Cornelia Diethelm

Im Fokus20. Mai 2019

In Love with… Roboter und Menschen

Cornelia Diethelm baut einen Think Tank für Digitale Ethik in der DACH-Region auf. «Wir müssen sicherstellen, dass wir die disruptiven Technologien zum Wohle aller einsetzen.», sagt die ehemalige MAS Digital Business Studentin mit Bestnote heute.

Artikel von Cornelia Diethelm aus dem YEA(H)RBOOK 2019 des Institute for Digital Business

Aktuell: Cornelia Diethelm zu digitalen Stimmenprofilen im 10vor10 vom 20.05.2019

Science Fiction hat mich nie interessiert. Ich gehöre auch nicht zu den Tech Ladies. Meine neue Liebe zu Robotern entstand erst an der HWZ. Natürlich war ich davon überzeugt, dass dieses Studium die perfekte Investition in meine Zukunft ist. Wer konnte ahnen, dass dies mein Leben so auf den Kopf stellen würde?

Nach wenigen Schultagen war klar: Das ist es für mich! Agil, vernetzt, nicht wissen, was kommt, offen sein für Neues. Wow! Eine Zeitreise durch positive  Gedanken, sich vernetzen wollen und voneinander zu lernen. Leiden wir nicht alle, wenn solch positiver Spirit im Alltag fehlt? Gerade die jüngeren Referentinnen und Referenten sowie der Besuch bei Start-ups zeigten eindrücklich: Hier ist eine neue, smarte Generation am Werk. Das war sehr motivierend. Doch es hatte auch einen gewaltigen Nachteil: Ich wurde ungeduldiger und teils kompromissloser innerhalb der Struktur eines etablierten Grossunternehmens, in dem ich arbeitete. Es begannen mich Dinge zu stören, die ich vorher akzeptiert hatte. Für Pessimisten und Nörgler hatte ich kein Verständnis mehr. Aufbruch war angesagt!

Cornelia Diethelm

Zu den grössten Highlights gehörte für mich das CAS Disruptive Technologies: Die aufgeweckte Klasse, der visionäre CAS-Studiengangsleiter Marcel Blattner, die engagierten Dozierenden, die vielen Besichtigungen vor Ort – für mich war das perfekt. Nie werde ich vergessen, wie wir wie kleine Kinder dem Studiengangsleiter an den Lippen hingen, als er uns in die Welt von Maschinellem Lernen, Quantum Computing und Cyborgs einführte. Unser Interesse schien grenzenlos. Wie wild haben wir uns in einer geschlossenen Facebook Gruppe ausgetauscht und CAS-Arbeiten ausgedacht, die auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig sein mochten. Ist es in absehbarer Zeit realistisch, dass Roboter in der Geschäftsleitung von Unternehmen Einsitz nehmen? Das war die Frage meiner CAS-Arbeit und der Beginn meiner Liebe zu Robotern – aber nicht nur. Mir wurde immer klarer, wie wichtig der Mensch ist, wenn wir disruptive Technologien nutzen. Im Guten, wie im Schlechten. Es ist an uns zu entscheiden, wozu und wie wir die neuen disruptiven Technologien einsetzen.

Doch folgen dieser Erkenntnis auch Taten? Ich denke nicht. Und genau daran arbeite ich heute: Ich möchte Unternehmen und Organisationen dabei unterstützen, die digitalen Möglichkeiten verantwortungsvoll zu nutzen. Nicht mit dem Zeigefinger, sondern indem wir auf mehr Transparenz und Dialog setzen und Unternehmen motivieren, stärker mit der Wissenschaft zusammenzuarbeiten. Das schafft Vertrauen und Akzeptanz in das, was wir bereits heute tun können, und das, was noch auf uns zukommt. Ich nenne es Digitale Ethik, ein Prozess, bei dem jeder und jede mitmachen kann und so die Zukunft mitgestaltet.

Auf die Gefahr hin, in einer Filterblase zu stecken: Digitale Ethik nimmt gerade gewaltig Fahrt auf! Natürlich passt es auch zum Zeitgeist, weil wir zu wissen glauben, wie einzelne Technologien angewendet werden können. Mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU wurde ebenfalls ein wichtiger Grundstein gelegt. So oder so: Im Sommer 2018 mein eigenes Unternehmen zu gründen war der richtige Entscheid im richtigen Moment. Das renommierte Institut Gartner kommunizierte kurz danach, dass Digitale Ethik 2019 zu den Top-Themen gehört und strategisch relevant für Unternehmen ist. Mein Glück war perfekt, denn es löste zusätzlich Interesse am Thema aus. Also entschloss ich mich, jährlich eine grössere Konferenz zu Digitaler Ethik zu organisieren. Die erste sollte bereits vier Monate später stattfinden. Eine Schnappsidee? Dieses ambitionierte Vorhaben hat mir zwar mehrere schlaflose Nächte beschert, doch es hat sich gelohnt: Die Shift 2019 hat mich als Gründerin des Centre for Digital Responsibility (CDR) innerhalb kürzester Zeit nach vorne katapultiert. Dabei wollte ich es eigentlich langsam angehen.

Mit dem Studium verfüge ich über eine sehr gute Wissensbasis, um mich nun vertieft mit den ethischen Aspekten der Digitalisierung auseinanderzusetzen.
Gleichzeitig konnte ich in den vergangenen zwei Jahren ein starkes Netzwerk entwickeln. Manuel P. Nappo hat nicht nur das Institute of Digital Business aufgebaut, sondern auch eine unschlagbar smarte Community, von der wir Studierenden profitieren. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass das Institute of Digital Business meinen Think Tank für Digitale Ethik von Beginn weg als Bildungspartner unterstützt und wir gemeinsam neue Angebote entwickeln, wie zum Beispiel das Seminar Digital Ethics an der HWZ Academy. Was für ein Privileg!

Apropos Privileg: Ohne meinen Lebenspartner hätte ich nicht gewusst, dass es ein MAS Digital Business gibt. Ich würde heute keinen Think Tank für Digitale Ethik aufbauen. Ihm und allen anderen, die mich in den vergangenen zwei Jahren inspiriert, unterstützt und begleitet haben, bin ich unendlich dankbar. Gerne möchte ich etwas davon an andere, wissbegierige Menschen weitergeben.

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