengangsleiter des Master of Science in Business Administration, hat seine Studiengruppe beim einwöchigen Leadership-Programm an der Darden School of Business der University of Virgina begleitet. Die Uni ist bekannt für ihre fallbasierte Methodik und den Verzicht auf PowerPoint-Folien. Hier berichtet Urs Jäckli, wie sich diese Lehrmethode für ihn anfühlt und was es bei seinen Studierenden ausgelöst hat.

Wer kennt es nicht: Die Augenlider werden immer schwerer. Der Blick verschwimmt und kann nur mit grösster Anstrengung fokussiert werden, bevor die Dinge erneut in sich verfliessen. Wir alle waren schon mal an diesem Punkt. Früher waren es Grossvaters epische Dia-Abende, welche Synonym für langatmiges, komplett von Höhepunkten befreites, Storytelling waren. Wie verrückt muss es erscheinen, dass eine Softwarefirma aus Redmond auf die Idee kam, diese langweiligen Dia-Abende in die Schulen und Sitzungszimmer dieser Welt zu bringen. PowerPoint war geboren. Damit hatten uns die schon tot geglaubten Dia-Abende wieder eingeholt und die erzählerische Einöde infiltrierte unser Leben von neuem.

PowerPoint-Sünden

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene PowerPoint-Sünden entwickelt: Von der inflationären Nutzung von Farben und Formen, über unleserliche Detailtabellen bis hin zu Foliensätzen mit weit über 100 Folien. Dies hält die Zuhörer und Zuhörerinnen nur schwerlich bei Laune. Dass es auch anders geht, habe ich an der Darden School of Business eindrücklich erlebt. Es ist kaum zu glauben, doch in den Hörsälen stehen jeweils zwei riesige schwarze Wandtafeln. Die Wandtafeln befinden sich nicht aus nostalgischen Gründen in den Auditorien. Sie sind, ganz im Gegenteil, ein integraler Bestandteil des Unterrichts. Die Darden School of Business, die zur University of Virginia gehört, setzt fast ausschliesslich auf Fallstudien zur Wissensvermittlung und diese werden auf den verschiedenen Schiefertafeln aufgearbeitet.

Methodisches Vorgehen mit viel Unterhaltungswert

Bobby Parmar im Unterricht

Bobby Parmar im Unterricht

Professor Bobby Parmar steht in der Mitte des Halbrunds und 55 Augenpaare sind erwartungsfroh auf ihn gerichtet. Virtuos bewegt er sich im Saal, spricht die Studierenden aktiv an und schreibt die wichtigen Erkenntnisse auf die schwarze Wandtafel. Das Quietschen der Kreide katapultiert mich zurück in meine Grundschulzeit. Viel Zeit für Nostalgie bleibt nicht. Der Professor hält das Tempo hoch. Der Unterhaltungswert ist riesig, die Klasse ist engagiert und die Beiträge sind spannend. Nicht, dass die lebendige und mitreissende Weise des Unterrichts der Qualität und Fundierung des Themas abträglich wäre. Die Aufarbeitung der Fallstudie folgt einem klaren methodischen Muster. Doch durch die interaktive und zugängliche Art des Unterrichts geht Lernen ganz einfach und fast unbemerkt von statten.

Ansteckende Begeisterung

In der Fallstudie geht es um die Traditionsmarke «Piaggio». Die Frage, die im Zentrum steht, ist, ob «Piaggio» Teile der Produktion auslagern soll oder nicht. Die Stimmung im Saal ist auf dem Höhepunkt, als den Marken «Piaggio», «Aprilia» und «Honda» menschliche Attribute, eine sogenannte «Brand Personality» zugeschrieben werden müssen. Die Studierenden übertreffen sich gegenseitig mit originellen Einwürfen. Die Dynamik in der Klasse ist ansteckend, alle sind zu 100% engagiert. Die Begeisterung im Saal ist spürbar. So geht Unterricht.

Mehr PowerPoint-Detox?

Als ich mich mit einigen Studierenden gegen Ende der Studienwoche in Virginia austausche, werde ich gefragt, ob wir nun zurück in der Schweiz diese Unterrichtsmethoden auch anwenden werden. Ich meine zu erkennen, dass dies mehr Wunsch als Frage ist. Ganz ohne PowerPoint werden wir wohl auch in Zukunft nicht auskommen, entgegne ich. Obwohl, warum eigentlich nicht?

Urs Jäckli,
Studiengangsleiter Master of Science

Urs Jäckli, M.Sc., hat nach der Lehre bei Hotelplan am internationalen Flughafen von San Francisco gearbeitet. Zurück in der Schweiz fungierte er als Product Manager bei Hotelplan, bevor er in der Rolle des Direktor Sales & Marketing für den Lastminute.com-Konzern die Marke «Holiday Autos» betreute. Danach übernahm er die Geschäftsführung der traditionsreichen Tourismusfachmesse «TTW» in Montreux und stieg später bei American Express ins Key Account Management ein. Darauf folgte der Schritt zu SIX Payment Services, wo er die nationalen Key Account Management Abteilungen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Polen leitete. Die weiteren beruflichen Stationen führten Urs Jäckli als Geschäftsführer in die Personalberatung sowie jüngst zu Sanitas als Leiter Partner- und Key Account Management.

Urs Jäckli, Studiengangsleiter HWZ, MSc Business Administration

Urs Jäckli

Studiengangsleiter

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