Wer erfolgreich sein will, muss am Ball bleiben

24.10.2017

Wir haben Anna Zimmermann, Absolventin des Bachelor Business Communications, im Lotti auf einen Kaffee getroffen und uns über die Selbstständigkeit, ihr Lokal und den Nutzen eines Kommunikationsstudiums unterhalten.

Anna Zimmermann – Absolventin Bachelor Business Communications

Am Tag unseres Interviews ist Anna Zimmermann gerade 28 Jahre alt geworden. Vor zwei Monaten, am 21. August um genau zu sein, hat sie mit ihren Geschäftspartnern das «Lotti Restaurant Bar Cafe» am Werdmühleplatz eröffnet. Das Trio ist in der Zürcher Gastroszene nicht unbekannt: Martin Arnold führt das «Certo» am Werdplatz und Ralf Weber kochte seit 2011 in der «Wirtschaft Neumarkt». Unterstützt werden sie von René Zimmermann, der seine gastronomische Laufbahn in den Siebzigerjahren begann. Diese führte ihn unter anderem in die berühmte «Alpenrose» und vor über 20 Jahren zur «Wirtschaft Neumarkt».

Spricht man mit Anna Zimmermann, merkt man, wie sie für «Lotti», für die Gastronomie und für die Selbstständigkeit brennt. Aber der Reihe nach. Ihre Kaufmännische Lehre hat sie bei Tamedia gemacht – schon kurz nach dem KV kam die Gastronomie hinzu. Die Kombination von Büro und Gastronomie sei eine wunderbare Ergänzung gewesen. Und genau das habe sie jetzt hier wieder mit «Lotti».

Eine Leidenschaft für die Gastronomie, aber dennoch ein Kommunikationsstudium beginnen?

Sie lacht. «Ein solches Studium war nach meiner Lehre naheliegend und vor allem interessiert es mich ja auch sehr. Ich habe es gar nicht im Hinblick auf die Gastronomie gewählt, aber ich muss rückblickend sagen, dass es perfekt passt. Ich kann das Gelernte nutzen und anwenden, obwohl das Studium nicht für diese Tätigkeit ausgelegt ist.»

Was können Sie denn konkret anwenden?

«Wie überall, wenn man sich selbstständig macht, kommen viele Tätigkeiten und Themen zusammen. Bei der Konzepterarbeitung und Eröffnung kam mir das Gelernte oft zu Gute. So wusste ich, was medienrelevant ist und wie ich die Unterlagen aufbereiten muss. Aber natürlich sind auch die buchhalterischen und wirtschaftlichen Felder relevant, die ethischen und rechtlichen Belange (unterbricht sich selbst) – ich merke gerade, dass es sehr viele passende und hilfreiche Sachen sind.»

Ihre Medienarbeit trug Früchte. «Das Warten auf Lotti, finden wir, hat sich mehr als gelohnt», schreibt das Tagblatt der Stadt Zürich begeistert. Der Food-Blog «Harrys Ding» sieht Potenzial: «Nicht nur im Sommer hat die Lotti-Boulevard-Terrasse das Zeug dazu, den Werdmühleplatz zu einem beliebten Hotspot in Bahnhofsnähe und Bahnhofstrasse zu machen. Auch im Winter könnte der bisher unbeachtete Platz durchaus zu neuem Leben erwachen.» «Ohne Zweifel: Das «Lotti» hat bereits jetzt das Potential zum modernen Restaurant-Klassiker und stellt definitiv eine kulinarische Aufwertung für die Zürcher Bahnhofstrasse dar», resümiert Gault & Millaut nach seinem Besuch.

Wie kam es denn nun zu «Lotti» – zu diesem Lokal an dieser Lage?

«Die Lokalität wurde ausgeschrieben und dann konnte man seine Bewerbung einreichen. Wir haben im vergangenen Jahr ein umfangreiches Bewerbungskonzept ausgearbeitet. Dort wurden unter anderem auch Marketingstrategien erwartet. Wir haben uns dann beworben und schliesslich Ende des letzten Jahres den Zuschlag erhalten.

Wenn ich von wir spreche, meine ich Martin Arnold, Ralf Weber und mich. Wir kennen uns schon lange durch die Gastronomie. Die Wirtschaft Neumarkt, die mein Vater René Zimmermann führt, ist da das Bindeglied, denn dort waren beide tätig bzw. Mitinhaber. Hier bei Lotti haben wir nun eine neue Konstellation von Eigentümern. Für Ralf Weber und mich ist es das erste eigene Lokal. Martin Arnold führt bereits das Certo am Stauffacher. Von René Zimmermann werden wir im Hintergrund nach wie vor unterstützt.»

