Dozenten im Porträt
Zwei Brüder, eine Leidenschaft für praxisnahe Lehre
Sie inspirieren sich gegenseitig – erst im Studium, später in der Selbstständigkeit und heute als Dozenten an der HWZ. Gemeinsam bringen die Brüder Mathias und Fabian Bamert ihre Erfahrungen aus Unternehmertum und Berufspraxis in den Bachelor Business Communications ein. Im Jubiläumsinterview erzählen sie, welche Rolle das Rennrad für ihren Austausch spielt und warum der Ältere oft für den Jüngeren gehalten wird.
40 Jahre HWZ · August 3, 2026
Dieser Artikel ist Teil der Content-Reihe zum 40-Jahre-Jubiläum der HWZ. Wir möchten damit die Vielfalt an Geschichten aus unserer Hochschule aufzeigen sowie welche Themen und Personen die HWZ prägen bzw. geprägt haben.
Fabian Bamert ist Gründer der Stickshift Advisory GmbH in Zürich und berät Start-ups, Scale-ups sowie Mittelstandsunternehmen bei Finanzierung und Fundraising. Zuvor war er über 15 Jahre bei einer Schweizer Grossbank tätig, zuletzt als Head Start-up Finance sowie in leitender Funktion im Bereich Structured & Syndicated Finance.
Mathias Bamert ist Gründer und Inhaber der Bamert.io GmbH in Baar (ZG) und berät Unternehmen, Marken und Organisationen strategisch bei Positionierung, Markendesign und digitaler Identität. Er bringt über 20 Jahre fundierte Erfahrung aus der Design- und Kommunikationsbranche mit. Neben seiner Agenturtätigkeit ist er als Dozent an diversen renommierten Hochschulen wie der HWZ tätig.
Fabian, du bist seit einem Jahr Dozent an der HWZ. Mathias, du unterrichtest bereits seit über zehn Jahren bei uns. Wie habt ihr beide euren Weg an die HWZ gefunden?
Fabian: Das ist eine lustige Geschichte. Ich studierte 2003-2007 an der HWZ Betriebsökonomie und nach meinem Abschluss motivierte ich meinen Bruder, den Bachelor Business Communications dort zu absolvieren (was er übrigens getan hat). 😉 Jahre später war es dann genau umgekehrt: die Motivation für die Selbstständigkeit und der damit verbundenen Dozententätigkeit ging von meinem grossen Bruder aus und ich folgte ihm.
Mathias: Ich traf bei einem Besuch im Fitnessstudio den früheren Studiengangsleiter Cyril Meier. Er meinte, dass es doch Personen wie mich aus der kreativen Praxis an der HWZ braucht. Kurz darauf war ich als Dozent unterwegs. 🙂
Mathias, welche Erinnerungen verbindest du mit deiner Studienzeit an der HWZ?
Ich hatte eine intensive und schöne Zeit an der HWZ. Es sind Freundschaften entstanden, die bis heute halten, und meine schulischen Anstrengungen haben mich in Kaderpositionen in diversen Firmen geführt. Das Studium war gleichzeitig der Startschuss für meine Selbstständigkeit, die ich genau 10 Jahre nach meinem Bachelor-Abschluss aufgenommen habe und nun seit über sieben Jahren erfolgreich läuft.
Bachelor Betriebsökonomie HWZ
Start 2x pro Jahr | September & März
Duration 8 Semester | 3 Jahre Hauptstudium, 1 Jahr Vertiefung
Bachelor Business Communications HWZ
Start September
Duration 8 Semester
Hättet ihr euch früher vorstellen können, dass ihr eines Tages beide an der HWZ unterrichten würdet?
Fabian: Nein, der Zufall wäre einfach zu gross gewesen. Aber wir teilen seit unserer Kindheit Freunde, Sportinteressen und sind beste Kumpels. Daher war es vermutlich so bestimmt, dass wir auch diesen Weg gemeinsam beschreiten.
Mathias: Nein, für mich war das ein unerreichbares Ziel. Als ich gehört habe, dass die Möglichkeit besteht, habe ich sofort zugeschlagen.
Wie reagieren Studierende, wenn sie erfahren, dass zwei Brüder im selben Studiengang unterrichten?
Fabian: Mega positiv. Sie kennen meinen Bruder und sagen: «Was, du bist sein Bruder?» Sie halten mich stets für den Älteren. 😅 Ich schätze die mir zugetragene Seniorität und gönne meinem Bruder seine behaltene Jugendlichkeit. Vermutlich liegt es an seinem urbanen Kleidungsstil mit Hoodie und Sneakers, der einfach sehr gut ankommt bei den Studierenden. 😉
Mathias: Da kann ich nichts hinzufügen. 😊 Spass beiseite: Ich erlebe genau die gleichen Momente. Die Studierenden fasziniert unsere Ähnlichkeit im Aussehen, Sprechen und Handeln. Das ist schon witzig.
