May 13, 2026 · Testimonial
Wie ein Start-up dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen entgegenwirkt
Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen wächst und mit ihm die Frage, wie medizinisches Wissen künftig effizient vermittelt werden kann. Mit dem Schweizer Start-up Meta Hospital setzt Gründerin Laraine Redmond und ihr Team auf evidenzbasierte XR-Trainings, um Fachkräfte schneller, flexibler und praxisnah auszubilden. Für diese Vision wurde Meta Hospital am Talent Pitch Switzerland 2026 mit dem Cluster-Sieg und dem UBS-Publikumspreis ausgezeichnet.
Laraine Redmond, Gründerin von Meta Hospital, und ihr Team entwickelten eine XR-Trainingsplattform für das Gesundheitswesen. Ziel ist es, medizinisches Expertenwissen skalierbar, praxisnah und jederzeit verfügbar zu machen. Im Interview spricht sie über den Sieg des Talent Pitch Switzerland 2026, den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und die Vision hinter Meta Hospital.
Laraine, herzliche Gratulation zum Gewinn des Talent Pitch Switzerland 2026! Was ging dir nach dem Sieg durch den Kopf?
Vielen herzlichen Dank! Ich fühle mich grossartig. Ich bin sehr stolz auf alle Menschen, die Meta Hospital bis hierhin mitgetragen und mitentwickelt haben.
Viele Menschen, die mir wichtig sind – Familie, Freunde, Kollaborationspartner, Mentorinnen und Kernteammitglieder – waren vor Ort oder haben im Livestream mitgefiebert. Das hat mich während des Pitches stark angetrieben.
Wir freuen uns sehr über den Cluster-Sieg, der durch die Jury mit Andrew Reid, Antonia Albert, Bea Knecht, Jan Lederhausen und Thomas Dübendorfer vergeben wurde. Besonders freuen wir uns auch über den UBS-Publikumspreis. Das bedeutet uns sehr viel.
Was verändert dieser Sieg konkret?
Für mich persönlich ist der Gewinn eine grosse Bestätigung. Er zeigt mir, dass ich eine weitere Challenge erfolgreich gemeistert habe und dass wir mit Meta Hospital auf dem richtigen Weg sind. Das ist ein sehr gutes Gefühl.
Für Meta Hospital bedeutet der Gewinn vor allem Sichtbarkeit und wertvolle neue Kontakte. Er ist ein weiterer grosser Schritt, um die passenden Investorinnen, Investoren und Partner für unser Venture zu finden.
Was macht Meta Hospital?
Mit Meta Hospital trainieren Lernende und Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen relevante Arbeitsabläufe für ihren Berufsalltag. Wir übersetzen Expertenwissen in evidenzbasierte Workflows. Diese können mit einer XR-Brille Handgriff für Handgriff trainiert werden – orts- und zeitunabhängig und ohne dass während des Trainings zwingend eine Lehrperson anwesend sein muss.
Im Vergleich zur traditionellen Ausbildung lernen Trainierende mit der Meta Hospital Methode schneller, performen danach besser, wissen mehr und können während des Trainings sogar ihr Stresslevel reduzieren.
Warum braucht das Gesundheitswesen Meta Hospital gerade jetzt?
Die Europäische Kommission und die WHO warnen vor einer ernsthaften Versorgungslücke im europäischen Gesundheitswesen. Bis 2030 fehlen in Europa rund eine Million Gesundheitsfachkräfte. Gleichzeitig gehen fast zeitgleich rund 25 Prozent der heute arbeitenden Fachkräfte im Gesundheitswesen in Pension. Das betrifft nicht nur die Versorgung von Patientinnen und Patienten, sondern auch die Ausbildung. Expertenwissen verlässt das System schneller, als es nachgeschult werden kann.
Genau hier setzt Meta Hospital an. Wir übersetzen Expertenwissen gemeinsam mit Bildungs- und Gesundheitsinstitutionen in immersive, evidenzbasierte Trainings. Diese sind jederzeit verfügbar, entlasten Ausbildende und können zu einem Bruchteil der Kosten klassischer Trainings eingesetzt werden.
Wie entstand die Idee zu Meta Hospital?
Meta Hospital ist aus unserer Erfahrung mit XR-Trainings bei der Pixelmolkerei AG entstanden. Gemeinsam mit dem Imperial College London und Prof. Dr. Kartik Logishetty konnten wir zeigen, dass XR-Trainings im Vergleich zu klassischen Lernmethoden sehr starke Resultate erzielen. Bisher wurden solche Trainings vor allem für chirurgische Anwendungen entwickelt. Gleichzeitig wissen wir: In einem Spital hängt Qualität nicht nur von einer einzelnen Berufsgruppe ab, sondern vom Zusammenspiel vieler Fachpersonen. Genau daraus entstand Meta Hospital.
Wir wollen evidenzbasierte XR-Trainings für verschiedene Gesundheitsberufe zugänglich machen – praxisnah, skalierbar und direkt entlang realer Arbeitsabläufe.
Der Name verbindet «Meta» als Hinweis auf immersive, dreidimensionale Lernwelten mit «Hospital» als Ort, an dem viele Gesundheitsberufe zusammenkommen. «Train like a Pro» bedeutet: Lernende trainieren mit einem System, das auf Expertenwissen aus der Praxis basiert.
