Innocheck-Projekt «Gegenwartskasse»
Wie gesellschaftliches Engagement zum Arbeitsmodell werden kann
Was wäre, wenn Mitarbeitende einen Teil ihrer Arbeitszeit für ein gesellschaftlich relevantes Projekt einsetzen könnten und Arbeitgebende diesen Einsatz als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung aktiv mittragen? Die Gegenwartskasse, ein freiwilliges Arbeitsmodell, mit dem Mitarbeitende Zeit für gesellschaftlich relevante Projekte aufbauen können, verfolgt genau diesen Ansatz. Bei der Transa Backpacking AG wird dieses Modell bereits umgesetzt. Die HWZ hat in einer von Innosuisse geförderten Innocheck-Studie gemeinsam mit dem Verein Gegenwartskasse untersucht, ob sich das Modell auch auf andere Unternehmen übertragen lässt.
Forschung · September 21, 2026
Die Gegenwartskasse ist ein Arbeitsmodell, das gesellschaftliches Engagement mit dem Arbeitsalltag verbindet. Mitarbeitende leisten freiwillig zusätzliche, vertraglich definierte Arbeitszeit. Diese fliesst auf ein individuelles Zeitkonto. Das Unternehmen beteiligt sich ebenfalls und verdoppelt die angesparte Zeit. Bei der Transa Backpacking AG können so maximal sechs Tage pro Jahr für gesellschaftlich relevante Projekte eingesetzt werden.
Das Besondere liegt nicht allein in der zusätzlich verfügbaren Zeit. Mitarbeitende können selbst entscheiden, wo sie sich engagieren möchten – vorausgesetzt, das Vorhaben ist mit dem Purpose und den Werten des Unternehmens vereinbar. So werden Einsätze im Rahmen der Gegenwartskasse zu einem festen Bestandteil der unternehmerischen Corporate Social Responsibility (CSR).
Damit unterscheidet sich die Gegenwartskasse von klassischen Corporate-Volunteering-Programmen, bei denen Unternehmen häufig einen bestimmten Einsatztag oder ausgewählte Projekte vorgeben. Bei der Gegenwartskasse stehen Freiwilligkeit, Eigeninitiative und die Verbindung zwischen persönlicher Sinnorientierung und Unternehmens-Purpose stärker im Mittelpunkt.
Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
Purpose soll zur gelebten Praxis werden: Die Gegenwartskasse wirkt besonders dort überzeugend, wo die gewählten Projekte zu den Werten, zum Unternehmenszweck und/oder den strategischen Themen des Unternehmens passen. Die Summe der Beiträge macht das gesellschaftliche Engagement des Unternehmens so auch sichtbarer.
Klare Anknüpfungspunkte sind nötig: Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeitendenbindung und gesellschaftliche Verantwortung im Rahmen des Unternehmenszwecks bieten sowohl strategisch als auch ethisch gute Gründe, um im eigenen Unternehmen eine Gegenwartskasse einzuführen.
Das Modell braucht klare Strukturen: Führung, HR und feste Ansprechpersonen müssen die Umsetzung gemeinsam tragen. Damit dies gelingt, braucht es ein gemeinsames Werteverständnis und das Commitment der obersten Führungsebene.
Freiwilligkeit ist zentral: Damit die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Sinnhaftigkeit gefördert wird, sollten Mitarbeitende selbst entscheiden können, ob und wofür sie sich engagieren. In den ausgewerteten Erfahrungsberichten zeigten sich unter anderem Selbstwirksamkeit, Perspektiverweiterung und Kompetenzerwerb als Outcomes von Projekteinsätzen, die auch aus Sicht des Unternehmens wertvoll sein können.
Wie die HWZ die Skalierbarkeit untersucht hat
Die Innosuisse-Vorstudie der HWZ und dem Verein Gegenwartskasse kombiniert eine Fallstudie bei Transa mit einer Potenzialanalyse bei weiteren Unternehmen. Dafür wurden Interviews mit Mitarbeitenden und Führungspersonen, Erfahrungsberichte sowie eine Sounding-Runde durchgeführt. Die so erhobenen Daten wurden mittels qualitativer Methoden ausgewertet.
So entstand nicht nur eine Analyse des bestehenden Modells, sondern auch eine Einschätzung dazu, welche Voraussetzungen Unternehmen für eine mögliche Einführung der Gegenwartskasse benötigen.
Learning 1: Persönlichen Sinn und Unternehmens-Purpose verbinden
Die Fallstudie bei Transa zeigt, dass die freie Wahl des Einsatzes ein entscheidendes Element ist. Mitarbeitende können Projekte auswählen, die sie persönlich als sinnvoll erleben und die gleichzeitig zum Purpose des Unternehmens passen.
Für Unternehmen heisst das: Die Gegenwartskasse braucht einen klaren Rahmen, innerhalb dessen Mitarbeitende eigene Projekte wählen können.
Learning 2: Das Arbeitsmodell fest im Unternehmen verankern
Die Untersuchung zeigt, dass das Commitment der Unternehmensführung, klare Zuständigkeiten und eine Einbettung in HR-Prozesse wichtige Voraussetzungen sind, damit die Gegenwartskasse im Unternehmen funktionieren kann. Ebenso hilfreich sind interne Ansprechpersonen und konkrete Beispiele, die das Arbeitsmodell greifbar machen.
Für Unternehmen heisst das: Betroffene Führungskräfte sollten früh einbezogen und Verantwortlichkeiten klar definiert werden. Gleichzeitig braucht es verbindliche Strukturen, welche die Planung und Umsetzung des Arbeitsmodells der Gegenwartskasse ermöglichen.
Learning 3: Den Unternehmensnutzen von Anfang an mitdenken
Die befragten Unternehmen sehen in der Gegenwartskasse Potenzial für Arbeitgeberattraktivität, Employer Branding und Mitarbeitendenbindung. Gleichzeitig kann die Gegenwartskasse helfen, Unternehmenswerte sichtbar und für Mitarbeitende konkret erlebbar zu machen.
Für Unternehmen heisst das: Bereits vor der Einführung sollte definiert werden, welchen strategischen Beitrag das Modell leisten soll und wie Wirkung beobachtet werden kann. Etwa Teilnahme, Mitarbeitendenfeedback, Bindung oder Sichtbarkeit des gesellschaftlichen Engagements.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen: Die Gegenwartskasse ist besonders dort anschlussfähig, wo gesellschaftliche Verantwortung bereits Teil des Unternehmens ist und genügend organisatorischer Spielraum besteht.
Damit zeigt das Projekt exemplarisch, wie gesellschaftliche Verantwortung mit konkreten organisationalen und wirtschaftlichen Fragestellungen verbunden werden kann.