Ihr deckt mit Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) und Finanzen zwei sehr unterschiedliche Fachgebiete ab. Welche Perspektiven bringt jeder von euch in den Unterricht ein?
Fabian: Menschlich wohl dieselben, wenn auch die Thematik nicht weiter auseinander liegen könnte. Zudem sind wir beide selbst unternehmerisch tätig und dieser gemeinsame Nenner kommt auf jeden Fall rüber. Ich glaube, ICT kommt bei den Studierenden im Bachelor Business Communications einfach deutlich besser an. Ich mache eben den harten Teil.
Mathias: Kreativität soll und muss an Wirtschaftshochschulen gefördert werden. Ich hatte das Glück, mich vor über 25 Jahren als Polygrafen ausbilden zu lassen. Danach habe ich immer im gestalterischen Bereich gearbeitet. Diese Emotionen an Studierende weitergeben zu können ist mein Antrieb.
Führt eure gemeinsame Tätigkeit an der HWZ auch ausserhalb des Unterrichts zu Diskussionen über Lehre, Wirtschaft oder aktuelle Entwicklungen?
Fabian: Ja, auf jeden Fall. Wir tauschen uns sehr oft über die Entwicklung und unsere Erfahrungen in unserem selbstständigen Berufsleben aus. Das tun wir gelegentlich auch mal auf dem Rennrad – ein Sportinteresse, das wir gemeinsam teilen.
Mathias: Wie es mein Bruder schon sagt, tauschen wir uns viel aus. Da gehören aber nicht nur unternehmerische Inhalte dazu, sondern eben auch Private.
Fabian, Finanzen sind für viele Studierende im Bereich Kommunikation nicht das Lieblingsfach. Wie gelingt es dir, die Relevanz des Themas für ihre spätere Berufspraxis sichtbar zu machen?
Ich starte meistens mit Praxissituationen, mit denen die Studierenden in der beruflichen Gegenwart oder Zukunft konfrontiert werden könnten. Dadurch wecke ich das Interesse und veranschauliche, dass es wichtig und spannend sein könnte.
Die Denkweise von der Praxis in Richtung Theorie und wieder zurück ist etwas, das ich sehr stark pflege. Damit treffe ich hoffentlich den Nerv der Studierenden bei angewandten Wissenschaften.
Was habt ihr als Dozenten voneinander gelernt, sei es fachlich, didaktisch oder im Umgang mit Studierenden?
Fabian: Ich lerne sehr viel von meinem Bruder. Er ebnete mir den Weg aus dem Corporate-Umfeld in Richtung Selbstständigkeit und erhöhter Selbstbestimmung – ein Thema, das uns schon seit Jahrzenten bewegt. Vom Knowing ins Doing zu kommen war für mich sehr herausfordernd. Sein Kick und sein Erfolg haben mich dazu motiviert, es ihm gleichzutun. Es schliesst sich ein Kreis: Zu Beginn meiner Arbeitskarriere habe ich ihn gepusht – heute tut er es, auch auf dem Rennrad. 😊
Mathias: Wir unterrichten sehr unterschiedliche Fächer bzw. Schwerpunktthemen, aber stellen immer den Menschen ins Zentrum. Es geht nicht darum, belehrend zu wirken, sondern tatkräftig zu unterstützen. Die Studenten sollen die Vorlesung immer mit Freude verlassen können. Und ja, diese Themen besprechen wir intensiv und meistens auf dem Rennrad. 😉
Die HWZ steht seit 40 Jahren für Praxisnähe und berufsbegleitendes Studieren. Wo erlebt ihr diesen Anspruch heute ganz konkret im Unterricht?
Fabian: Beispielsweise im Wahlpflichtfach, bei dem ich aus einer Nische erzählen darf, die ich über die Jahre sehr gut kennen gelernt habe. Das Interesse der Studierenden ist von der ersten Sekunde an geweckt und der Anspruch der HWZ, als die Hochschule für Entrepreneurs zu gelten, kann ich in solchen Kursen zu 300 Prozent sehen. Dies ist toll und motiviert. Ich bin sehr dankbar und lerne viel von den Studierenden, die – ob ich es zugeben möchte oder nicht – eine andere Generation sind als mein Bruder und ich.
Mathias: Diese Erfahrung mache ich im Rahmen meiner projektbasierten Gruppenarbeit. Ziel des Projekts ist es, einen frei wählbaren Protagonisten zu einem spezifischen Thema fotografisch, videografisch, typografisch und lithografisch in den Mittelpunkt zu stellen.
Durch diesen starken Praxisbezug entwickeln die Studierenden ein tieferes Bewusstsein für den tatsächlichen Umfang und die Intensität professioneller Kreativarbeit.
Zum Schluss: Welche Schlagzeile über die HWZ würdet ihr gerne einmal lesen?
Fabian: «Für Entrepreneurs und solche, die es werden wollen, führt kein Weg an der HWZ vorbei.»
Mathias: «Mehr als nur Zahlen: Wie die HWZ dem Schweizer Business eine kreative Seele verpasst.»
