Some parts of our content are currently available in German only.

Best of Bachelor Theses 2026

Piratheep Senthilshelvan konzipiert «Uber für Handwerker»

Die HWZ präsentiert jährlich eine Auswahl der besten Abschlussarbeiten in Form eines «Best of Bachelor Theses» Booklet. Im Bachelor Wirtschaftsinformatik an der HWZ konzipierte Piratheep Senthilshelvan eine digitale Plattform zur Vernetzung von Auftraggebern und Handwerkern. Wie es dazu kam und worum es in seiner Arbeit ging, erzählt er im Interview.

Forschung · November 6, 2026

Über Piratheeps Abschlussarbeit

  • Thema: Matching-Algorithmen im Handwerkssektor: Konzept einer digitalen Plattform zur Vernetzung von Auftraggebern und Handwerkern

  • Betreuungsperson: Erwin W. Fang

  • Note: Die Arbeit, die ein Konzept für die digitale Vernetzung von Privatpersonen mit Handwerker liefert, erhielt die Note 5.8.

Lieber Piratheep, herzliche Gratulation zur «Best of Bachelor Theses» Würdigung! Um was geht es in deiner Abschlussarbeit zum Thema Matching-Algorithmen im Handwerkssektor?

Vielen Dank! Ich freue mich sehr über die Würdigung. In meiner Arbeit geht es vereinfacht gesagt um die Idee einer Art «Uber für Handwerker». Privatpersonen sollen über eine digitale Plattform schnell und unkompliziert einen passenden Handwerker finden können, ohne zuerst mehrere Tage verschiedene Offerten einholen zu müssen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf dem Matching dahinter: Ich habe verschiedene Algorithmen verglichen und untersucht, welcher Ansatz sich am besten eignet, um Auftraggeber und Handwerker anhand von Kriterien wie Verfügbarkeit, Distanz und Qualifikation zusammenzubringen.

Auf welchen Teil deiner Thesis bist du besonders stolz und warum?

Besonders stolz bin ich auf das Gesamtkonzept der Plattform. Die Idee hatte ich von Anfang an recht klar vor Augen und durch die Mockups konnte ich sie sehr konkret darstellen. Sie zeigen anschaulich, wie die Anwendung aus Sicht der Nutzenden funktionieren soll. Zusammen mit der Matching-Logik, der Systemarchitektur und dem Prototyp ist daraus ein stimmiges Gesamtbild entstanden. Gerade diese Verbindung aus Idee, Konzept und technischer Umsetzung finde ich rückblickend besonders gelungen.

Was hat dich dazu inspiriert, dieses Thema zu wählen?

Die Grundidee für eine solche Plattform hatte ich schon einige Zeit vor der Bachelorarbeit im Kopf. Mich interessieren innovative digitale Geschäftsmodelle und auch der Immobilien- und Handwerksbereich allgemein. Gemeinsam mit meinem Betreuer habe ich dann überlegt, wie sich daraus ein geeignetes Thema für die Bachelorarbeit entwickeln lässt. So entstand schliesslich der Fokus auf die Matching-Algorithmen hinter der Plattform.

Was waren für dich die grössten Erkenntnisse aus deiner Arbeit?

Eine der grössten Erkenntnisse war für mich, dass die theoretisch komplexeste Lösung nicht automatisch die beste für die Praxis ist.

Piratheep Senthilshelvan, Absolvent Bachelor Wirtschaftsinformatik HWZ

Bei meinen Vergleichen hat sich gezeigt, dass ein einfacher regelbasierter Ansatz für den konkreten Anwendungsfall sehr gut geeignet sein kann. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie stark Ergebnisse von den gewählten Annahmen, Kriterien und Testdaten abhängen. Gerade deshalb ist es wichtig, verschiedene Ansätze unter denselben Bedingungen zu vergleichen und die Resultate kritisch einzuordnen.

Was war die Herausforderungen bei der Konzipierung einer B2C-Handwerkerplattform zur Vernetzung von Auftraggebern und Handwerkern?

