May 7, 2026 · 40 Jahre HWZ

270 Kilometer durch die Sahara: Tim Hugis Fazit über den Marathon des Sables

270 Kilometer durch die Sahara, 6 Tage unterwegs mit Gepäck auf dem Rücken und Temperaturen über 40 Grad: Tim Hugi hat Anfang April den Marathon des Sables absolviert – eines der härtesten Rennen der Welt. Parallel dazu arbeitete er und schloss seinen Bachelor in Betriebsökonomie an der HWZ ab. Im Interview spricht er über mentale Grenzen, Disziplin und darüber, wie sich Studium, Beruf und ein Extremprojekt miteinander verbinden liessen.

Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.


Anfang April stellte sich Tim Hugi einer aussergewöhnlichen Herausforderung: dem Marathon des Sables. Der Bachelor Betriebsökonomie-Absolvent lief dabei 6 Tage durch die Sahara und legte 270 Kilometer zurück – bei extremen Bedingungen. Während des ganzen Rennens trug Tim seine komplette Ausrüstung auf dem Rücken. Beim Start wog diese noch 14 Kilogramm. Das Gewicht reduzierte sich täglich mit dem Verzehr des mitgeführten Proviants. Einen Monat später ziehen wir mit Tim das Fazit.

Herzliche Gratulation, Tim, zum erfolgreichen Absolvieren des Marathon des Sables und willkommen zurück in der Zivilisation. Erzähl uns: Wie war es?

Roh, intensiv und kompromisslos ehrlich. Der Marathon des Sables zwingt dich, alles Überflüssige abzulegen – physisch wie mental. Du bist permanent mit dir selbst konfrontiert, ohne Ablenkung, ohne Komfort. Jeder Schritt wird zur bewussten Entscheidung, weiterzugehen. Am Ende bleiben dein Wille, dein Körper und die Frage, wie gut du mit dir selbst umgehen kannst. Genau diese Reduktion auf ein absolutes Minimum macht das Erlebnis so prägend.

Worauf hast du dich nach dem Rennen am meisten gefreut?

Auf die einfachen Dinge, die man sonst komplett unterschätzt. Eine Dusche, frisches Essen und ein richtiges Bett bekommen plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Ich habe mich konkret auf Dinge wie Döner, Pide mit Sucuk, Pizza oder einfach frisches Weissbrot gefreut. Gleichzeitig auch auf eine ruhige Minute für mich allein, um alles einzuordnen.

An die eigenen Grenzen gehen

Der Marathon des Sables gilt als eines der härtesten Rennen der Welt: 270 Kilometer durch die Sahara mit Gepäck auf dem Rücken. Was hat dich dazu motiviert, dich dieser Herausforderung zu stellen?

Mich reizt das Unbequeme. Ich wollte herausfinden, wo meine Grenzen liegen und ob sie wirklich so starr sind, wie man oft denkt. Solche Projekte geben dir eine Klarheit über dich selbst, die im Alltag kaum möglich ist. Es geht weniger um das Rennen an sich, sondern um den Prozess dahin: die Vorbereitung, die Zweifel, das Dranbleiben. Genau darin liegt für mich der eigentliche Wert.

Was war für dich während des Rennens die grösste mentale Herausforderung?

Die Dauerbelastung und kumulierende Erschöpfung. Es ist nicht ein einzelner Moment, sondern die konstante Hitze, die Monotonie und die Erschöpfung über mehrere Tage. Dein Kopf sucht ständig nach Auswegen, während dein Körper einfach nur müde ist. Du musst lernen, diese Gedanken einzuordnen und trotzdem weiterzumachen. Mentale Stabilität entscheidet darüber, wer das Rennen durchzieht, und wer aussteigt.

Du hast dich monatelang auf den Marathon des Sables vorbereitet. Was hat sich dabei am meisten bezahlt gemacht?

Konstanz und Freude. Es ist nicht ein einzelnes Training, das den Unterschied macht, sondern die Summe vieler durchgezogener Einheiten. Besonders wichtig war, auch dann zu trainieren, wenn es nicht perfekt in den Alltag passt. Diese Disziplin überträgt sich direkt ins Rennen. Gleichzeitig habe ich gelernt, meinen Körper durch Langstreckenmärsche besser zu verstehen. Das gibt Sicherheit, wenn es darauf ankommt.

Wie sich Studium, Beruf und Extremsport verbinden liessen

Parallel zu deinen Vorbereitungen hast du gearbeitet und deinen Bachelor in Betriebsökonomie an der HWZ abgeschlossen. Wie gut liess sich das alles miteinander verbinden und welche Rolle hat dein Studium dabei gespielt, dass du ein Projekt wie den Marathon des Sables überhaupt stemmen konntest?

Es war anspruchsvoll, aber machbar mit klaren Prioritäten. Ohne Struktur funktioniert ein solches Projekt nicht.

Mein Studium hat mir geholfen, genau diese Struktur aufzubauen: Ziele definieren, Ressourcen einteilen und konsequent umsetzen.

Tim Hugi, Absolvent Bachelor Betriebsökonomie HWZ

Am Ende ist es wie ein Projekt mit klarer Deadline. Du musst liefern, unabhängig davon, wie es sich gerade anfühlt.

Du hast dein Ziel erreicht, das Projekt Marathon des Sables ist (vorläufig) abgeschlossen. Wie verarbeitest du diese Erfahrung emotional?

Mit etwas Abstand. Während des Rennens funktionierst du hauptsächlich und bist im Wettkampfmodus. Erst danach wird dir bewusst, was du wirklich erlebt und geleistet hast. Diese Reflexion braucht Zeit. Viele Eindrücke kommen erst verzögert. Es ist dieser Prozess, der die Erfahrung nachhaltig macht.

Was nimmst du daraus für deinen Berufsalltag und dein Leben allgemein mit?

Dass Disziplin langfristig stärker ist als Motivation. Motivation kommt und geht, Disziplin bleibt. Viele Grenzen entstehen im Kopf und können dort auch verschoben werden. Wer diese Erfahrung macht, verändert seinen Blick auf Herausforderungen. Im Alltag wirken sie oft kleiner und lassen sich dadurch gelassener einordnen. Diese mentale Stärke und neue Perspektive empfinde ich als extrem wertvoll.

Du suchst immer wieder neue sportliche und organisatorische Herausforderungen. Welches Projekt steht bei dir als nächstes an?

Mich reizen Projekte, die physisch und mental an Grenzen gehen. Gleichzeitig sollen sie sich sinnvoll in meinen Alltag integrieren lassen. Besonders spannend finde ich Kombinationen aus Ausdauer und Organisation – also nicht nur teilnehmen, sondern auch etwas aufbauen. So organisiere ich jährlich mit zwei Freunden «Walk the Lake», einen 50- beziehungsweise 100-km-Lauf um den Zürichsee ohne Wettkampfcharakter und Zeitmessung, bei dem die persönliche Erfahrung und das gemeinsame Wachstum im Vordergrund stehen.

Zum Schluss: Welche Schlagzeile über die HWZ würdest du gerne einmal lesen?

«HWZ-Alumni läuft 300km non-stopp um den Zürichsee» 😉