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Im Fokus27. Juni 2017

Ethereum – der Game Changer

Von Bitcoin und Blockchain haben die meisten gehört. Aufmerksamen Lesern ist aber auch das Schlagwort Ethereum nicht entgangen und andere wiederum haben vielleicht von Ether gehört. Man liest, Ethereum sei der Game Changer schlechthin. Doch was sind Ethereum und Ether? In diesem Beitrag erklären wir alle relevanten Begriffe und Hintergründe dazu: Was es ist, wieso es wichtig werden kann und wie es funktioniert.

Was ist Ethereum?

Ethereum ist der Name einer Plattform für das Ausführen von Smart Contracts, die auf einer öffentlichen Blockchain basiert.

Wie das Prinzip der Blockchain funktioniert, haben wir im Artikel «Blockchain – kurz erklärt» gezeigt. Die Kernaussage: Bei Blockchain handelt es sich um eine dezentralisierte Datenbank, über die man Geldeinheiten, Besitz- oder Grundrechte sowie Wertpapiere verwalten kann.

Smart Contracts wiederum sind Computerprotokolle, die Verträge abbilden oder überprüfen. Helmut Dietl erklärt es in der Kolumne Kommunikationstechnologie von cash.ch an einem Beispiel: «Unter so einem intelligenten Vertrag versteht man ein Computerprotokoll, das rechtlich relevante Aktivitäten in Abhängigkeit von digitalisierten Wenn-Dann-Bedingungen steuert. Ein einfaches Beispiel für einen Smart Contract ist der Geldautomat. Wenn der Kunde seine Bankkarte eingibt und wenn die eingegebene PIN zur Karte passt und wenn sein Konto nicht gesperrt ist, kann der Kunde Geld abheben.»

Warum sollte man Ethereum Beachtung schenken?

Ethereum ist erst vor knapp zwei Jahren gestartet und hat es in dieser Zeit geschafft, grosse, weltweit tätige Unternehmen hinter sich zu vereinen. Mittlerweile haben sich die Befürworter zusammengeschlossen, die Unterstützung gebündelt und die Enterprise Ethereum Alliance (EEA) gegründet. Mitglieder der EEA sind bekannte Konzerne wie Accenture, BP, Credit Suisse, Deloitte, Intel, J.P. Morgan, Microsoft, Samsung SDS, Santander, Toyota Research Institute und die UBS. Wer sonst noch Teil dieser Allianz ist und was das Ziel ist, beschreiben die EEA selbst am besten:

«The Enterprise Ethereum Alliance connects Fortune 500 enterprises, startups, academics, and technology vendors with Ethereum subject matter experts. Together, we will learn from and build upon the only smart contract supporting blockchain currently running in real-world production – Ethereum – to define enterprise-grade software capable of handling the most complex, highly demanding applications at the speed of business.»

Dieser Zusammenschluss hat auch der digitalen Währung von Ethereum, Ether (ETH), kräftigen Auftrieb gegeben.

«Der Boom der neuen digitalen Währungen erreicht die klassischen Anlageformen der Finanzbranche. In der Schweiz soll noch dieses Jahr ein Fonds auf den Markt kommen, der mit Bitcoin, Ether und weiteren Kryptowährungen unterlegt ist.», berichtet die Handelszeitung am 12. Juni 2017. Wie die Handelszeitung in Erfahrung brachte, ist der geplante Fonds «The Cryptocurrency Fund» nicht für das breite Publikum, sondern nur für qualifizierte Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen und Banken vorgesehen. Trotz aller Euphorie mahnt Jan Brzezek, Chef der Crypto Fund AG mit Sitz in Zug: «Wegen der Risiken sollten Kryptowährungen zurzeit nur zur Diversifikation in der Kategorie Alternative Anlagen genutzt werden.»

Was ist der Unterschied zwischen Ethereum und Bitcoin?

