Einblick in die Welt des Betrugs

01.02.2017

2015 gewann HWZ-Dozent Frithjof Zweigle den «Credit Suisse Award for Best Teaching» der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Mit dem Preis werden besondere Leistungen von Dozierenden in der Lehre und ihr herausragendes Engagement für die Hochschule und die Studierenden gewürdigt. Mit seinem Preisgeld organisierte Frithjof Zweigle nun für die Studierenden der HWZ ein zweitägiges Forensik–Seminar zum Thema «Fraud Investigations». Die Studierenden lernten dabei, wie wirtschaftskriminelle Handlungen aufgedeckt werden und hatten selbst die Möglichkeit, in Gruppen eine Case Study zu lösen und ein forensisches Interview zu führen.

Der Workshop wurde in Zusammenarbeit mit der BDO, einer Schweizer Prüfungs-, Treuhand- und Beratungsgesellschaft, durchgeführt. Sie verfügt über eines der führenden Teams zur Sachverhaltsermittlung bei Wirtschaftskriminalität in der Schweiz, das den Studierenden einen umfassenden Überblick über den Ablauf von Untersuchungen in Bereichen wie Unterschlagung, Betrug und Bestechung geben konnte. Mit einer theoretischen Einführung als Auftakt, angereichert mit Beispielen aus der Praxis und den Erfahrungen der Referenten, wurde den Studierenden ihre Case Study vorgestellt. Sie erhielten einen detaillierten Fallbeschrieb, sowie die Bilanz und Erfolgsrechnung eines fiktiven Unternehmen. Danach teilten sich die Studierenden in zwei Gruppen auf, um die erhaltenen Unterlagen zu studieren.

Die Case Study

Am zweiten Workshoptag ging es in einem ersten Schritt darum, im Plenum die Resultate zu besprechen. So stellten die Studierenden fest, dass das Unternehmen seit der Anstellung eines neuen Geschäftsführers einen massiv besseren Geschäftsgang auswies. Trotz dieses guten Ergebnisses war der Gewinn zum Vorjahr eher tief. Bei der Durchsicht der Kontoauszüge wurde nebst weiteren Unregelmässigkeiten festgestellt, dass eine Transaktion von rund zwölf Millionen Franken auf das Konto des neuen Geschäftsführers lief.

Die Profis als Sparring-Partner

Mit den gesammelten Informationen waren die Studierenden bereit, ein Interview mit dem Geschäftsführer zu machen, um ihm die Fakten vorzulegen und allfällige Lücken zu schliessen. Gespielt wurde der Geschäftsführer von Stefan Kühn, Head Risk Advisory Services und Partner von BDO. Kühn arbeitet bereits seit 2009 bei der BDO und leitet die Abteilung Forensic Services. Er hat bereits unzählige solcher Interviews selbst durchgeführt. Diese Erfahrung erwies sich für die Studierenden als echte Herausforderung. Schon im Vornhinein gaben die Experten den Studierenden verschiedene Tipps auf den Weg. Beispielsweise dass es wichtig sei, das Gespräch immer in der Hand zu behalten, ruhig zu bleiben, die Antworten des Gegenübers bereits zu kennen und nie zu zeigen, wenn man von einer Aussage doch überrascht wird. Zusätzlich sollten die Studierenden versuchen, die Körpersprache des Gegenüber zu lesen.

Das Interview

Mit diesem Wissen starteten die beiden Gruppen in das Interview. Obwohl Stefan Kühn sich immer wieder mit neuen Provokationen und Ausreden aus dem Schussfeld zu nehmen wusste, blieben die Studierenden hartnäckig und ruhig. Nach fünfzehn Minuten wurden die Interviews unterbrochen und einzelne Sequenzen aus dem Interview thematisiert. Dabei zeigte sich, dass eine der grössten Herausforderungen bei einem derartigen Interview ist, die Gesprächsleitung nicht an einen Gesprächspartner abzugeben sondern selber zu bestimmen, in welche Richtung das Gespräch laufen soll.

Mit diesen zwei lehrreichen Workshoptagen ermöglichte Frithjof Zweigle seinen Studierenden Einblick in ein eher unbekanntes, spannendes Fachgebiet. Und es zeigte sich wieder, was die Studierenden ihm bereits bei der Wahl zum «Teacher of the year» attestierten: Sein Unterricht ist anwendungsnah, unterhaltsam und lehrreich.