HWZ Arena Digitale Ethik

Veranstaltung07. Juni 2019

Ist Ethik programmierbar?

Kann man ethische Standards designen? Wie schaffen wir es, dass Algorithmen keine Bias mehr aufweisen? Und braucht es Regulierungen in der künstlichen Intelligenz? An der HWZ Arena vom 6. Juni 2019 diskutierten Cornelia Diethelm, Centre for Digital Responsibility, Marcel Blattner, Studiengangsleiter CAS AI Management HWZ, Anne Scherer, Universität Zürich und Carla Hustedt von der Bertelsmann Stiftung über die Frage, ob Ethik programmierbar ist.

Moderator Thomas Rautenstrauch startete die Diskussionsrunde mit einer brisanten Frage: Ist es nicht noch zu früh für Digitale Ethik? Bremst diese den technischen Fortschritt der Digitalisierung?

Nein, meint das Podium. Es sei höchste Zeit, dass Digitale Ethik vertieft diskutiert wird, so Marcel Blattner und Cornelia Diethelm ergänzt: «Wir müssen als Gesellschaft entscheiden, wo Technologie eingesetzt wird und wo wir Menschen möchten, statt Maschinen.»

Wessen Aufgabe ist es, die ethische Verantwortung zu übernehmen?

Carla Hustedt hebt hervor, dass es technisch möglich ist, Verzerrungen und Bias zu erkennen: «Jetzt geht es um einen Kulturwandel, dass diese Möglichkeiten auch genutzt werden. Aber wir können uns nicht darauf verlassen, dass Unternehmen dies tun, deshalb braucht es beispielsweise in der Gesundheitsbranche Regelwerke und Regulierungen.»

Marcel Blattner widerspricht: «Diese Regulierungen finde ich problematisch. Lieber sollte mehr Transparenz erzwungen werden durch die Politik.» Anne Scherrer pflichtet ihm bei: «Man muss viel mehr Transparenz für den Kunden schaffen.» Oftmals würden Kunden gar nicht wissen, wann Websites personalisiert werden und dass bei einer Website Algorithmen im Hintergrund laufen, welche die Kunden analysieren und Social Profiling vornehmen. Das kann gesellschaftliche Folgen haben, es entstehen beispielsweise Filterbubbles.

Carla Hustedt betont, dass es wichtig ist, wie Transparenz definiert wird:

Transparenz ist ein Buzzword. Es geht nicht nur darum, welche Daten da sind, sondern was mit den Daten gemacht wird. Entscheide müssen transparent sein.

Cornelia Diethelm zeigt dagegen auf, wo die Probleme bei allfälligen Regulierungen liegen: «Die Regulierung ist nicht trivial, es gibt viele Probleme: Es gibt globale Player, das Internet geht über die Landesgrenze hinaus, es gibt viele unterschiedliche Interessen, die dort mitreden möchten, es besteht einen Altersgap in der Gesellschaft, der nicht zu vernachlässigen ist.»

Ethische Standards by Design?

Wichtig ist es, so Marcel Blattner, dass die Gesellschaft die Standards bestimmt und nicht die Unternehmen. Ausserdem können Dinge wie «Ethik» nur programmiert werden, wenn es dazu eine klare Definition gibt. Daher findet Blattner Unternehmen, welche technische Lösungen für «Faire Algorithmen» verkaufen, unbrauchbar: «Ich bin extrem gegen diese Open Source Fairness Frameworks, da diese eine falsche Sicherheit im Bezug auf Bias vorgaukeln. Es braucht Druck von bottom-up.»

 

Cornelia Diethelm macht auf das Spannungsfeld mit den vielen unterschiedlichen Interessen aufmerksam, die dort mitspielen: « Beispielsweise sind gewisse Algorithmen für Versicherungen spannend, privat fühlt man sich aber zu sehr überwacht. Da braucht es immer eine Güterabwegung. Nicht jedes Tool ist bösartig, es ist einfach wichtig, die verschiedenen Blickwinkel zu sehen.»

Neutrale Algorithmen?

Anne Scherrer zeigt auf, dass Algorithmen auch oft fälschlicherweise als neutral wahrgenommen werden: «Treffen Menschen und Algorithmen die gleiche Entscheidung, werden Algorithmen als viel weniger diskriminierend wahrgenommen.» Carla Hustedt bestätigt: «Der Begriff künstliche Intelligenz schafft eine falsche Vorstellung von der Technik. Dahinter stehen immer Menschen, auf diese müssen wir den Blick werfen.»

Im neuen CAS Digital Ethics lernen Sie, ethische Herausforderungen beim Einsatz neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz zu identifizieren, zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten und sie erfolgreich im eigenen Unternehmen zu implementieren. Interessiert? Studienstart ist im Februar 2020. Die Anzahl Teilnehmende ist begrenzt.

 

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