Fangen wir mit der Gemeinsamkeit an: Sowohl Ethereum als auch Bitcoin basieren auf der Blockchain-Technologie. Der zentrale Unterschied ist, dass Bitcoin (nur) eine digitale Geldeinheit ist. Seit dem 1. Juli 2016 kann man in Zug auch in der Stadtverwaltung ab einem gewissen Betrag mit Bitcoins bezahlen, Australien und Japan akzeptieren Bitcoin als Zahlungsmittel.

Mit Bitcoin können Überweisungen direkt und ohne zentrale Abwicklungsstelle wie eine Bank über das Internet abgewickelt werden. Der Kurswert von Bitcoins ergibt sich durch das Angebot und die Nachfrage. Bitcoin ist also eine dezentralisierte Währung, die als Alternative zu einem zentralisierten Bankensystem zu sehen ist.

Ethereum verfügt zwar auch über eine eigene Kryptowährung, nämlich Ether (ETH). Ethereum ist aber keine Währung, sondern eine Plattform. Und genau das ist der entscheidende Unterschied. Dadurch, dass es eine Plattform ist, gibt es weitaus mehr Möglichkeiten: «The use cases for the ethereum network are only limited by the imaginations of application developers. For example, people are developing apps for energy distribution, digital advertising, and a digital marketplace for unused computing power», schreibt VICE motherboard.

Wer steckt hinter Ethereum?

Erfunden hat Ethereum der heute 23-jährige Vitalik Buterin, ein gebürtiger Russe. Als er das White Paper zu Ethereum verfasste, war er 19 Jahre alt. Ethereum ist inzwischen eine Stiftung mit Sitz in Zug und verfolgt laut Eigenaussage folgenden Zweck: «Förderung von neuen Technologieentwicklungen und Applikationen, insbesondere Förderung von neuen offenen dezentralisierten Softwarearchitekturen, dabei sollen dezentrale und offene neue Technologiestrukturen ermöglicht, gefördert und erhalten werden, im Vordergrund, aber nicht ausschliesslich, steht dabei die Förderung der Entwicklung des so genannten Ethereum Protokolls und die entsprechende Technologie sowie die Förderung und Unterstützung von Applikationen unter Anwendung der Ethereum Technologie bzw. des Protokolls; vollständige Zweckumschreibung gemäss Statuten.»

Was ist Ether (ETH)?

Ether ist die Währung von Ethereum, abgekürzt ETH. Sie wird genutzt, um Zahlungen im Ethereum-Netzwerk zu tätigen, z.B. dann, wenn jemand in eine Ethereum-App (DApps, siehe unten) investieren möchte. Der Wert von Ether bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Anfänglich konnte man ein Ether für weniger als einen Franken erwerben, nach einem rasanten Kursanstieg kostet ein Ether aktuell über 300.– CHF.

Was ist Gas?

«Gas» ist quasi der Treibstoff von Ethereum. Für das dezentrale Netzwerk wird nämlich Rechenleistung benötigt – und die kostet. Hintergedanken bei diesen auferlegten Kosten ist, dass ineffizienter Code verhindert wird und niemand umsonst arbeitet. Das erworbene Gas wird in Ether ausbezahlt. Warum Gas notwendig ist und man nicht einfach Ether dafür nimmt, liegt daran, dass der Wert von Ether durch den Markt bestimmt ist und so massiven Einfluss auf die Weiterentwicklung des Netzwerks nehmen würde.

Was ist ein ICO (Initial Coin Offering)?

ICO steht für Initial Coin Offering. Es ist als Äquivalent zum IPO, dem Initial Public Offering, also dem Börsengang, zu verstehen.

Macht ein «Unternehmen» ein ICO, werden im Ethereum-Netzwerk eine Art Anteile herausgegeben. Diese werden «Tokens» genannt und haben nicht die gleiche Funktion wie klassische Aktien. Tokens haben einen spezifischen Unternehmensnutzen und können als Zahlungsmittel innerhalb der App des Unternehmens verwendet werden. Es handelt sich also gewissermassen um eine Währung auf der Währung.