Welches Feedback aus dem Pitching-Prozess hat dir besonders geholfen und nimmst du für die Zukunft mit?
Jedes Feedback hat geholfen – unabhängig davon, von wem es kam. Es hat den Pitch sprachlich, inhaltlich und visuell geschärft. Ich habe gelernt, noch klarer auf den Punkt zu bringen, welches Problem wir lösen, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist und welches Potenzial Meta Hospital hat. Für die Zukunft nehme ich mit, dass ein guter Pitch nie fertig ist. Er wird mit jedem Gespräch präziser.
Wie hat dich deine Zeit an der HWZ auf deinen unternehmerischen Weg vorbereitet?
Meine unternehmerische Laufbahn war lange stark von Learning by Doing geprägt. Ich habe über viele Jahre in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet – von Marketing und Sales über Produktentwicklung bis hin zu Personal und Unternehmensaufbau.
Die HWZ hilft mir heute, dieses Erfahrungswissen zu strukturieren und gezielt weiterzuentwickeln. Sie bestätigt vieles, was ich bisher intuitiv gemacht habe, und gibt mir Werkzeuge für die nächsten Wachstumsschritte.
Besonders der CAS Women Leading Digital HWZ hat mich bestärkt, meinen Weg als Unternehmerin konsequent weiterzugehen. Es fühlt sich an wie eine Wüstenpflanze, die endlich Wasser bekommt: Jetzt beginnt die Phase, in der vieles, was lange gewachsen ist, sichtbar wird.
Wie viel am Sieg war Glück und wie viel war Zufall?
Ein guter Pitch ist kein Zufall. Er entsteht aus intensiver Vorbereitung, ehrlichem Feedback und der Bereitschaft, das eigene Unternehmen immer wieder zu schärfen.
Als ich Anfang Jahr entschieden habe, Investorinnen und Investoren mit an Bord zu nehmen, war für mich klar: Ich brauche nicht nur Kapital, sondern auch ein besseres Verständnis dafür, wie Investoren denken. Genau deshalb habe ich mich für den CAS Entrepreneurship an der HWZ entschieden. Der Lehrgang ist sehr praxisnah und auf den Aufbau eines Unternehmens ausgerichtet. Durch die Zusammenarbeit mit der Swiss Startup Association erhalten wir Zugang zu starken Persönlichkeiten aus der Schweizer Start-up-Szene und zu konkretem Coaching.
In diesem Umfeld konnte ich meinen Pitch entscheidend weiterentwickeln. Der Gewinn hat sicher auch mit Glück im richtigen Moment zu tun – aber vor allem mit Vorbereitung, Fokus und dem richtigen Netzwerk.
Was sind eure nächsten Schritte nach dem Wettbewerb? Wo siehst du Meta Hospital in den nächsten drei bis fünf Jahren?
Unser nächster Schritt ist der Aufbau von Meta Hospital als skalierbare Trainingsplattform für Gesundheitsinstitutionen in Europa. Dafür suchen wir ein Investment von 5 Millionen sowie Investorinnen und Investoren, die das Gesundheitswesen verstehen und gemeinsam mit uns einen neuen Standard für evidenzbasiertes XR-Training etablieren möchten.
In den nächsten drei bis fünf Jahren wollen wir über 60 Institutionen als Kunden mit wiederkehrenden Jahreslizenzen gewinnen. Gleichzeitig bauen wir unser Trainingsportfolio aus, damit wir weitere Gesundheitsberufe und relevante Arbeitsabläufe abdecken können.
Langfristig möchten wir Meta Hospital XR-Trainingszertifikate für User anbieten und Meta Hospital als Qualitätslabel für evidenzbasierte Handlungsabläufe im Gesundheitswesen etablieren.
Unser Netzwerk aus Expertinnen und Experten wächst stetig. Dadurch entsteht Schritt für Schritt eine Meta Hospital Community, die immer mehr Fachleute zusammenbringt. Ich habe zudem ein Portfolio an weiteren Ideen. Rund um die wachsende Community und ihr Netzwerk können neue Produkte und Services entstehen. Unser Ziel ist es, die Menschen im Gesundheitswesen stärker miteinander zu verbinden.
Welchen Tipp gibst du anderen, die selbst eine Geschäftsidee umsetzen möchten?
Ich habe einen einfachen 3-Punkte-Plan:
Do it. Fang an. Sich nicht zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung.
Seid mutig und bleibt agil. Der Spass beginnt dort, wo ihr eure Komfortzone verlasst und den inneren Schweinehund überwindet.
Macht nur Kompromisse, wenn sie sich richtig anfühlen. Freude fühlt sich leicht und gut an. Genau dieses Gefühl ist ein wichtiger Kompass.
Vielen Dank, liebe Laraine, für deine Offenheit, das Interview und nochmals: Herzliche Gratulation und viel Erfolg weiterhin mit Meta Hospital.
Mehr Einblicke aus der Start-up Welt an der HWZ
Die HWZ hat sich das Ziel gesetzt, die unternehmerischste Hochschule der Schweiz zu sein. Wir forschen, bilden aus und arbeiten mit Unternehmer:innen und innovativen Unternehmen zusammen, um gemeinsam Mehrwerte für die Schweiz zu schaffen.