Jetzt sind die ersten zwei Monate herum. Was ist Ihr Eindruck?

«Für ein richtiges Fazit ist es natürlich noch viel zu früh. Es ist sehr gut angelaufen, wir sind zufrieden. Es ist einfach ein genialer Ort: Bezüglich der Lage, der Gäste. Sehr vielseitig – und das bereitet mir Freude. Wir kochen von Grund auf selber, kennen unsere Zutaten und lokalen Produzenten. Auch beim Interieur haben wir Hand angelegt, wir haben Tische selber geschliffen, Lampen selber aufgehängt und vieles mehr. So haben wir dieses Lokal zu unserem Ort gemacht. Ein Lokal, das mit Ralf Weber, Martin Arnold und René Zimmermann entstanden ist und dadurch auch unsere Persönlichkeit widerspiegelt. Deswegen ist es für uns alle auch so natürlich, hier zu sein und zu arbeiten.»

Was wäre denn gewesen, wenn es diese Ausschreibung nicht gegeben hätte?

«Gute Frage. Ich bin überzeugt, dass im Leben manchmal zum rechten Zeitpunkt die richtigen Zahnrädchen ineinander greifen. Ansonsten wäre etwas anderes Spannendes gekommen. Aber wir sind natürlich sehr glücklich, dass es ‘s Lotti geworden ist. Es ist ein schönes Arbeiten mit viel Teamgeist und wir können prägen und mitentscheiden.»

Sie sind drei Geschäftsführer – wie wird denn die anfallende Arbeit aufgeteilt?

«Jeder bringt Erfahrung mit und hat seine Spezialgebiete. Wir sind uns einig, wann wessen Aussage mehr Gewicht hat. Die Zusammenarbeit funktioniert bestens: Es harmoniert und funktioniert.»

Was ist Ihre Kernkompetenz innerhalb des Trios?

«Martin Arnold und ich haben viel im Hintergrund zu tun: das ganze Administrative, personelle Themen und die Gastgeberrolle. Aber wenn man sich Selbstständig macht, gibt es letztlich nichts, das nicht deine Aufgabe ist. Es muss gemacht werden, was ansteht, und das kann auch mal einfach eine Eismaschine sein, die plötzlich aussteigt. Es ist sehr vielschichtig und immer wieder überraschend, was anfällt.»

Was war denn bisher die grösste Herausforderung?

«Dadurch, dass wir uns in der Konzeptphase sehr intensiv mit den verschiedenen Komponenten wie bspw. dem Angebot auseinandergesetzt haben, ist für uns dieses Projekt sehr natürlich gewachsen. Bis anhin mussten wir auch nicht wahnsinnig viel anpassen oder überarbeiten. Bisher stimmt es für unsere Gäste wie auch für uns.

Für mich ist es eher rein physisch eine Umstellung: lange Tage und auch mehr Bewegung. Allerdings hat das meiner Meinung nach jeder, der sich selbstständig macht.»

Was ist das Wertvollste, das Sie aus der Studienzeit mitgenommen haben?

«Extrem vieles habe ich mitgenommen – auch wunderbare Freunde. Aber im Grunde sind es Wissen, Strategien und Vorgehensweisen. Für mich ist es wichtig am Ball zu bleiben, mich weiterzubilden und zu informieren. Spezifisch habe ich aus der HWZ Dinge mitgenommen wie Teamgeist, was wir in den Gruppenarbeiten jeweils aufgebaut haben. Im Hinblick auf unser Konzept muss ich sagen, dass sicher die schriftlichen Arbeiten sehr hilfreich waren, so konnte ich unsere Idee vermitteln und das Dokument zielorientiert aufbereiten und umsetzen.»

Selbstständigkeit bedeutet auch mehr Risiko, mehr Arbeit. Was bedeutet das für Sie?

«Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein. Das setzt extrem viel Energie frei, die in dieser Anfangsphase gebraucht wird und entscheidend ist.»

 

Herzlichen Dank! Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und viel Energie.

Mehr über «Lotti» erfahren

Werdmühleplatz 3
8001 Zürich
+41 (0) 43 399 01 01

Website des Lokals: www.lotti-lokal.ch