Beitragsbild Dozent Bernhard Schneider Ironman HWZ

Aktuell12. Oktober 2016

Von der HWZ zum Ironman Hawaii

Bernhard Schneider hat eine eigene Kommunikationsagentur, doziert an der HWZ und ist passionierter Triathlet. Nach einer Herzoperation im letzten Jahr qualifizierte er sich 2016 für eines der härtesten Ausdauerrennen der Welt: Die Ironman-Weltmeisterschaft in Hawaii. Wie er seine erste WM über die volle Ironmandistanz erlebte und was er aus den Sport in sein Arbeitsleben mitnimmt, verrät er uns im Interview.

Bernhard-Schneider-Ironman-Hawaii-2016-Lauf-1Bernhard Schneider, wie lief Ihr erster Ironman in Hawaii?

Ich startete gemütlich, um beim Massenstart der rund 1500 Männer nicht in Rangeleien verwickelt zu werden. Anschliessend schwamm ich zügig, aber mit einigen Umwegen, da die hohen Wellen das Geradeausschwimmen nicht gerade erleichterten. Die Radstrecke durchs Niemandsland, die nie flach – kurzer Aufstieg, kurze Abfahrt – und von Wüstenwinden mit 35 bis 40 Grad geprägt ist, fordert mental einiges. Dasselbe gilt auch für den Marathon: Etwa 22 der 42 Kilometer führen weit weg von den Zuschauern durch die Wüste. Der schwierigste Moment war, als ich nach etwa fünf Laufkilometern meinen kapitalen Fehler spürte: Ich hatte meine Socken für den Marathon nicht gewechselt und kriegte, durch den Sand vom Schwimmen, Blasen an den Fussflächen. Die Aussicht, mit diesen Blasen noch 37 Kilometer durchzuhalten, führte mich zuerst in ein Tief. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und am Schluss haben mich die Schmerzen in den Füssen motiviert, schneller zu laufen, um endlich im Ziel einzutreffen. Mit 12 Stunden und 12 Minuten erreichte ich die in der aktuellen Verfassung bestmögliche Zeit und war enorm glücklich, als ich über die Ziellinie gehen durfte. Für das nächste Mal habe ich einige Erfahrungen gesammelt, aber zuerst muss ich mich wieder qualifizieren …

Vor einem Jahr hatten Sie eine Herzoperation, nun stehen Sie wieder an der Startlinie. Wie haben Sie die vergangenen 12 Monate erlebt?

2015 bin ich mit grossen Ambitionen gestartet, schied aber bei den ersten beiden Wettkämpfen aus, weil mein Puls markant zu hoch war. Die Untersuchung ergab Vorhofflimmern. Ich habe mich sogleich zur Operation entschieden. Anschliessend erhielt ich Medikamente, die meine Leistung während eines halben Jahres stark drosselten.

Im Winter, als icIronman-Hawaii-BSh das Training wieder ernsthaft aufnehmen konnte, war sowohl die Maximal- als auch die Ausdauerleistung so stark reduziert, dass ich dachte, das höchste der Gefühle wäre, das Ziel bei einem Ironman irgendwann wieder zu erreichen. Vor dem ersten Wettkampf war ich dementsprechend nervös. Ich ging sehr vorsichtig ans Werk, um nichts zu riskieren, und war sehr überrascht, dass ich in Aix-en-Provence mit einem Rückstand auf zuvor gleich starke Kollegen von nur einer halben Stunde einen Topten-Rang in meiner Altersklasse erreichte. In Rapperswil fünf Wochen später blieb ich vorsichtig und verlor gar nur noch 10 Minuten auf die Spitze. Beim Ironman in Zürich wurde ich dann Schweizermeister und qualifizierte mich überraschend für die Weltmeisterschaft.

Welche beruflichen Erfahrungen helfen Ihnen beim Sport? Und umgekehrt, welche Erfahrungen aus dem Sport nehmen Sie mit in Ihren Alltag?

Wichtige Gemeinsamkeiten sind die Fokussierung auf Ziele, der Umgang mit beschränkten Ressourcen und die Fähigkeit zur Selbstkritik. Ich habe mir angewöhnt, nicht nur dann, wenn etwas nicht nach Wunsch gelaufen ist, zu überlegen, was ich hätte besser machen können. Ein weiterer Aspekt ist das Gespür für die aktuelle Verfassung. Wenn ich beispielsweise an einem Tag zwei oder drei Unterrichtsblöcke habe, schätze ich morgens meine Fitness an diesem Tag ein und dosiere die Energie so, dass sie für alle Lektionen gleichmässig ausreicht. In der Arbeit für Kunden gehe ich von den Ressourcen aus, die sie zur Verfügung stellen, und versuche, ein Optimum mit den vorhandenen Mitteln zu leisten, das heisst, ich passe mich flexibel der Realität an, statt a priori an meinen Vorstellungen festzuhalten.

 

 

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