Eine der grössten Herausforderungen war, die reale Handwerkersuche so zu strukturieren, dass sie sich sinnvoll in einer digitalen Plattform abbilden lässt. Je nach Auftrag sind unterschiedliche Kriterien entscheidend. Bei einem Notfall spielt zum Beispiel die Verfügbarkeit eine viel grössere Rolle, während bei einem Spezialauftrag die Qualifikation stärker gewichtet werden muss. Die Herausforderung bestand deshalb darin, diese Unterschiede in klare Use Cases und Regeln zu übersetzen, ohne die Anwendung unnötig kompliziert zu machen.

Welche Methodik hast du in deiner Bachelorarbeit verwendet, um auf deine Forschungsergebnisse zu kommen?

Ich habe einen konzeptionell-technischen Ansatz gewählt. Zuerst habe ich auf Basis der Fachliteratur relevante Matching-Kriterien und geeignete Algorithmen identifiziert. Anschliessend habe ich mehrere dieser Ansätze in Python prototypisch umgesetzt und miteinander verglichen. Da für diesen konkreten Anwendungsfall keine passenden öffentlichen Datensätze verfügbar waren, habe ich synthetische Testdaten erstellt. So konnte ich die verschiedenen Verfahren unter denselben Bedingungen anhand von Kriterien wie Match-Qualität, Fairness und Laufzeit vergleichen.

Piratheep hat nicht nur die innovative Idee zur digitalen Vermittlung von Handwerkern eigenständig entwickelt, sondern auch wissenschaftlich fundiert verschiedene Matching-Verfahren verglichen. Mit beeindruckender Selbstständigkeit hat er aus einem echten Marktbedürfnis einen voll funktionsfähigen Prototyp entwickelt. Seine lösungsorientierte und hochgradig eigenverantwortliche Arbeitsweise macht seine Bachelorarbeit zu einer herausragenden Leistung.

Erwin W. Fang, Dozent und Betreuer der Thesis

Piratheep, weisst du noch, weshalb du dich damals für den Bachelor Wirtschaftsinformatik an der HWZ entschieden hast?

Ich wollte ein Studium, das sich gut mit einem 80-Prozent-Pensum verbinden lässt. Mir war wichtig, während des Studiums weiterhin Berufserfahrung zu sammeln und das Gelernte möglichst direkt in der Praxis anwenden zu können.

Für Wirtschaftsinformatik habe ich mich entschieden, weil mich sowohl wirtschaftliche als auch technologische Themen interessieren. Auch die Aufteilung der Wirtschafts- und Informatikmodule an der HWZ hat mich damals besonders angesprochen.

Wovon hast du während des Studiums am meisten profitiert? Standest du zu Beginn des Studiums an einem anderen Punkt wie jetzt nach deinem Abschluss?

Am meisten profitiert habe ich vom direkten Praxisbezug. Da ich während des gesamten Studiums berufstätig war, konnte ich viele Inhalte direkt mit meinem Arbeitsalltag verbinden und teilweise unmittelbar anwenden. Gleichzeitig habe ich durch die unterschiedlichen Module breite Einblicke in verschiedene Themenfelder der Wirtschaftsinformatik erhalten.

Beruflich stand ich zu Beginn des Studiums tatsächlich noch an einem anderen Punkt. Damals war ich im Marketing tätig, heute arbeite ich als Scrum Master und Release Manager in der IT. Rückblickend haben sich Studium und Beruf damit sehr stark parallel weiterentwickelt.

Was sind deine zukünftigen Pläne? Möchtest du deinen Prototypen weiterentwickeln?

Aktuell ist noch offen, ob ich den Prototypen weiterentwickeln werde. Ich sehe in der Grundidee aber durchaus Potenzial. Bevor daraus ein reales Produkt entstehen könnte, müssten jedoch noch einige Punkte vertieft geprüft werden, etwa rechtliche Rahmenbedingungen, Datenschutz, Geschäftsmodell und Marktfähigkeit. Diese Aspekte waren bewusst nicht Teil meiner Bachelorarbeit. Sollte sich künftig eine passende Gelegenheit ergeben, könnte ich mir gut vorstellen, die Idee weiterzuverfolgen.

Welchen Rat würdest du denjenigen geben, die vor der Herausforderung ihrer Bachelorarbeit stehen?

Mein wichtigster Rat: möglichst früh anfangen und einfach loslegen. Wenn man rechtzeitig startet, kann man die Arbeit viel entspannter Schritt für Schritt angehen und hat gegen Ende deutlich weniger Stress.