Man kann es sich auch ein bisschen wie ein Crowdfunding vorstellen. Man investiert einen bestimmten Betrag (hier in ETH) und erhält dafür eine bestimmte Belohnung (hier Tokens, die später einen Nutzen haben werden).

Was sind DApps?

DApp ist die Abkürzung für Decentralized Application und bedeutet Dezentrale Anwendungen. Vitalik Buterin beschreibt es in einem Blogbeitrag folgendermassen: «A decentralized application is similar to a smart contract, but different in two key ways. First of all, a decentralized application has an unbounded number of participants on all sides of the market. Second, a decentralized application need not be necessarily financial.»

Was sind DAOs?

Dieses Akronym steht für Decentralized Autonomous Organizations.

«Here, we get into what is perhaps the holy grail, the thing that has the murkiest definition of all: decentralized autonomous organizations, and their corporate subclass, decentralized autonomous corporations (or, more recently, “companies”). The ideal of a decentralized autonomous organization is easy to describe: it is an entity that lives on the internet and exists autonomously, but also heavily relies on hiring individuals to perform certain tasks that the automation itself cannot do», schreibt Vitalik Buterin. DAO sind also über Regeln mehrerer Smart Contracts definiert und verwalten sich selber. Der Code definiert die Organisation und nicht Menschen mit Recht und Vertrauen.

Weshalb wird Ethereum nun als Game Changer gesehen?

Wie wir bereits im Blockchain-Übersichtsartikel erklärt haben, liegt das Potenzial der Blockchain-Technologie in der Dezentralisierung – zentrale Instanzen sind nicht mehr notwendig. Die dezentral funktionierenden Transaktionen sind sicherer hinsichtlich Manipulation und Fälschungen. Hinzu kommen nun die Smart Contracts, die auf Ethereum ausgeführt werden können und die Möglichkeit der stetigen Entwicklungen von Dapps. Es zeigt sich also: mit Ethereum ist es möglich, ein ganzes Ökosystem aufzubauen und darin liegt das Potenzial. Es ist nicht nur auf die Währung begrenzt, wie dies bei Bitcoin der Fall ist.
Praktisches Potenzial zeigt sich konkret am Beispiel der Versicherungswirtschaft, wie ein Beitrag von Axelspringerprofessionals zeigt: «Vorne dabei bei der Entwicklung von Blockchain-basierten Anwendungen ist die Versicherungswirtschaft. AIG, Standard Chartered und IBM wandeln dank dem Blockchain-Framework Hyperledger Fabric seit Mitte Juni in einem internationalen Pilotprojekt eine multinationale Haupt-Police und drei lokale Policen in einen hochkomplexen Smart Contract um. Die Haupt-Police wurde in Großbritannien erstellt, die drei lokalen Policen sind für die USA, Singapur und Kenia. Der Vertrag ermöglicht eine gemeinsame Sicht auf Versicherungsdaten und -unterlagen in Echtzeit. Zudem können der Versicherungsschutz und die Prämienzahlungen sowohl auf lokaler als auch auf Master-Ebene eingesehen werden. Automatische Benachrichtigungen an die Teilnehmer des Netzwerks sind ebenfalls möglich, wenn ein Zahlungsfall eingetreten ist. Das Pilotprojekt zeigt zudem, dass auch Drittparteien in das Netzwerk aufgenommen werden können, beispielsweise Versicherungsmakler, Auditoren oder andere Stakeholder. Diese Teilnehmer erhalten eine jeweils angepasste Sicht auf Policen, Zahlungsdaten und Unterlagen.»
Weiter gab es bereits einen ersten Praxistest von Ethereum für das World Food Programm der Vereinten Nationen. Dieses Programm der UN verwendet die Ethereum-Blockchain, um Flüchtlingen in Jordanien Lebensmittelmarken zu verleihen.
Natürlich gilt es zu bedenken, dass Ethereum immer noch in der (Weiter-)Entwicklung ist und noch nicht ausgereift ist. Dies erklärt auch die volatile Marktentwicklung.
Juni 2017 / Aline Theiler

 

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